»Keine Bedienung für Nazis« jetzt auch in Schwandorf

| von Johannes Hartl

Ein Blick in die Broschüre "Rassisten werden hier nicht bedient" - Ein Ratgeber für die Gastronomie
Ein Blick in die Broschüre "Rassisten werden hier nicht bedient" - Ein Ratgeber für die Gastronomie

Auf eine Initiative des „Schwandorfer Bündnis gegen Rechtsextremismus“ hin, zeigen fortan auch unzählige Schwandorfer Gastronomen Neonazis und Rassisten die Rote Karte. Diese erfreuliche Nachricht konnte das Bündnis bei seinem letzten Treffen, am Mittwoch, den 18. April, bekanntgeben.

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Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Initiatoren der aus Regensburg stammenden Initiative „Keine Bedienung für Nazis“ in den Kreis des Bündnis gekommen waren, um ihre Erfahrungen weiterzugeben und wertvolle Ratschläge für die Durchführung in Schwandorf zu geben. Damals, im Februar 2012, war die Aktion gerade in der Planungsphase, kurz darauf lief sie an. Immer wieder traf sich das Bündnis, die Zwischenstände wurden besprochen, das weitere Vorgehen geplant. Außerdem wurde vereinbart, erst dann an die Öffentlichkeit gehen zu wollen, wenn 50 Wirte die Erklärung unterzeichnet haben.

Heute, rund 2 Monate später, zeigt sich: Die Aktion war ein voller Erfolg und die Resonanz der Wirte, die von den engagierten Bündnis-Mitgliedern aufgesucht wurden, überwältigend. Kaum einer hätte gezögert, viele sogar sofort bereitwillig mitgemacht, erzählten Bündnis-Mitglieder, die bei den Gaststätten für die Aktion geworben haben. Nur vereinzelt hätte es Zweifel oder Unsicherheiten gegeben. Insgesamt haben sich am Ende nahezu 60 Gastwirte klar und deutlich gegen neonazistisches und rassistischen Gedankengut positioniert und die Erklärung unterzeichnet. Damit hat sich ein Großteil der Schwandorfer Wirte an der Aktion beteiligt.

Und Gründe für diese Aktion gibt es tatsächlich zu Genüge. Denn auch in Schwandorf stößt man auf eine eigene rechtsextreme Kameradschaft, einen neonazistischen Online-Versandhandel in Wackersdorf, gelegentliche Aufmärsche und Neonazi-Treffen. Beispielsweise fand im Oktober letzten Jahres der Bezirksparteitag der NPD-Oberpfalz in Schwandorf statt, an dem unter anderem auch der verurteilte Rechtsterrorist Martin Wiese teilgenommen hatte. Wiese wurde im Jahre 2003 wegen eines geplanten Sprengstoffattentats auf die Grundsteinlegung des Jüdischen Kulturzentrums in München zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt. Zudem unterhält die lokale Szene enge Kontakte zu Neonazis in ganz Bayern, wie es auch in der Erklärung heißt.

Insbesondere gegen die Ausnutzung von Gaststätten für Neonazi-Treffen sollte mit der Aktion „Keine Bedienung für Nazis“ jetzt etwas unternommen werden. Und die Freude über die großartige Resonanz und die breite Beteiligung war im Bündnis dann auch entsprechend groß. „Wir können stolz auf Schwandorf sein“, sagte etwa Berthold Pirzer, einer der Sprecher des Bündnis.

Wie genau es jetzt, nachdem die Wirte die Erklärung unterzeichnet haben, weitergehen wird, wird bald noch konkreter geplant werden. Ebenso überdacht werden muss noch, ob man auch wie in Regensburg über einen Aufkleber mit der Aufschrift „Rassisten werden hier nicht bedient! Schwandorfer Gastronomen zeigen Zivilcourage. Initiative Keine Bedienung für Nazis“ nachdenkt oder ob man sich hier etwas anderes vorstellt.

Anmerkung der Redaktion:
Die Nürnberger Nachrichten berichten in ihrer Ausgabe vom 20. April 2012 darüber, dass der Nürnberger Integrationsrat eine entsprechende Initiative für die Nürnberger Gaststätten anregt. Die Sprecherin des Integrationsrates, Diana Liberova, hofft, dass sich auch die Nürnberger Gastronomen den braunen Umtrieben in der Stadt entgegenstellen.