Weißenburg: Niederlage für die NPD

| von Rüdiger Löster

Protest gegen die Nazi-Kundgebung
Protest gegen die Nazi-Kundgebung

Mehr als 300 Menschen stellten sich den 30 Nazis der NPD-Jugendorganisation entgegen, zeigten ihnen, dass sie in Weißenburg unerwünscht sind. Ein breites Bündnis hatte zu dem Protest aufgerufen, Gewerkschafter und Mitglieder verschiedener Parteien bis hin zum Oberbürgermeister standen den Nazis gegenüber. Den lautstarken Protest konnten diese nicht mehr übertönen.

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Immer nervöser wurden die Nazis nach ihrem ersten Redebeitrag, nach den ersten Musiktiteln, die sie abgespielt haben. Trotz aller Versuche, die Lautstärke ihres Lautsprechers hochzudrehen: sie kamen gegen den Lärm der vielen hundert Antifaschistinnen und Antifaschisten nicht an. Die Nazis diskutierten miteinander, immer mehr zogen ihre Schals ins Gesicht, vermummten sich. Sven Diem von den Jungen Nationaldemokraten und Organisator der Kundgebung und Marcel Maderer von der „Division Franken“ liefen aufgeregt zwischen ihren Gesinnungsgenossen herum, gaben Anweisungen, diskutierten. Dann tritt Roman S. von den „Freien Nationalisten Weißenburg/Gunzenhausen“ ans Mikrofon. Nach wenigen nicht verständlichen Sätzen dann die deutliche Aufforderung: „Kameraden, an die Front“. Bis auf Ralf Ollert, dem Landesvorsitzenden der NPD, stürmten alle Nazis sofort auf eine Absperrung los, versuchten, die dort versammelten Gegendemonstranten anzugreifen.

Das war der erste von insgesamt zwei Angriffen bei der mit mehrstündiger Verspätung begonnenen Nazikundgebung. Trotz dieser Angriffe wurde die Veranstaltung von der Polizei aus „versammlungsrechtlichen Gründen“ nicht abgebrochen.

Aufgerufen zu der Nazikundgebung hatte der vor kurzem gegründete „Stützpunkt Franken/Oberpfalz“ der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“. Motto der Kundgebung war: „Wir sind keine Terroristen – die Presse lügt“.

Während der gesamten Kundgebung werden immer wieder Journalisten und insbesondere Fotografen bedrängt und bedroht. Mit allen Mitteln soll verhindert werden, dass Bilder entstehen, die das Größenverhältnis zwischen Nazis und Demokraten zeigen. Auf der einen Seite ca. 30 Nazis, umringt von drei Seiten von über 300 Gegendemonstranten. Das führte zu der Kuriosität, dass sich die Nazis von vorne fotografieren ließen, aber jedes Bild von hinten zu verhindern versuchten – dabei wären die Gegendemonstranten mit auf dem Foto gewesen und die Größenordnungen wären deutlich geworden.

Nachdem zahlreiche Beschwerden von Sven Diem (JN), Marcel Maderer (Division Franken) und Ralf Ollert (Landesvorsitzender der NPD und Nürnberger Stadtrat der „Bürgerinitiative Ausländerstopp“) bei der Polizei nicht dazu führten, dass die Polizei etwas gegen die Gegendemonstranten und insbesondere deren Lautstärke unternahm, stieg der Frust und die Nervosität der Nazis immer weiter an. Und sie erstatteten Anzeige gegen den Anmelder der Gegenkundgebung. Während anfangs noch befürchtet wurde, die Naziaktion könnte sehr lange dauern – angemeldet war die Kundgebung bis 20.00 Uhr und im Internet hatten sie tags zuvor noch getönt, sie hätten auch Fackeln dabei – brachen die Nazis nach der Rede Ralf Ollerts sehr schnell auf und traten den Heimweg an.

Ein insgesamt erfolgreicher Tag für Weißenburg, eine erfolgreiche Aktion gegen Nazis, die diesen deutlich zeigte: Ihr und eure rassistische und menschenverachtende Ideologie seid hier unerwünscht!

11. März 2012, Ergänzung: Die Nazis wollten unmittelbar an die Kundgebung anschließend eine »spontane« Demonstration durchführen, die lt. verschiedenen Informationen von der Polizei nicht genehmigt wurde. Allerdings sind sie dann anscheinend noch einmal in der Nacht – mit Fackeln – in Treuchtlingen aufmarschiert.

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Fotos: R. Löster und Endstation Rechts.Bayern