Halbtot nach „Thor Steinar“-Spruch – Revision nach Nürnberger Urteil – BGH muss entscheiden

Nachdem der bekennende Rechtsextremist Peter R. am 1. März vor dem Landgericht Nürnberg zu fünfeinhalb Jahren Haft wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden war, haben Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenkläger Revision eingelegt. Der Fall muss nun vor dem Bundesgerichtshof (BGH) neu verhandelt werden. Peter R. hatte im April 2010 einen jungen Mann halbtot geschlagen, nachdem dieser eine abfällige Bemerkung über die „Thor Steinar“-Bauchtasche der Freundin des Neonazis gemacht hatte.

Bis zuletzt war im Gerichtsverfahren strittig geblieben, ob der Vorfall als versuchter Totschlag zu werten sei, d.h., ob Peter R. bei seiner Attake letztlich die Absicht hatte, sein Opfer, einen 17-jährigen Praktikanten aus der linken Szene, zu töten. Die Staatsanwaltschaft und Familie des Geschädigten sahen dies so und hatten daher eine Strafe von sieben Jahren und neun Monaten Haft gefordert. Peter R.s Verteidigung hingegen stritt eine Tötungsabsicht ab. Der Angeklagte sei hingegen so wütend über den „Thor Steinar“-Spruch, dass er ausgerastet und handgreiflich geworden sei. Als Strafmaß forderte die Verteidigung höchstens drei Jahre Gefängnis.

Das Opfer selber kann sich aufgrund der Schwere der Verletzungen bis heute nicht mehr an den genauen Tathergang erinnern. Bei der Attacke erlitt er einen Herzstillstand, musste mehrfach wiederbelebt werden. Nach der anschließenden sechswöchigen Behandlung im Krankenhaus leidet der junge Mann in der Folge bis heute an einer Gehbehinderung.

Ein Termin für die BGH-Verhandlung steht noch nicht fest.