Gedenkfeier für die Opfer des Bombenanschlages auf das Oktoberfest vor 30 Jahren

Mehrere hundert Menschen kamen am 26. September 2010 zum Haupteingang des Oktoberfestes, um den 13 Toten und 211 teilweise schwer Verletzten zu gedenken, die vor 30 Jahren Opfer eines faschistischen Bombenattentats wurden.

Bis heute ist das Attentat nicht vollkommen aufgeklärt: Oberbürgermeister Ude drückte die Zweifel an der Einzeltätertheorie aus und stellte den Anschlag in eine Reihe mit weiteren Nazi-Anschlägen in der damaligen Zeit, wie z. B. das Attentat in Bologna. Und er mahnte, auch gerade jetzt als Lehre daraus gegen Rechtsextremismus konsequent vorzugehen. Beispielhaft dafür sei die Blockade eines Naziaufmarsches am 8. Mai in München durch tausende DemokratInnen gewesen und bereits am 13. November ist die Bürgerschaft Münchens wieder gefordert, wenn die Nazis einen «Heldengedenkmarsch» durchführen wollen.

Die Jugendsekretärin des DGB Katharina Joho forderte ebenso wie Ude die Wiederaufnahme der Ermittlungen und kritisierte die bereits erfolgte Vernichtung von Beweismitteln. An Innenminister Herrmann (CSU) gerichtet, forderte sie auch die Aufklärung der Rolle des damaligen Ministerpräsidenten Strauß, der die Wehrsportgruppe Hoffmann, zu deren Umfeld der Attentäter gehörte, verharmloste. Ebenfalls aus dem Umfeld dieser Wehrsportgruppe, die bundesweit bis zu 400 Mitglieder hatte, stammt der Mörder, der nur kurz nach dem Münchner Attentat in Erlangen ein jüdisches Verlegerehepaar ermordete – auch ein „Einzeltäter“.

Hoffmann selbst, der sich eine Zeitlang ins Ausland absetzte, wurde später wegen diverser Vergehen, u. a. wegen Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz zu einer Haftstrafe verurteilt. Heute agiert er, inzwischen über 70 Jahre alt, wieder gelegentlich als Redner bei Naziveranstaltungen, um die jungen „Kameraden“ über die damalige Wehrsportgruppe „aufzuklären“.

Mit Minister Herrmann war seit 30 Jahren erstmals ein Vertreter der Staatsregierung bei der Gedenkfeier anwesend. Zu einer möglichen Wiederaufnahme der Ermittlungen äußerte er sich in seiner Rede allerdings nicht.