Aktivitäten der rechten Szene in Mittelfranken

Parteien

NPD-Bezirksvorsitzender war bis November 2008 Matthias Fischer, der ehemalige „Führer“ der verbotenen neonazistischen „Fränkischen Aktionsfront“ (F.A.F.). Er trat auf dem damaligen Landesparteitag aus der Partei aus. Seitdem wird der Bezirksverband vom Landesvorsitzenden Ralf Ollert geleitet. Seit dem Parteiaustritt von Fischer fallen die mittelfränkischen NPD-Kreisverbände, mit Ausnahme von Nürnberg, kaum mehr durch öffentliche Aktionen auf.
Bei der Bundestagswahl 2009 erzielte die NPD in Mittelfranken 1,5 %. Der Stimmkreisbewerber der NPD im Wahlkreis Nürnberg-Süd erhielt mit 2,5 % die meisten Erststimmen aller NPD-Kandidaten in Mittelfranken.
Bei der Landtagswahl im September 2008 hatte die NPD in Mittelfranken 1,4 % der Gesamtstimmen erhalten. Der Landesvorsitzende Ralf Ollert erzielte das beste Ergebnis in Mittelfranken im Stimmkreis Nürnberg-West mit 2,6 %.

NPD-Kreisverband Nürnberg/Bürgerinitiative Ausländerstopp

Vorsitzender ist Ralf Ollert.
Im August 2009 rief der Kreisverband seine Mitglieder und Anhänger auf, sich als ehrenamtliche Richter beim Verwaltungsgericht Ansbach zu bewerben, um das Justizwesen national zu beeinflussen.

Die „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ Nürnberg (BIA-Nürnberg) wurde im im Vorfeld der Kommunalwahl 2002 gegründet. Bei dieser Wahl erreichte der NPD-Landesvorsitzende Ralf Ollert als Spitzenkandidat der BIA-Nürnberg mit einem Stimmanteil von 2,3 % einen Sitz im Nürnberger Stadtrat. 2008 erhielt die BIA-Nürnberg bei der Stadtratswahl 3,3 % der Stimmen, in einzelnen Stadtteilen erhielt die BIA über 10 %. Neben Ralf Ollert zog auch Sebastian Schmaus in den Stadtrat ein.
Der Wahlkampf der BIA war geprägt von ausländerfeindlicher Propaganda. Im Wahlkampf und in der Stadtratstätigkeit der BIA werden ausländische Mitbürger pauschal für alle Probleme in der Stadt Nürnberg verantwortlich gemacht.

Bürgerinitiative Soziales Fürth

Eine weitere Tarnorganisation, mit der die Nazis versuchen, in Fürth Fuß zu fassen. Initiiert maßgeblich vom Nürnberger Anti-Antifa-Aktivisten und BIA-Stadtrat Sebastian Schmaus.

Kameradschaften

Freies Netz Süd

Das FNS ist eine Dachorganisation verschiedener Kameradschaften und bayernweit tätig. Der Schwerpunkt ist allerdings deutlich in Franken. Tony Gentsch, war ursprünglich in der NPD aktiv und verließ diese – gemeinsam mit Matthias Fischer – wieder, er ist einer der Gründer des „Freien Netz Süd“ und trat als Verantwortliche r für die Publikationen und die Internetseite auf. Weitere Aktivisten sind u. a. Robin Siener und Norman Bordin sowie Jürgen Schwab mit seiner Gruppierung „Sache des Volkes“.
Dem Freien Netz Süd gehören auch Mitglieder der „Hammerskin Nation/Crew38 an.

Sache des Volkes (SdV)

Im Frühjahr 2008 initiierte der Rechtsextremist Jürgen Schwab einen „akademischen Gesprächszirkel“, die „Sache des Volkes“ (SdV). In der zwölf Punkte umfassenden Grundsatzerklärung wird deren Position zum Islam dargestellt: „Die Sache des Volkes (SdV) sieht im Islam eine außereuropäische Religion, deren Gesellschaftsbild in vielen Bereichen unseren Traditionen widerspricht. Den Bau von Moscheen lehnen wir in unserer Heimat aber nicht deshalb ab, weil er von Muslimen betrieben wird, deren religiöses Bekenntnis wir akzeptieren, sondern weil er von Ausländern initiiert wird, die nach unserer Überzeugung in ihre Heimatländer zurückkehren sollten.“
Hammer und Schwert kreuzen sich als Symbol der „Sache des Volkes“ (SdV). Ziel der SdV ist es, „den Nationalismus in Deutschland sozialrevolutionär auszurichten“. Das Interesse der Aktivisten liege in der Verbindung der sozialen mit der nationalen Frage.

Neonazi-Kreis um Matthias Fischer

Dieser Personenkreis wurde von Matthias Fischer gegründet und bildet den Kern des „Freien Netz Süd“. Die Gruppe tritt mit unterschiedliche Namen auf: „Kameradschaft Nürnberg“, „Kameradschaft Fürth“.

Freie Nationalisten Nürnberg/Division Franken

Neben den im „Freien Netz Süd“ vertretenen Gruppierungen gibt es im Raum Nürnberg die „Freien Nationalisten Nürnberg“, die mit den „Freien Nationalisten München“ um Philipp Hasselbach zusammen arbeiten.
Zum Jahresende 2010 haben sich die »Freien Nationalisten Nürnberg« mit anderen fränkischen Kameradschaften, u. a. den »NS-Regnitz« zur »Divison Franken« zusammengeschlossen.

Personen

Ralf Ollert

aus Nürnberg war bayerischer Landesvorsitzender der NPD und ist Mitglied der „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ (BIA), für die er seit den Kommunalwahlen 2002 auch im Nürnberger Stadtrat sitzt (seit der Kommunalwahl 2008 zusammen mit Sebastian Schmaus).
Bei Landtagswahlen, Europawahlen und zu Bundestagswahlen kandidierte er für die NPD.
Entsprechend der Programmatik und der Wahlversprechen fällt Ollert im Stadtrat insbesondere durch rassistische Forderungen auf, so z.B. die, den Verkauf von Wohnungen an „Ausländer“ zu verhindern und „Kindergartenplätze vorrangig an deutsche Kinder“ zu vergeben.
Ralf Ollert war bei nahezu allen NPD-Kundgebungen der letzten Jahre in Nordbayern Anmelder und Redner.
Er begann 1976 seine Parteilaufbahn in der NPD-Jugendorganisation, deren Vorsitzender er zeitweise war.

Sebastian Schmaus

Schmaus ist ein Aktivist aus der Anti-Antifa-Szene. Aufgefallen war er vor allem dadurch, dass er politische Gegner fotografierte und diese auf einer entsprechenden Internetseite mit persönlichen Daten ins Netz stellte. U. a. wegen dieser veröffentlichten Fotos kassierte er eine Verurteilung.. Inzwischen stand er ein weiteres Mal vor Gericht, angeklagt wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung. Er wurde wegen Sachbeschädigung verurteilt. Die Strafen reichen von der Strafbemessung her nicht aus, ihn aus dem Nürnberger Stadtrat zu entfernen, dem er seit der Kommunalwahl 2008 als zweiter Vertreter der „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ angehört. Schmaus tritt regelmäßig bayernweit bei Veranstaltungen als Redner auf.

Matthias Fischer

Fischer war ursprünglich ein führender Funktionär der Fränkischen Aktionsfront (FAF), bis diese im Januar 2004 vom bayerischen Innenminister verboten wurde. Außerdem gehörte Fischer auch noch der Skinhead-Kameradschaft »Aryan Hope« (Arische Hoffnung) an; er hat sich diese Bezeichnung über das linke Ohr tätowiert. Die Zeitschrift „Landser“ wurde von ihm herausgegeben.
In der rechtsextremen Band „Hate Core“ war er Schlagzeuger.
Nach dem FAF-Verbot stieg Fischer bei der NPD ein und machte dort bald Karriere, u. a. war er Landesvorsitzender der Jugendorganisation JN. Er übernahm den Kreisvorsitz der NPD in Fürth und stieg 2005 in den Landesvorstand auf. Im selben Jahr kandidierte er für die NPD im Wahlkreis Fürth.
Er war einer der Organisatoren der monatlichen Nazi-Aufmärsche in Gräfenberg.
2008 trat er gemeinsam mit anderen Funktionären aus der NPD aus, da ihm der Kurs des Landesvorsitzenden Ollert nicht passte. Kurz darauf gehörte er zu den Gründern des „Freien Netz Süd“, derzeit findet wieder eine verstärkte Annäherung und Zusammenarbeit zwischen FNS und NPD statt.

Rainer Biller

ist NPD-Funktionär und in der Nürnberger „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ aktiv. Außerdem kandidiert er regelmäßig bei Wahlen.
Im Stadtteil Langwasser, in dem er lebt, gründete er eine „Nationale Sicherheitswacht“ und agitiert derzeit gegen die von der Stadt geplanten multikulturellen Gärten.
In der Vergangenheit ist er bereits öfters wegen angekündigter Immobilienkäufe für die NPD aufgefallen.
Als Biller nach dem bekanntwerden der Mordserie der NSU auf seinem Facebook-Account schrieb „Tod dem Döner es lebe die Nürnberger Bratwurst“ und darunter der Text: „Wenn wir Glück haben verschwinden erst die Dönerbuden und dann der Rest von der Mischpoke“ wurde er – nachdem Anzeige erstattet wurde und die Medien darüber berichteten – aus NPD und BIA Nürnberg ausgeschlossen. Wegen dieser Äußerungen wurde er rechtskräftig verurteilt.
Inzwischen hat er übers Internet seinen »Rückzug aus der nationalen Bewegung« verkündet, inwieweit das ernst zu nehmen ist, bleibt abzuwarten.

Jürgen Schwab

ist ein rechtsextremer Publizist. Er studierte von 1991 bis 1995 Germanistik mit Schwerpunkt Kommunikationswissenschaft / Journalistik und Politikwissenschaft in Bamberg.
Schwab war von 1985 bis 1990 Mitglied der Republikaner, dabei auch Kreisvorsitzender in Miltenberg/Main, dann parteilos, von 2000 bis 2004 Mitglied der NPD. Während seiner NPD-Mitgliedschaft war er Autor der Parteizeitung sowie Leiter des Arbeitskreises „Volk und Staat“ beim NPD-Parteivorstand. Derzeit tritt er hauptsächlich im Umfeld des Freien Netz Süd auf und schreibt regelmäßig für das rechtsextreme Internetforum „Altermedia“.
Schwab ist Mitgründer der „Deutschen Akademie“, die sich in der politischen Bildungsarbeit engagiert und der „Sache des Volkes“. Er war Mitglied in verschiedenen Burschenschaften.
Seit August 2010 schreibt er wieder für die NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“.
Außerdem ist er Autor der ursprünglich von der sächsischen NPD-Jugend herausgegebenen Theoriezeitschrift „Hier & Jetzt“, derzeitiger Herausgeber ist das NPD-nahe „Bildungswerk für Heimat und nationale Identität e. V.“

Frank Rennicke

Rennicke ist der bekannteste und aktivste Liedermacher der Neonazis und ist damit eine wichtige Integrationsfigur der Naziszene. Er lebt in Schillingsfürst bei Ansbach und hat bis heute ca. 30 Tonträger veröffentlicht und hunderte Auftritte absolviert.
Rennicke war Jugendführer bei der rechtsextremen Organisation Wiking-Jugend, bis diese verboten wurde. Nach dem Verbot trat Rennicke in die NPD ein. Außerdem engagierte er sich bei der Deutschen Liga für Volk und Heimat.
2001 war Rennicke neben Ernst Zündel, Horst Mahler, Gerd Honsik, Germar Rudolf, Manfred Roeder, Wilhelm Stäglich, Robert Faurisson und der Witwe von Otto Ernst Remer Gründungsmitglied des „Vereins zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten“, einer Organisation, die im Jahr 2008 verboten wurde. Die 2009 verbotene Heimattreue Deutsche Jugend hielt auf einem Anwesen in Rennickes Besitz verschiedene Treffen ab.
Rennicke arbeitete bei dem Projekt Schulhof-CD der NPD mit, die Musik-CDs mit nationalistischem und rassistischem Inhalt werden bundesweit an Schüler verteilt.
Die Texte zu seiner für Gitarre komponierten Musik greifen rechtsextreme Themen und Wertvorstellungen auf. So besingt Rennicke die Wehrmacht, nennt die Oder-Neiße-Grenze eine „Schandgrenze“, bezeichnet die Polen als „Beschmutzer deutscher Erde“ und feiert „Adis Geburtstag“. Weitere Themen sind Rassismus, Ausländerhass und die Verächtlichmachung linker Gruppierungen sowie einer Vielzahl von Minderheiten. Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß besingt er als Helden und Vorbild. Einige seiner Produktionen sind von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert worden. Zur Begründung heißt es u. a.. Rennicke propagiere in seinen Liedern (…) ausdrücklich Gewaltanwendung „als Mittel zur Wiederherstellung des Reiches“.
2009 und 2010 wurde Rennicke von der NPD als Bundespräsidentenkandidat für die Präsidentenwahl nominiert.

Gerhard Ittner

Gerade im Zusammenhang mit der Terrorgruppe NSU ist ein weiterer Nazi aus Mittelfranken interessant: Gerhard Ittner. 2005 stand Ittner, der eine Zeitlang in der „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ des NPD-Landesvorsitzenden und Nürnberger Stadtrats Ollert mitarbeitete, wegen Volksverhetzung vor Gericht. Vor der Urteilsverkündung tauchte er unter und war bis zu seiner Verhaftung Anfang 2012 in Portugal verschwunden. In den Jahren vor seinem Verschwinden hatte er enge Kontakte zum „Thüringer Heimatschutz“, aus dem auch die drei Mitglieder des „Nationalsozialistischen Untergrund“ stammen.

aktualisiert Oktober 2013