Mainleus wehrt sich gegen den «NPD-Bayerntag» – Neonazis kündigen den «4. Nationalen Frankentag» an

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Fünfhundert Nazigegner/innen demonstrierten am 18. Juni in Mainleus, Ortsteil Schwarzach gegen den Bayerntag der NPD. Unüberhörbar schallte es den Nazis entgegen: „Ihr seid hier unerwünscht“ und „Nazis raus“. Der Bayerntag, angekündigt als Familienfest mit Rednern, Liedermachern und einem Sonnwendfeuer, war für die NPD eine Pleite: Nur etwa 50 Nazis fanden sich im Laufe des Nachmittag auf der Wiese ein. Inzwischen wurde für den 13. August für den „Großraum Franken“ der „4. Nationale Frankentag“ angekündigt, der seit einigen Jahren in der Tradition der Frankentage des NSDAP-Funktionärs Julius Streicher durchgeführt wird.

Aufgerufen zu dem Protest gegen den NPD-Bayerntag hatte ein breites Bündnis, dem u. a. der DGB, die SPD, Grüne, Linke, die Freien Wähler, die beiden Kirchen und die Nordbayerischen Bündnisse gegen Rechts angehörten. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) war bei der Demonstration ebenso dabei wie die IG Metall, das Bürgerforum Gräfenberg und Nazigegner aus Wunsiedel. Zahlreiche Einwohner aus Mainleus wie beispielsweise der SPD-Ortsverein reihten sich in die Demonstration ein, andere verfolgten sie zustimmend vom Straßenrand aus. Auch Mitglieder der CSU beteiligten sich an der Demonstration und Kundgebung. Und die örtliche Metzgerei machte ihre Position mit einem Plakat im Schaufenster deutlich: „Wir wollen keine Nazis. Wir wollen keine NPD. Weil wir Demokraten sind!“

Auf der Kundgebung machten alle Redner deutlich, dass es die Aufgabe aller Demokraten ist, gegen die Nazis zusammen zu stehen. Nicht – wie der Bürgermeister von Mainleus empfohlen hatte – die NPD-Veranstaltung einfach zu ignorieren, sei der richtige Weg. Es gelte, den Anfängen zu wehren, klar zu zeigen: Nazis sind in Mainleus und anderswo unerwünscht, sie haben in unserer Gesellschaft nichts verloren, wir wollen ihre rassistische Ideologie nicht haben.
Nach der Kundgebung folgte noch eine spontane Demonstration zu der Wiese, auf der die NPD ihre Veranstaltung durchführte. Unüberhörbar schallte es den Nazis entgegen: „Ihr seid hier unerwünscht“ und „Nazis raus“!

Bei der NPD-Veranstaltung befanden sich zu diesem Zeitpunkt etwa 50 Personen, darunter viele Frauen und Kinder. Der bayerische NPD-Vorsitzende Ollert war ebenso wie der NPD-Geschäftsführer Michaelis anwesend, Stefan Winkler und das NPD-Landesvorstandsmitglied Patrick Schröder wurden wie auch das „Bandidos“-Mitglied Rossmüller gesehen. Aber im Vergleich zu den letzten Bayerntagen der NPD war es ein schwacher Besuch der Veranstaltung. Zurückzuführen ist das auch darauf, dass – im Gegensatz zum letzten Bayerntag in Buchhofen – dieses Mal die im „Freien Netz Süd“ zusammengeschlossenen Kameradschaften nicht zu dieser Veranstaltung aufgerufen haben. Damit wurde deutlich, dass die NPD ohne „Kameradschaften“ kaum mobilisierungsfähig ist, dass sie gerade die jugendlichen „nationalen Sozialisten“ nicht erreicht, denen die NPD zu „bürgerlich“ ist.

Eine kleine Anekdote am Rande. Eine Hochzeit hatte durch die antifaschistische Demo kleinere Behinderungen. Das Brautpaar bekam als Entschädigung einen Blumenstrauß von den Organisatoren überreicht.

Frankentag für den 13. August angekündigt

Seit einigen Jahren findet auf einer Wiese in Geschwand/Obertrubach ungehindert in der Tradition der Frankentage von Julius Streicher ein jährlicher „Frankentag“ statt. Für dieses Jahr ist der «4. Nationale Frankentag» für den 13. August im „Großraum Franken“ angekündigt, vermutlich wieder auf dieser Wiese, die im Besitz eines Nazi-Ehepaares ist. Als Redner werden angekündigt: Uwe Meenen (Bund Frankenland), Sebastian Schmaus (Stadtrat der „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ im Nürnberger Rathaus) sowie Eckart Bräuniger (NPD). Musikalisch soll das Ganze umrahmt werden von der Lunikoff-Verschwörung (Ex-Landser), FLAK sowie Untergrundwehr. Für die nationalen Familien gibt es ein «Kinderprogramm mit Trampolin, Kasperltheater, Torwandschießen
und vieles mehr».

Bereits Anfang Mai 2011 fand auf dieser Wiese – wie aktuell vom Nürnberger Bündnis Nazistopp auf seiner Seite im Internet veröffentlicht wurde – ein größeres Neonazi-Konzert statt. Die Strategie der Gemeinde, die regelmäßigen Naziauftritte in Geschwand zu ignorieren und zu verschweigen, setzt sich fort. Bereits im Zeitraum von Mai bis Juli 2009 wurden drei größere Neonazi-Konzerte mit jeweils um die 300 Besucher – im Juli 2009 im Rahmen des «2. Nationalen Frankentags» – zunächst komplett verschwiegen: Weder die Polizei noch der Obertrubacher Bürgermeister informierten die Öffentlichkeit. Auf einer öffentlichen Veranstaltung am 31. Juli 2010 in Obertrubach versprach Bürgermeister Müller: «Ich sage Ihnen heute zu, im nächsten Jahr wird es keinen Frankentag geben.» Er wird den Beweis antreten müssen.

Naziauftritte können nur auf Dauer verhindert werden, wenn Widerstand dagegen geleistet wird. Gräfenberg, Wunsiedel, Warmensteinach und jetzt Mainleus haben gezeigt, wie gegen derartige Veranstaltungen vorgegangen werden muss! Nicht ignorieren, nicht verschweigen, sondern gegen die Nazis auftreten, Widerstand leisten ist der richtige Weg. Den Nazis muss es überall wie in Mainleus entgegenschallen: „Ihr seid hier unerwünscht!“.

Aktualisierung: Bis zum Abend waren etwa 80 Teilnehmer beim NPD-Bayerntag. Drei Nazis wurden angezeigt: Einer führte einen Schlagstock mit und bei zwei Teilnehmern wurden Hakenkreuze festgestellt.

Fotos bei Endstation Rechts Bayern auf Facebook

Ergänzung 20. Juni, Artikel in der «Frankenpost»:
Ein Ort kämpft um seinen Ruf
Gedenken an die Zwangsarbeiter
Bunt statt Braun