Menschenkette gegen aufgezwungene Gastgeberschaft

Menschenkette Günzburg am Marktplatz
Menschenkette Günzburg am Marktplatz

Etwa 400 Personen haben sich am Samstag, den 19.3.2011 an einer Kundgebung der VHS Günzburg auf dem Schlossplatz beteiligt, um damit gegen eine unweit davon im Forum am Hofgarten stattfindende Veranstaltung des NPD-Bezirks Schwaben zu protestieren. Im Anschluss bildeten die TeilnehmerInnen eine Menschenkette durch die historische Altstadt. 2008 hatte sich die NPD für den damaligen „Bayerntag“ das Forum gerichtlich erstritten. 2011 verzichtete die Stadt „wegen unveränderter Rechtslage“ auf den Klageweg und konzentrierte sich auf die eigene Gegenkundgebung.

“Was wir heute, am Samstag den 19.März 2011, einem Tag, an dem wir eine erzwungene Gastgeberschaft hinnehmen müssen, tun”, begründete Oberbürgermeister Gerhard Jauernig (SPD) das Engagement der Stadt gegen Rechts, „das tun wir nicht, um vor unserem Land oder vor der Welt gut da zustehen. Wir tun es, weil wir aufrechte Demokraten sind. Gruppen, die in ihren Parolen menschenverachtende Thesen verbreiten, Ausländerfeindlichkeit schüren und dem Rassismus zugeneigt sind, haben in unserer Stadt nichts verloren!“ Jauernig erinnerte in seiner Rede zudem an die über 2.500 Menschen mit 78 verschiedenen Staatsangehörigkeiten, die in Günzburg leben und betonte die Erfolge von Städtepartnerschaften als den Beitrag der Stadt, eine „vierzig Jahre dauernde Teilung der Welt aufzuheben, die ihren Anfang nahm in Großmachtstreben und Menschenverachtung.“

Landrat Hubert Hafner (CSU) sprach sich in seiner Rede ebenfalls gegen eine Haltung des Wegschauens und Ignorierens des Rechtsradikalismus aus. Diese seien „keine geeigneten Mittel, um sich in einer Gesellschaft politisch und moralisch auseinanderzusetzen“. „Deshalb sollten wir, im Namen der Toleranz, das Recht beanspruchen, die Intoleranz nicht zu tolerieren“, so Hafner in Anlehnung an den Philosophen Karl Popper. „Es ist unsere Bürgerpflicht, für unser grundrechtlich geschütztes Wertesystem auf die Straße zu gehen und friedlich den Willen zur Demokratie kundzutun.“ Zudem müsse jederzeit ein Klima von Hass und Gewalt abgelehnt und ein konstruktives Miteinander angestrebt werden. Er erinnerte, dass Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus Tatsachen seien, die überall, und damit auch in der nächsten Umgebung auftauchen könne. Rechtsextremismus gehe deshalb alle an und deshalb sei jeder gefordert, jung und alt, mitzuhelfen, um gemeinsam in eine gute Zukunft zu gehen. Die Region biete dazu viele gute Beispiele. 2008 führte das Engagement zur Verleihung des Auszeichnung „Ort der Vielfalt“ durch die Bundesregierung. (Link )

Für die beiden christlichen Kirchen begründeten die Stadtpfarrer Peter Seidel und Alexander Bauer ebenfalls nochmal die Notwendigkeit, gegen Rechtsextremismus auf die Straße zu gehen. Ihr Dialog fand großen Beifall, zeigte aber auch den „schlechten Ruf“, der DemonstrantInnen in großen Teilen der Bevölkerung anhaftet. Für den islamischen Bildungs- und Kulturverein beteiligte sich Iman Durmus Celik mit einer Botschaft aus dem Koran für Gerechtigkeit und gegen Hass an der Kundgebung.

Den Abschluss der Veranstaltung der VHS Günzburg bildete eine Menschenkette. Sie begann an dem Denkmal für den 1942 in Treblinka ermordeten polnischen Pädagogen und „Vater der Waisen“ Janusz Korczak Link und führte über den Marktplatz und die Pfluggasse bis zum Dossenberger Hof, in dem die Stadt 2005 ein Mahnmal für die Opfer des KZ-Arztes und Kriegsverbrechers Josef Mengele, der aus Günzburg stammte, errichtete. Link

Ab 13.30 rief der Kreisverband von Bündnis90/Die Grünen mit Unterstützung der Linkspartei zu der Kundgebung „Stoppt Nazis – Deine Stimme gegen Rechts“ ebenfalls im Schlossplatz auf. Die Veranstaltung stand zunächst im Zeichen der Katastrophe in Japan und
begann mit einer Schweigeminute. Ziel war es, auch zeitlich parallel zur Veranstaltung der NPD ein Zeichen gegen Rechts zu setzen. Unter anderem informierte das Aktionsbündnis „Mering ist bunt“ über rechtsextreme Symbole. Höhepunkt war ein Abpfiff für Rechts mittels verteilter Trillerpfeifen. Die Veranstalter hier konnten noch einmal bis zu 100 TeilnehmerInnen begrüßen.

Zur Veranstaltung der NPD siehe den Bericht von Robert Andreasch für das aida-Archiv.

Video: Beitrag der beiden Stadtpfarrer

  • Beginn der Kette am Korczak-Denkmal
  • Menschenkette Günzburg am Marktplatz
  • Pfluggasse