NPD Bayern: Ollert am Ende?

| von Redaktion

In der Kritik der bayerischen Neonazi-Kameradschaften: NPD-Landeschef Ollert
In der Kritik der bayerischen Neonazi-Kameradschaften: NPD-Landeschef Ollert

Seit der Aufdeckung der Verbrechen des „Nationalsozialistischen Untergrund“ bemüht sich der bayerische NPD-Vorsitzende Ralf Ollert noch mehr die vom Bundesvorsitzenden seiner Partei Holger Apfel propagierte „seriöse Radikalität“ umzusetzen. Er distanziert sich insbesondere von den im „Freien Netz Süd“ zusammengeschlossenen Kameradschaften und will mit ihnen nicht mehr zusammen arbeiten. Das hat jetzt seinen Stellvertreter Karl Richter (Bundesvorstandsmitglied der NPD und Stadtrat der „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ in München) auf den Plan gerufen.

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In einem vom Nazi-Portal Altermedia veröffentlichten Schreiben Richters an den Landesvorstand der NPD fordert dieser einen inhaltlichen und personellen Wechsel im Landesverband. Richter selbst hat nie Probleme damit gehabt, mit den Kameradschaften des Freien Netz Süd zusammen zu arbeiten, ebenso wie zahlreiche andere NPD-Funktionäre. So war beispielsweise Kerstin Sager vom „Ring nationaler Frauen“ bei der FNS-Demonstration in Landshut dabei, ebenso wie der NPD-Bezirksvorsitzende Weigl aus der Oberpfalz. Gerade in der Oberpfalz trifft die Distanzierung Ollerts auf keinen fruchtbaren Boden, sind doch dort zahlreiche Funktionen in der NPD mit Kadern des „Freien Netz Süd“ besetzt.

Richter mahnt wegen der nicht vorhandenen Kampagnenfähigkeit und der teilweise nicht einmal virtuellen Existenz der bayerischen NPD an, die personelle Basis zu erweitern, sieht aber keine Chance, dies derzeit durch die Gewinnung neuer Mitglieder zu erreichen. Stattdessen schlägt er eine verstärkte Kooperation mit dem „parteifreien Umfeld“, also den Kameradschaften, vor. „Demonstratives Distanzieren ist kontraproduktiv“ schreibt er in seinem Brief an den Landesvorstand in deutlicher Ablehnung der Position seines Landesvorsitzenden. Sollte sich nichts ändern, befürchtet er, dass ein „material- und personalintensiver Wahlkampf im Flächenland Bayern (…) so nicht zu führen sein“ wird.

Inhaltlich will er neben den Themen „Islamisierung“ und „Überfremdung“ Fragen der „sozialen Gerechtigkeit“ und der „Solidargemeinschaft aller Deutschen“ stärker in den Mittelpunkt rücken.

Ein weiterer Kritikpunkt Richters ist die in seinen Augen erforderliche „Professionalisierung und Reaktionsschnelligkeit“ der Medienarbeit. Interessant dabei, dass er diese u. a. aufgrund der „beschränkten Rechtschreibkompetenz“ der NPD-Funktionäre „zentral beaufsichtigen“ will – ein Armutszeugnis für eine Partei, die sich immer als die Partei der „Deutschen, die noch Deutsch sein wollen“ bezeichnet und dabei zugeben muss, die ihre Funktionäre die deutsche Sprache nicht beherrschen.

Richter verzichtet zwar in seinem Schreiben auf die namentliche Nennung personeller Konsequenzen, mahnt diese aber eindeutig an: „ (…) wird aber von den Vorstandsmitgliedern zu erwarten sein, daß wir sie uns eingestehen“. Auch das Naziportal Altermedia interpretiert dies als Anspruch Richters auf den Posten des Landesvorsitzenden der bayerischen NPD.

Damit ist zu rechnen, dass Ollert spätestens beim nächsten Landesparteitag der NPD einen Gegenkandidaten für die Position des Vorsitzenden bekommen wird. Beim letzten Versuch, Ollert abzuwählen, kandidierte Uwe Meenen 2008 gegen ihn und scheiterte. Das Ergebnis führte zum Austritt einiger Funktionäre und zur Gründung des „Freien Netz Süd“. Eine erfolgreiche Kandidatur Karl Richters um den Posten des Landesvorsitzenden würde NPD und „Freies Netz Süd“ wieder enger zusammen rücken lassen.