Oberprex – National-befreite Zone?

| von Redaktion

Das Gaufeldzeichen der Hitlerjugend weht über Oberprex* (c) J. Hartl
Das Gaufeldzeichen der Hitlerjugend weht über Oberprex* (c) J. Hartl

Oberprex im Landkreis Hof, ein beschauliches Dorf der Gemeinde Regnitzlosau mit weniger als hundert Einwohnern ist am Samstag, 9.6.2012 im sichtbaren Ausnahmezustand. Hundertschaften der Polizei stehen im Dorf und auch außerhalb der Ortschilder sind Polizeibusse stationiert. Auslöser: der „III. Tag der Freundschaft“, den das „Freie Netz Süd“ gemeinsam mit dem „Deutsch-Böhmischen Freundeskreis“ und tschechischen Nazis in Oberprex feierte.

Ein Bericht von Tina Krause und Johannes Hartl

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Oberprex 47, an diesem Tag mit Reichskriegsflaggen auf dem Schornstein und Flaggen mit dem gekreuzten Hammer und Schwert als Nazihochburg dekoriert, zeigte schon von weitem seine wahre Bedeutung für die Nazi-Szene und dass die Rolle des Gebäudes als „Altersruhesitz“ der Eltern des FNS-Aktivisten Tony Gentsch offensichtlich schon lange vom Tisch ist. Es ist nicht die erste Naziveranstaltung, die dort stattfindet, außerdem finden regelmäßig „Kameradschaftstreffen“ und Schulungen statt.

Für einige Aufregung sorgte gleich zu Beginn die Tatsache, dass Journalisten, die über dieses Treffen berichten wollten, von der Polizei sehr intensiv kontrolliert wurden, ihnen wurde ein Platzverweis ausgesprochen und die „in Gewahrsamnahme“ angedroht. Begründet wurde die Maßnahme damit, dass ihre Tätigkeit als „Provokation“ aufgefasst werden könne. Letztendlich stellte sich das Ganze aber wohl als „Missverständnis“ raus: Der Pressesprecher der Polizei bedauerte später dieses Vorgehen.

Bei einem Pressegespräch berichtete er dann den anwesenden Journalisten, dass es im Vorfeld durch die Ordnungsbehörden einige Auflagen gegeben hatte, u.a. die Einhaltung des Jugendschutzes und ein Verbot für Jugendliche unter 18 sowie die Begrenzung der Personenzahl. Einer daraufhin folgenden Klage von Norman Kempken, dem Anmelder des Nazi-Festes, gab das Verwaltungsgericht Bayreuth statt und so durfte laut Pressesprecher der Polizei zum einen Jugendlichen ab 16 Jahren der Zutritt zur Veranstaltung gewährt werden, zum anderen wurde die Veranstaltung in eine Versammlung unter freiem Himmel umdeklariert, das Haus wurde nicht für die Veranstaltung genutzt.

Offen blieb bei diesem Gespräch, ob und mit welchen Mitteln die Polizei die Aktivitäten auf dem Gelände auf Verfassungskonformität überwacht. Nicht erst seit dem Dokumentarfilm „Blut muss fließen“ ist es ein offenes Geheimnis, dass gerade bei Neonazi-Konzerten häufig mit Aufrufen zu Gewalt und anderen Straftaten zu rechnen ist.

Die etwa 50 Teilnehmer der Nazi-Veranstaltung kamen aus Bayern sowie aus Thüringen, Sachsen und Tschechien, wie aus den Kfz-Kennzeichen ersichtlich war.

Einige Neonazis standen mit Kamera-Equipment vor dem ehemaligen Gasthof und erwarteten die Journalisten. Von Michael Reinhardt und später auch Sebastian Schmaus – beide bekannt für ihre „Anti-Antifa-Aktivitäten“ – wurden die Journalisten fotografiert und gefilmt. Reinhardt entfernte sich dann auch vom Anwesen in Richtung Polizeitreffpunkt zu den parkenden Autos der Journalisten, evtl. um deren Kennzeichen zu notieren.

Leiser Protest in Regnitzlosau

Etwa zur gleichen Zeit trafen sich fünf Kilometer entfernt etwa 80 Menschen zu einem Friedensgebet in der Kirche in Regnitzlosau. Gemeinsam mit dem Landrat, Gemeindevertretern und wachsamen Demokrat_Innen aus Regnitzlosau und dem Landkreis Hof wollte man damit ein Zeichen gegen die Neonazis und deren Umtriebe in Oberprex setzen.

Sichtbar vor der Kirche war ein großes Banner der Aussteiger-Initiative EXIT entrollt. Groß darauf zu lesen ist der an die Nazis gerichtete Satz:

„Du kannst nicht frei leben in den Ketten einer Ideologie, die Dich und Deine Persönlichkeit einschränkt!“

Schon am 1. Mai 2012 wurde dieses Transparent an der SPD-Geschäftsstelle in Hof an der Hauswand entrollt, als die Nazis an diesem Tag daran vorbei liefen.

Dieses Transparent wurde noch in der folgenden Nacht „von Unbekannten“ zerstört. Es bleibt die Frage, wie es bei der angeblichen Sicherheitslage und dem Aufgebot an Polizei zu einer solchen Tat kommen kann.

Ernüchternde Lage in Oberprex

Die Lage in Oberprex ist ernüchternd. Eine Gemeinde ist in der Schockstarre, die seit zwei Jahren anhält. Dennoch gibt es vor Ort Menschen, die sich engagieren. Bleibt zu hoffen, dass durch das zerstörte Banner doch noch einige Menschen aufgerüttelt werden.

Das Bild, das sich am vergangenen Samstag in Oberprex gezeigt hat, ist jedoch alarmierend. Der Aufruf des FNS-Kaders Matthias Fischer, »national befreite Zonen« zu errichten scheint in Oberprex aufzugehen. Die Nazis versuchen, durch harmloses Auftreten und freundliches Erscheinen über ihre Ideologie hinwegzutäuschen, sie können nahezu ungehindert in Oberprex agieren.

* Die auf den Fahnen verwendete Abbildung zeigt ein Schwert und einen Hammer, die gekreuzt sind. Dieses Symbol wurde während der Nazizeit als Gaufeldzeichen der Hitlerjugend verwendet.

Autoren: Tina Krause, Johannes Hartl