„Döner-Morde“: Taten einer rechten terroristischen Gruppe?

„Der Fall um die beiden Bankräuber von Eisenach, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, die sich nach erfolgreichem Coup selbst umgebracht haben, wird immer irrer“ schreibt die TAZ: „Zunächst wurde bei Böhnhardt und Mundlos die Tatwaffe eines im April 2007 in Heilbronn an einer Polizistin verübten Mordes gefunden. Jetzt fand die Polizei auch die Waffe, mit der die sogenannten Döner-Morde begangen wurden. Bei dieser bisher ungeklärten Mordserie wurden von 2000 bis 2006 neun türkische und griechische Kleingewerbetreibende mit jeweils der gleichen Tatwaffe erschossen – und zwar am helllichten Tag.“

Der erste Mord ereignete sich in Nürnberg im Jahr 2000, ebenso der zweite Mord 2001, auch in München schlugen die Täter zwei Mal zu und kamen 2005 wieder nach Nürnberg zurück, um den Betreiber eines Döner-Standes zu erschießen.

Die Polizei tappte jahrelang im Dunkeln, vermutete die Täter im Bereich der organisierten Kriminalität. Bis nun in den Resten des Wohnhauses in Zwickau die Tatwaffe der Mordserie, die Ceska 83, gefunden wurde. Auch weitere Indizien sollen lt. Polizei darauf hindeuten, dass das Trio nicht nur die Waffe besaß, sondern auch die Morde begangen hat. «Wir sind ziemlich sicher, dass sie es waren», heißt es. Außerdem wurde Beweismaterial sichergestellt, das auf eine rechtsextremistische Motivation der Morde hindeutet. Damit „liegen zureichende tatsächliche Anhaltspunkte dafür vor, dass die Mordtaten einer rechtsextremistischen Gruppierung zuzurechnen sind», teilte die Bundesanwaltschaft mit. Es bestehe deshalb gegen die Beschuldigte Beate Zschäpe der Anfangsverdacht der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung in Tateinheit mit Mord und versuchtem Mord sowie der schweren Brandstiftung. Beate Zschäpe, die sich nach dem Selbstmord der beiden Mittäter und nachdem sie die gemeinsame Wohnung angezündet hatte, der Polizei gestellt hat, schweigt seitdem.

Gemeinsam mit den beiden toten Mittätern war Beate Zschäpe 1998 aufgrund von Ermittlungen wegen eines Sprengstoffdelikts untergetaucht. Damals hatte die Polizei eine Bombenwerkstatt ausgehoben und vier funktionsfähige Rohrbomben mit 1,4 Kilogramm Sprengstoff TNT gefunden. Die Suche nach den dreien verlief – aus welchen Gründen auch immer – erfolglos, das Verfahren wurde eingestellt, als die Tat juristisch verjährt war. Alle drei waren damals Mitglieder rechtsextremen Gruppe “Thüringer Heimatschutz” (THS). Der Verfassungsschutz Thüringen schrieb 1998: „Die Zahl der Beteiligten (beim «Thüringer Heimatschutz») erhöhte sich von anfangs 20 auf ca. 120 Personen. Diese Gruppierung bildete ein Sammelbecken für Neonazis, die hauptsächlich aus dem Raum Saalfeld/Rudolstadt, Gera, Jena, Sonneberg, Weimar, Ilmenau, Gotha, Kahla und Nordbayern kamen.“

Einige Hintergrundinfos bei Spiegel online