Aktivitäten der rechten Szene in der Oberpfalz

Auch in der Oberpfalz gibt es Bemühungen der NPD, Immobilienbesitz zu erlangen. So versucht der Nürnberger NPD-Funktionär Rainer Biller das ehemalige Hotel „Berghof“ am Dillberg in Postbauer-Heng zu erwerben. Unklar ist derzeit noch, ob es sich – wie schon oft – um ein Scheingeschäft handelt, um für den Besitzer den möglichen Erlös hochzutreiben oder um einen ernsthaften Versuch der NPD, in den Besitz dieses Gebäudes zu gelangen. Vorher gab es bereits Versuche, in Grafenwöhr eine Tennishalle und in Cham einen größeren Komplex mit Veranstaltungsräumen zu erwerben. In beiden Fällen machten die Gemeinden von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch.

In der Oberpfalz veranstaltete die NPD ihre ersten „Bayerntage“: den ersten 2006 in Regensburg mit ca. 800 Teilnehmern, den zweiten in Schmidgaden bei Schwandorf mit ca. 500 Teilnehmern.

Der NPD-Bezirksverband war mit dem Vorsitz von Daniel Weigl und seinem Stellvertreter Robin Siener (Kreisvorsitzender der NPD in Regensburg) fest in der Hand des »Freien Netz Süd«. Beide sind inzwischen wie einige andere Funktionäre aus der NPD ausgetreten und engagieren sich nur noch im Umfeld des Freien Netz Süd. Nachdem einige andere Funktionäre zwar noch nicht ausgetreten sind, aber ihre Funktionen niederlegten, ist der NPD-Bezirksverband Oberpfalz seit Mai/Juni 2012 faktisch nicht mehr existent.

Aktualisierung September 2012: Die Oberpfälzer NPD hat einen neuen Vorstand gewählt, Vorsitzender ist Heidrich Klenhart.

Parteien

Bei der Bundestagswahl am 27. September 2009 erzielte die NPD in der Oberpfalz 1,9  % und damit ein Ergebnis über dem Landesdurchschnitt. Ebenso erreichte die NPD bei der Landtagswahl 2008 ein Ergebnis über dem Landesdurchschnitt in Höhe von 1,7 %.

Als Stimmkreisbewerber in Weiden erhielt Patrick Schröder 2,8 % und damit das beste Ergebnis eines NPD-Kandidaten in der Oberpfalz, Heidrich Klenhardt erreichte in Amberg 2,5 %.

Kameradschaften

Bürgerinitiative Soziale Alternative Oberpfalz

Nach den Austritten führender, dem Freien Netz Süd nahestehender NPD-Funktionäre aus der NPD wurde inzwischen eine »Bürgerinitiative Soziale Alternative Oberpfalz« nach dem Vorbild der »Bürgerinitiative soziales Fürth« gegründet. Sie soll die Interessen der »deutschstämmigen« Einwohner der Oberpfalz vertreten und agitiert gegen Zeitarbeit und gegen Asylbewerber. Als presserechtlich Verantwortlicher für die Internetseite trat der ehemalige NPD-Funktionär Robin Siener auf, Vorsitzender der »Bürgerinitiative« ist Daniel Weigl.

Widerstand Weiden

Zu den Aktivisten dieser Kameradschaft zählt der Vorsitzende des NPD-Kreisverbandes Weiden Patrick Schröder. Die Kameradschaft ist in der rechtsextremistischen Szene in Bayern gut vernetzt und beteiligt sich an Versammlungen in ganz Bayern. Patrick Schröder betreibt die Homepage der Kameradschaft sowie den Radiosender FSN. An den Radiosender angeschlossen ist der gleichnamige Versand, der von Rothenburg (Oberlausitz) aus von einem NPD-Stadtrat verantwortet wird.

Freier Widerstand Regensburg

Im Jahr 2007 stellte der NPD-Funktionär Willi Wiener aus ehemaligen Mitgliedern der Regensburger Kameradschaft „Asgard Ratisbona“ die  Kameradschaft „Sozialrevolutionäre Aktion Regensburg“ zusammen. 2009 erfolgte die Umbenennung  in „Freier Widerstand Regensburg“. Die Gruppe tritt auch unter der Bezeichnung Phänomen „Autonomer Nationalisten“ zu.  Sie verwendet dementsprechend auch die Bezeichnung „Autonome Nationalisten Regensburg“ auf. Die Gruppe ist derzeit inaktiv.

Widerstand Schwandorf

Tritt auch unter »Nationale Aktionsgruppe Landkreis Schwandorf« bzw. »Nationale Sozialisten Schwandorf« auf und gehört dem „Freien Netz Süd“ an. Als Kopf gilt Daniel Weigl, der zudem mit dem „Final-Resistance-Versand“ einen Onlineshop betreibt. Zwischenzeitlich war Weigl auch Kreisvorsitzender der NPD Cham-Schwandorf.

Widerstand Regensburg/Cham

Die Kameradschaft wurde zum Jahreswechsel 2007/2008 gegründet. Führender Funktionär ist der Neonazi Robin Siener. Die Kameradschaft führt regelmäßig Veranstaltungen durch und versucht eine braune Lebenswelt zu etablieren. Bei Veranstaltungen der NPD stellt sie mit dem „Ordnungsdienst“ (OD) eine Art Saalschutz. Dies in Nachfolge der ebenfalls in der Region aktiven Kameradschaft „Weiße Wölfe“.

Nationaler Widerstand Amberg (ehemals: Nationale Sozialisten Amberg)

Existiert seit dem Jahresanfang 2010 und gehörte bis Ende 2011 zum „Freien Netz Süd“. Seit einiger Zeit in „Nationaler Widerstand“ umbenannt.

Widerstand Tirschenreuth/Aktionsbündnis Nordoberpfalz

Die Mitglieder dieser Kameradschaft nehmen bundesweit an rechtsextremistischen Mahnwachen und Versammlungen teil, so z. B. am 13. Februar 2010 an dem »Gedenkmarsch« der rechtsextremistischen »Jungen Landsmannschaft Ostpreußen“ (JLO) in Dresden und an der Demonstration in Augsburg im Februar 2010 zum Thema »Alliierter Bombenholocaust«. Von der Kameradschaft wird auch die Internetseite „Soziales Flossenbürg“ betrieben, um Stimmung gegen die KZ-Gedenkstätte zu machen. Die Kameradschaft versucht inzwischen auch in Weiden Fuß zu fassen. Die Kameradschaft initiierte auch die „Zeitarbeitskampagne“, die mittlerweile vom Freien Netz Süd übernommen wurde. Diese Flugblätter, die keinerlei revolutionäre Symbolik führen und somit Außenstehende nicht auf die rechtsextreme Urheberschaft hinweisen, zählten zu dem am häufigsten verteilten Flugblättern in der rechten Szene und werden bayernweit verteilt. 2011 gelang die völlig heimliche Organisation des „2. Day of Friendship” in Neustadt an der Waldnaab.

Personen

Patrick Schröder

Patrick Schröder zählt zu den führenden Mitgliedern der NPD. Seit mehreren Jahren ist er Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes Weiden/Opf. Im NPD-Landesvorstand ist er als Leiter des Bereichs „Organisation“ für den für die NPD wichtigen Kontakt zur Kameradschaftsszene verantwortlich.
Er nimmt eine wichtige Schnittstelle zur regionalen Kameradschafts-Szene ein. Schröder war Aktivist der Nazi- Kameradschaft „Weiße Wölfe“ (Cham, Roding, Weiden); inzwischen ist er Kopf der neonazistischen Kameradschaft „Widerstand Weiden“. Er betreibt das rechtsextreme Internet-Radio FSN sowie das Internet-fernsehen FSN-TV. Bei den prestigeträchtigen Rechtsrock-Konzerten „Rock für Deutschland“ trat er mehrmals als Redner auf. Bei der NPD-Landestagsfraktion im Mecklenburg-Vorpommern absolvierte er in Praktikum, was gemeinhin als Versuch der NPD gilt, ausgesuchte Aktivisten für höhere Aufgaben zu schulen. Er selbst tritt regelmäßig als Referent bei Schulungsveranstaltungen der NPD und der Kameradschaften in Bayern auf.
2013 gelang es ihm, das in diesem Jahr größte Nazi-Rockkonzert mit ca 1000 Besuchern in Scheinfeld konspirativ zu organisieren.

Willi Wiener

Aktualisierung Februar 2011:
Zum 30. November 2010 hat Wiener alle Ämter in der NPD niedergelegt und ist aus der Partei ausgetreten. Er engagiert sich jetzt im Umfeld der erzkonservativen Piusbruderschaft, der u. a. der verurteilte Holocaust-Leugner Richard Williamson angehört.
Er werde  „auch in Zukunft gegen die schleichende Islamisierung, die Auflösung des Nationalstaates, den Massenmord an den ungeborenen Kindern, die Homo-Ehe sowie gegen soziale Ungerechtigkeit und Benachteiligung behinderter Menschen Stellung beziehen” erklärte Wiener gegenüber dem „Wochenblatt“.

Die bisherigen Aktivitäten Wieners:
In einer Kampfabstimmung um den Vorsitz des Bezirksverbandes setzte sich Wiener beim Parteitag des NPD-Bezirksverbandes Oberpfalz im Dezember 2009  gegen den bisherigen Vorsitzenden, Patrick Schröder, durch. Er war zugleich Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes Regensburg und verfügte über gute Kontakte zu führenden Neonazis in der Region sowie innerhalb des „Freies Netz Süd“. Er war aktiv in der Kameradschaft  „Freier Widerstand Regensburg. Verbindungen hat Wiener ebenfalls in die Vertriebenenverbände.
Weitere Funktionen: Stellv. Bundesvorsitzender der „Jungen Witikonen e.V.“, der Jugendorganisation des Witiko-Bundes.
Ein Bruder Wieners, Markus Wiener, ist bei „Pro Köln“ aktiv.
Wiener konzentrierte sich zudem auf einzelne Internetprojekte. Ein Versuch, ein Bürgerbegehren gegen den Neubau einer Moschee in Regensburg zu initiieren, scheiterte.

Robin Siener

Siener ist seit Ende der 90er Jahre als Neonazi und NPD-Aktivist bekannt, er war bis 2009 Vorsitzender des NPD Cham / Schwandorf. Er unterstützte aktiv die Arbeit der HNG, einer Organisation die inhaftierte Rechtsextremisten betreut und sie „in der Bewegung“ halten will. Mittlerweile ist die HNG verboten. Siener selber stand zwei Jahre auf der Gefangenenliste und war in der JVA Bayreuth inhaftiert.

Robin Siener, der auch Aktivist des „Freien Netz Süd“ ist, wurde im August 2011 in der Nachfolge des ausgetretenen Willi Wiener zum neuen Kreisvorsitzenden der NPD Regensburg gewählt, trat aber Anfang Mai 2012 aus der NPD aus.

In Tschechien läuft aktuell (Herbst 2011) ein Verfahren gegen Siener wegen seines Auftritts bei einer 1. Mai-Demonstration unter dem Motto „Fremdarbeiterinvasion stoppen“.

Daniel Weigl

Daniel Weigl aus Wackersdorf war Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes Cham/Schwandorf und ist führender Aktivist der Kameradschaft »Widerstand Schwandorf«. Von Oktober 2011 war er Bezirksvorsitzender der NPD Oberpfalz bis zu seinem Austritt aus der NPD Anfang Mai 2012.
Außerdem war er jahrelang Inhaber des Final-Resistance-Versand, der inzwischen an Tony Gentsch und Matthias Fischer (beide Freies Netz Süd) übergeben wurde und in Oberprex ansässig ist.

Simon Preisinger

Simon Preisinger (Flossenbürg) ist NPD-Vorsitzender von Tirschenreuth, gehörte seit Oktober 2011 dem NPD-Bezirksvorstand an (bis zum Austritt aus der NPD Mai 2012) und zeichnet presserechtlich verantwortlich für die Internetseite des Freien Netz Süd.

aktualisiert am 10.12.2013