Nürnberg: Prozess gegen Nazischläger

Am 17. Februar um 9.00 Uhr findet die erste Verhandlung gegen Peter R. im historischen Saal 600 im Nürnberger Amtsgericht statt. In diesem Saal wurde ab Herbst 1945 gegen die deutschen Kriegsverbrecher verhandelt.

Peter R. ist angeklagt, weil er im April 2010 einen deutsch-kurdischen Jugendlichen fast totgeschlagen haben soll, er stellte sich einige Tage nach der Tat der Polizei. Das Opfer musste mehrmals wiederbelebt werden und lag lange Zeit auf der Intensivstation.

Peter R. ist ein stadtbekannter Nazi mit einschlägigen Vorstrafen. Die Süddeutsche Zeitung schrieb damals (am 25.5.10):

«Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung trat der 24-Jährige schon 40 Mal als Aktivist der Ultrarechten in Erscheinung. So marschierte er in der fränkischen Kleinstadt Gräfenberg mit, die bis vor kurzem regelmäßig von Neonazis heimgesucht wurde. Er sympathisierte mit der mittlerweile verbotenen «Fränkischen Aktionsfront» und gründete die neonazistische «Kameradschaft Fürth-Land». Bei den Staatsschützern wird R. als «überzeugter Neonazi» geführt. Höchst aktiv sei er – und «sehr gewaltbereit».

Erst 2008 war R. zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Bei einer NPD-Kundgebung in Fürth hatte er zwei Teilnehmer einer Mahnwache verprügelt. Dass Polizisten die Szene beobachteten, hatte R. nicht von den Schlägen abgehalten. Die Beamten gaben an, die Opfer von R. hätte keine Gegenwehr geleistet. Sie hätten sich nur zu schützen versucht. Es war nicht das erste Mal, dass R. zuschlug. In Forchheim hieb er einen Mann zu Boden, versetzte ihm Tritte und verletzte ihn schwer. Bei einer «Sonnenwendfeier» von Neonazis im fränkischen Uehlfeld malträtierte er eine Frau mit Faustschlägen und Stiefeltritten. Bei vier weiteren Delikten von Körperverletzung sei ein «rechtsextremistischer Hintergrund nicht hundertprozentig» feststellbar, heißt es bei der Kriminalpolizei.»

Ein nach der Tat gegründetes Solidaritätskomitee ruft dazu auf, zahlreich als Zuschauer am Prozess teilzunehmen. Unterzeichnet wurde dieser Aufruf u. a. von Konstantin Wecker, Hannes Wader (Liedermacher), Lizzy Aumeier (Kabarett u.a.), Peter Harasim (Konzertveranstalter), Georg Neubauer (VVN-BdA Nürnberg), Reinhard Frankl (Mitglied Landesvorstand GEW Bayern), Habib Bektaş (Schriftsteller). Damit soll erreicht werden, dass es den Neonazis nicht gelingt, eine Drohkulisse im Gerichtssaal aufzubauen bzw. den Prozess für ihre menschenverachtende Propaganda zu missbrauchen.