Pommersfelden und Nürnberg: Proteste gegen rechte Veranstaltungen

Erstmalig gab es eine Gegenveranstaltung gegen das rechtsextreme „Lesertreffen“ im Schlosshotel in Pommersfelden. Und auch Karl-Heinz Hoffmann, der Gründer der 1980 verbotenen Wehrsportgruppe, konnte sein Treffen in Nürnberg nicht ohne Proteste durchführen.

Aufgerufen zu der antifaschistischen Gegenlesung gegen das seit ungefähr 10 Jahren regelmäßig stattfindende Neonazi-„Lesertreffen“ in Pommersfelden hatten zahlreiche Organisationen sowie Abgeordnete von SPD und Bündnis90/Die Grünen. Mit dabei waren auch der Pommersfeldener Bürgermeister Hans Beck und Graf von Schönborn (der u.a. als Stiftungsverwalter der gemeinnützigen Stiftung Schloss Weissenstein tätig ist), Vertreter beider Kirchen sowie Bürgerinnen und Bürger aus Pommersfelden. Noch kurz vor der Veranstaltung der nordbayerischen Bündnisse gegen Rechts drohten die Pächter des Schlosshotels: Graf von Schönborn «gefährde Menschenleben, wenn er die antifaschistische Gegenveranstaltung duldet».

Michael Helmbrecht vom Bürgerforum Gräfenberg kritisierte die Inhalte des rechtsextremen „Lesertreffens“ und rief die Menschen in Pommersfelden auf, den Gästen dieser jährlichen Veranstaltung keine Unterkunft mehr zur Verfügung zu stellen. Schauspieler Erich Ude trug antifaschistische Gedichte vor und der jüdische KZ-Überlebende Josef Jakubowicz berichtete aus der Nazizeit in Deutschland. Graf von Schönborn äußerte seine Zufriedenheit damit, dass „Menschen hier jetzt Flagge zeigen“ gegen die rechtsextreme Veranstaltung.

Was anscheinend mit der Drohung der Pächter, die Gegenveranstaltung „gefährde Menschenleben“ gemeint war, wurde deutlich, als ein Journalist von einem militanten Ordner der Veranstalter des Neonazi-„Lesertreffens“ angegriffen wurde, andere Teilnehmer der Gegenveranstaltung wurden von schwarz gekleideten Ordnern des Nazi-Treffens beleidigt und bedroht.

Während an dem rechtsextremen „Lesertreffen“ in Pommersfelden ca. 300 Gäste teilnahmen, kamen zu Karl-Heinz Hoffmann, der parallel dazu eine Veranstaltung in Nürnberg abhielt, nur knapp 20 Teilnehmer. Hoffmann wollte mit dieser Veranstaltung, die ebenfalls von Protesten begleitet wurde, Stellung nehmen zur Geschichte seiner Wehrsportgruppe und zum Oktoberfestattentat. Dass sich dies in einer Art Reinwaschung seiner Gruppe und der Verbreitung von Verschwörungstheorien beschränkte, überraschte nicht. Der Journalist Ulrich Chaussy, der ein gut recherchiertes Buch über das Oktoberfestattentat veröffentlicht hat und diese Veranstaltung beobachtete: „Hoffmann fährt mit der Wahrheit Schlitten“.