NPD verliert Funktionäre an das „Freie Netz Süd“

| von Rüdiger Löster

Freies Netz Süd
Freies Netz Süd

Mit einem auf den 7. Mai datierten „Offenen Brief“ an den NPD-Parteivorstand treten die Rechtsextremisten Daniel Weigl, Robin Siener und Simon Preisinger aus der NPD aus.
Bereits vor einigen Wochen hatte das NPD-Bundesvorstandsmitglied Karl Richter (Münchner Stadtrat der rechtsextremen BIA) die Politik des bayerischen Landesverbandes massiv kritisiert.

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Mit Weigl, Siener und Preisinger gehen nicht irgendwelche Mitglieder, sondern die führenden Vertreter der NPD in der Oberpfalz. Weigl war seit kurzem Bezirksvorsitzender in der Oberpfalz und Vorsitzender des Kreisverbandes Cham-Schwandorf, Siener war stellvertretender Bezirksvorsitzender und Vorsitzender des Kreisverbandes Regensburg und Simon Preisinger war Vorsitzender des Kreisverbandes Tirschenreuth und Beisitzer im Bezirksvorstand.

Alle drei gehören auch zu den wichtigsten Aktivisten des Freien Netz Süd, von dem sich die NPD versucht zu distanzieren. Preisinger zeichnet presserechtlich verantwortlich für die Internetseite des FNS, Siener trat zuletzt bei der Demonstration des FNS am 1. Mai in Hof bei der Zwischenkundgebung auf.

In ihrem Austrittsschreiben kritisieren sie „insbesondere“ die Führung des Landesverbandes Bayern um Ralf Ollert und „dessen mit Nachdruck geführten Kleinkriege gegen freie Kräfte“. Kritisiert wird auch das von Ollert erlassene Auftrittsverbot gegen Karl-Heinz Hoffmann (ehemals Wehrsportgruppe Hoffmann) und gegen den wegen eines geplanten Bombenanschlags auf das Jüdische Kulturzentrum in München verurteilten Martin Wiese.

Die drei werfen der NPD-Führung vor, eine „nationale Partei“ zu einer „Systempartei“ umzuwandeln und dafür selbst mit dem Staatsschutz zusammen zu arbeiten, an das „Fußvolk“ aus den Kameradschaften erinnere man sich nur in Wahlkämpfen.

Vorgeworfen wird Ollert auch ein schlechter Umgang mit den Parteigeldern und die immer noch nicht erfolgte Anschaffung einer Immobilie für die NPD.

Damit verliert die NPD einen wichtigen Bezirk für ihre Arbeit, einen Bezirk, der allerdings bisher durch Weigl, Siener und Preisinger fest in der Hand des Freien Netz Süd war, die Aktivitäten dieser NPD-Funktionäre fanden meist bisher schon unter dem Etikett »FNS« statt.

Schon in der Vergangenheit war deutlich sichtbar, dass die NPD unter Ollert nicht mobilisierungsfähig ist. Auch der Versuch, durch die Gründung des “JN-Stützpunktes Franken/Oberpfalz“ wenigstens mit der „Division Franken“ eine Kameradschaft an sich zu binden, dürfte von der tatsächlichen Wirkung her ein Flop sein.

Spannend für die weitere Entwicklung wird sein, ob Ollert und Schmaus – der dem FNS angehört – wieder gemeinsam für die „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ in Nürnberg kandidieren und wie sich der BIA-Stadtrat Richter in München verhalten wird. Er hat im Gegensatz zu der von der NPD und Ollert vorgegeben Linie kein Problem damit, mit dem FNS und Martin Wiese zu kooperieren.

Die ausgetretenen NPD-Funktionäre betonen in ihrem Austrittsschreiben, dass sie in „nationalen freien Strukturen und auf kommunaler Ebene“ sichtbar weiter arbeiten wollen.

Ergänzung 07.05.2012, 23.00 Uhr
Austrittswelle in der NPD:

Neben den im Artikel erwähnten NPD-Funktionären Weigl, Preisinger und Siener sind lt. einem Artikel des „Freien Netz Süd“ folgende weitere NPD-Funktionäre aus der NPD ausgetreten:

Unterfranken: der Bezirksvorsitzende Matthias Bauerfeind und der stellvertretende Bezirksvorsitzende

Freising: ein namentlich nicht genanntes NPD-Bezirksvorstandsmitglied

Altötting: fast der gesamte NPD-Kreisvorstand um Roy Asmuß

Nürnberg: der Nürnberger Stadtrat der „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ Sebastian Schmaus

Lt. FNS bedeute der Austritt der Funktionäre aus der NPD „nicht den Rückzug in die Wohlstandsspeckgesellschaft der BRD“. Sie würden „selbstverständlich weiterhin für die Befreiung Deutschlands und unserer Heimat kämpfen, allerdings nicht mehr in den Reihen einer gleichgeschalteten NPD“

Siehe auch:

Weigl versucht sich am Bezirksvorsitz

Ollert am Ende?

Externer Link Ein Bericht beim Störungsmelder/ZEIT zur Krise der bayerischen NPD