SPD-Abgeordneter fordert Absetzung der Redaktion der Studentenzeitschrift der Bundeswehr-Universität – CSU-Abgeordneter gratuliert «Junger Freiheit»

Bekannte Aktivisten der rechten Szene haben an der Bundeswehr-Universität in Neubiberg die Redaktion der Studierendenzeitschrift «Campus» übernommen. Inzwischen ist die erste Ausgabe des Magazins erschienen, mit einer ganzseitigen Anzeige des ultrarechten «Instituts für Staatspolitik».

„Die Redaktion der Studentenzeitschrift Campus an der Bundeswehr-Universität Neubiberg muss sofort abgesetzt werden“, fordert der SPD-Landtagsabgeordnete Florian Ritter, Sprecher für Rechtsextremismusfragen seiner Fraktion. Ihm sei völlig unverständlich wie Personen, die derart aktiv in der rechtsextremen Szene sind, in die Redaktion der Studentenzeitschrift der Bundeswehr-Universität gelangen konnten.

Man darf derart sexistische Äußerungen, wie sie in der ersten Ausgabe der Studentenzeitschrift unter der neuen Redaktion zu lesen sind, nicht akzeptieren. Erst recht nicht in einem Medium, das direkt mit der Bundeswehr in Verbindung gebracht wird. Auf Grund der bekannten Verbindungen des Chefredakteurs und seiner Ankündigung „bis an die Grenze der Meinungsfreiheit“ zu gehen, ist zu befürchten, dass dies nur ein erster Vorgeschmack war.

Die Vorgänge in Neubiberg werfen auch ein schlechtes Bild auf den Militärischen Abschirmdienst, der solche Abläufe besser im Auge haben sollte um gegebenenfalls einzugreifen. Hier steht jetzt die Frage im Raum, warum dem MAD dies entgangen ist.

Florian Ritter bezieht sich auf aktuellen Informationen der antifaschistischen Informations-,
Dokumentations- und Archivstelle München (a.i.d.a.), die aufzeigen, dass sowohl der Chefredakteur als auch mindestens zwei weitere Redakteure der Studentenzeitschrift „Campus“ an der Bundeswehruniversität in Neubiberg bekannte Aktivisten in der rechtsextremen Szene sind und enge Verbindungen zum Institut für Staatspolitik (IfS) haben. Das IfS publiziert rechtsextreme Artikel, Bücher und Broschüren und betreibt ein
rechtsextremes Schulungszentrum. Das IfS warb in der Zeitschrift zudem mit einer ganzseitigen Anzeige. Weite Informationen finden Sie unter

www.aida-archiv.de

Der Bericht in der Süddeutschen Zeitung

Ergänzung am 19. Juli 2011: Presseerklärung von Prof. Peter Paul Gantzer (SPD), Landtagsabgeordneter

CSU-Politiker gratuliert ultrarechten Zeitschrift zum Geburtstag

Zeitgleich zu den Vorgängen an der Bundeswehruniversität wird bekannt, dass der CSU-Politiker und Landtagsabgeordnete Thomas Goppel – wie die Süddeutsche Zeitung heute berichtet – der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ (die auch gerne «bis an die Grenze der Meinungsfreiheit» geht) zum Geburtstag gratulierte: „Die JF wird gebraucht!“. (Korrektur/Richtigstellung – siehe unten) Goppel sieht sich auf „der Seite der Mutigen“. Er bekennt, dass er diese ultrarechte Zeitung häufiger lese als den Bayernkurier (Zeitung der CSU).

Thomas Goppel war Umwelt-, Bundes- und Wissenschaftsminister in Bayern.

In dem Bericht hieß es ursprünglich, dass in der «Jungen Freiheit» der NPD-Vorsitzende Udo Voigt geschrieben habe. Voigt war jedoch lediglich interviewt worden. Dazu erfolgt folgende Richtigstellung:

Richtigstellung

In diesem Artikel wurde zunächst gemeldet, dass in der «Jungen Freiheit» Udo Voigt, der Bundesvorsitzende der NPD schreibt.

Hierzu wird richtig gestellt, dass Herr Voigt niemals Autor eines Artikels in der Jungen Freiheit gewesen ist.

Rüdiger Löster
Endstation Rechts
Bayern

Der Bericht der Süddeutschen Zeitung