Bayreuth: Die Junge Union, die Burschenschaft und die „Junge Freiheit“

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Zum Thema „Das linke Netz“ referierte Felix Krautkrämer von der rechten Zeitschrift „Junge Freiheit“ letzten Freitag bei der „Burschenschaft Thessalia“ in Bayreuth. Er beklagte das „Zusammenspiel“ der Bundeszentrale für Politische Bildung bis hin zur „linksextremen Szene“ im „Kampf gegen Rechts“ und forderte, antifaschistischen Projekten den „Geldhahn“ abzudrehen. Sprecher der Burschenschaft Thessalia, die diese Veranstaltung organisierte, ist Julian Hofmann, der auch in der CSU-Jugendorganisation „Junge Union“ aktiv ist.

Krautkrämer sieht von „links“ eine weitaus größere Gefahr und „Gewaltbereitschaft“ als von „rechts“: die ungefähr 140 Menschen, die seit der Wiedervereinigung in Deutschland von Nazis umgebracht wurden, unterschlägt er dabei geflissentlich. Und die 24 Millionen Euro, die der Bund jährlich „gegen Rechts» ausgebe, ärgern ihn.

Julian Hofmann wird dies gerne gehört habe, ist doch seine CDU-Familienministerin Schröder gerade dabei, diesem Wunsch von Felix Krautkrämer nachzukommen. Initiativen, die sich gegen Nazis engagieren, aber nicht bereit sind, eine „Verpflichtungserklärung“ zur Bespitzelung ihrer Mitstreiter zu unterschreiben, werden bereits staatliche Fördermittel gestrichen.

Dass die Äußerung „Wir lehnen jegliche Form von Extremismus ab“ des Thessalia-Sprechers und Junge-Union-Mitglieds Julian Hofmann nicht allzu ernst gemeint sein kann, wird deutlich, wenn man sich etwas mit den Hintergründen der Burschenschaft befasst.

Frauen, Ausländer und Wehrdienstverweigerer können nicht Mitglied werden, drei Mensuren sind in der schlagenden Verbindung Pflicht. „Thessalia“ gehört ebenso wie die Münchner Burschenschaft „Danubia“ der „Deutschen Burschenschaft“ an. Und regelmäßig treten bei beiden Burschenschaften Referenten aus dem rechtsextremen Spektrum auf:

- Vor kurzem referierte Günther Deschner, Chefredakteur der neonazistischen Zeitschrift «Zuerst!» in München bei „Danubia“, im November letzten Jahres führte die «Gemeinschaft Deutscher Frauen» (GDF), eine der wichtigsten Nazi-Frauenorganisationen in Deutschland, ein «Regionaltreffen» in den Räumen der „Danubia“ durch.

- Der rechtsextreme Autor Jürgen Schwab, der regelmäßig u. a. auf den Internetseiten des Nazinetzwerkes „Freies Netz Süd“ publiziert, stammt aus der Burschenschaft „Thessalia“.

- Und im Juli 2010 hielt der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Henry Nitzsche beim Burschentag der Thessalia einen Vortrag zum Thema „Ehre-Freiheit-Vaterland“. Bereits 2006 hatte Nitsche auf einer Veranstaltung in Sachsen erklärt, er begrüße die Debatte um Patriotismus, „um endlich vom Schuldkult runterzukommen“ und damit „Deutschland nie wieder von Multikulti-Schwuchteln in Berlin regiert wird“.

Der Artikel im Nordbayerischen Kurier dazu