Kulmbach: „Sympathisant der rechten Szene“ stirbt beim Hantieren mit Explosivstoffen

| von Thomas Witzgall

Bei der Explosion von Schwarzpulver starb am Sonntag, den 23.10.2011 ein 23jähriger junger Mann aus Losau bei Rugendorf im Landkreis Kulmbach. Die Polizei beschreibt ihn als „nicht organisierten Sympathisanten der regionalen rechten Szene«.

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Die Polizei stützt diese Aussage vor allem auf den Fund von CDs und Aufhängern mit rechtem Hintergrund. Darunter soll sich auch ein Hitler-Bild befinden. Gefunden wurden diese Gegenstände bei einer Durchsuchung des Wohnhauses am Donnerstag vor dem Unglück, die aufgrund eines Verstoßes gegen das Waffengesetz vorgenommen wurde.

Im Ort geht deshalb das Gerücht um, der Verunglückte soll einen Dritten mit einer Waffe bedroht haben. Gefunden wurden bei dieser Durchsuchung zudem genehmigungsfreie Waffen und pyrotechnische Gegenstände.

Am Sonntag explodierte dann das aus diesen sowie Munition gewonnene Pulver und verursachte schwere Brustverletzungen, an denen der Bastler verstarb. An was der junge Mann konkret gebaut hat, ist unklar. Gefunden wurden Reste von Metallgegenständen, Drähte und Akkus. Beschäftigt war der junge Mann in einen Geschäft für Militärbekleidung, Sportwaffen und militärischer Sammlerware, das auch pyrotechnische Gegenstände führt.

Die Einschätzung als „nicht organisierten Sympathisanten“ bestätigen auch lokale Kenner der Szene. Die auf seiner FB-Seite geführten Heavy-Metal-Bands klingen zwar bisweilen martialisch, sind aber nicht als rechtsextrem bekannt. Und auch unter den FB-Freunden bilden Rechtsextremisten die Ausnahme. Kader des Freien Netz Süd oder des Fränkischen Heimatschutzes sind nicht darunter, auch keine NPD-Politiker. Und nur über die rechten Freunde des 23jährigen stößt man dann auf organsierte Rechtsextremisten wie z.B. einen Angehörigen der Rechtsrockband „White Rebel Boys“.

Die Kombination von Waffen, Sprengstoffen und rechter Gesinnung bilden auch in Bayern keine Ausnahme. Neben dem bekannten Fall um den verurteilten Rechtsterroristen Martin Wiese und die „Kameradschaft Süd“ gibt es auch noch weitere Beispiele extremer Waffensammelleidenschaft bei Angehörigen der extremen Rechten.

Am 24. Oktober verurteilte das Amtsgericht Neuburg an der Donau einen 27jährigen Studenten mit Kontakt zur rechtsextremen Gruppe „Nationales Augsburg“ und zur NPD zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung und zur Zahlung von 500 Euro an den Verein „Jugendhilfe Region 10“. Das Urteil lautete auf unerlaubten Waffenbesitz. Gefunden wurde bei ihm, wie die Augsburger Allgemeine berichtete, zwei Pistolen, 140 Patronen, ein Schalldämpfer, 1000 Stück Gewehr-Munition, dazu eine Hitler-Büste, ein Hakenkreuz und ein NPD-Parteiplakat. Woher er die Waffen und die enormen Mengen an Munition bezogen und wofür er sie gelagert hatte, wollte der Verurteilte vor Gericht nicht nennen.

Im August 2011 versuchte sich der bekannte Rechtsextremist Anton Pfahler in der Nähe seiner Waldhütte zwischen Ried und Attenfeld im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen das Leben zu nehmen. Ein Nachbar hatte wegen Pfahlers auffälligem Verhalten die Polizei alarmiert. Als diese eintraf versuchte sich der schon durch einen selbst beigebrachten Bauchschuss verletzte Pfahler durch einen weiteren Schuss selbst zu töten. So die Rekonstruktion der Zeitung „Donaukurier“. Etwa eine Stunde vorher hatte sich Pfahlers Sohn mit derselben Waffe das Leben genommen, er selber überlebte schwerverletzt.

Pfahler erlangte als führendes Mitglied der „Wehrsportgruppe Hoffmann“ und Aktivist der „Wiking Jugend“ Bekanntheit. Beide Gruppierungen sind schon lange verboten. 1998 durchsuchte die Polizei sein Anwesen und fand unter anderem Maschinenpistolen, Handgranaten und Minen. Pfahler beherbergte auf seinem Anwesen bis 1999/2000 auch die Parteizeitung der NPD, Deutsche Stimme. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten. Nach der Entlassung verhielt er sich weitgehend unauffällig. Eine Erlaubnis für die Pistole mit der er sich erschießen wollte, besaß Pfahler nicht. Sie war zum Zeitpunkt der Tat in Tschechien als gestohlen gemeldet. Pfahlers ehemaliger „Chef“, Karl-Heinz Hoffmann tritt zurzeit wieder häufiger in der rechten Szene auf.

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