„Wir müssen wachsam bleiben“

Screenshot: Schwandorf gegen Neonazis
Screenshot: Schwandorf gegen Neonazis

„Hans Weber hätte seine Freude an diesen jungen Menschen gehabt.“, so Christa Meier, Oberbürgermeisterin a.D.. Als Festrednerin bei der Verleihung des Hans-Weber-Preises, den die SPD in Stadt und Landkreis Regensburg zu Ehren des 2001 verstorbenen Altbürgermeisters Hans Weber alle zwei Jahre vergibt, lobte sie den Mut und das Engagement der Preisträger. Denn die Demokratie brauche Mutbürger wie sie, die „den Mund aufmachen statt schweigen, die Partei ergreifen statt wegsehen.“ Gerade die Ereignisse der letzten Zeit hätten deutlich gemacht, dass „wir wachsam bleiben müssen“, dass Demokratie harte Arbeit und nicht selbstverständlich sei.

Ein Artikel von Katja Vogel

Der erste Preis ging an Johannes Hartl. Der 17-jährige Schwandorfer informiert auf der Homepage schwandorf-gegen-neonazis.blog.de über rechte Umtriebe – in der Region Schwandorf, aber auch darüber hinaus. „Das Problem ist einerseits“, so Hartl, „dass die rechte Szene zum Teil über sehr gute Internetauftritte verfügt und damit gerade junge Leute anspricht.“ Andererseits seien Neonazis heute nicht mehr nur mit Bomberjacke, Glatze und Springerstiefeln unterwegs und daher nicht mehr so leicht als solche zu erkennen. „Ich möchte mit dieser Seite Aufklärungsarbeit leisten und allen Mut machen, nicht wegzusehen, sondern sich zu engagieren“, so der Preisträger.

„Wir haben uns aus der Vielzahl von Bewerbung, die alle ausgezeichnet waren, für Johannes Hartl entschieden, weil wir es so bemerkenswert finden, dass er sich als Einzelner dazu entschieden hat, sich für andere einzusetzen. Das ist in der Gruppe schon schwer und erfordert Mut, aber für eine Einzelperson ist es noch schwieriger“, erklärt Bürgermeister Joachim Wolbergs, der als Vorsitzender der SPD in Stadt und Landkreis Regensburg Mitglied der Jury war, die unter den verschiedenen Bewerbungen entschieden hat.

Den zweiten Preis teilte sich das Bündnis „Keine Bedienung für Nazis“ aus Regensburg mit der Schüler AG „Wir gegen Gewalt“ des Willibald-Gluck-Gymnasiums aus Neumarkt.

Die Initiative „Keine Bedienung für Nazis“ hat sich im Sommer 2010 nach einem brutalen Überfall von Nazis auf einen Barkeeper in Regensburg gegründet, um aktive Solidarität mit den Betroffenen und ein deutliches Signal gegen Rassismus und rechtsmotivierte Gewalt zu organisieren. Daraus entstand in einem ersten Schritt eine Erklärung, die inzwischen mit 134 Wirten weit über die Hälfte der Regensburger Gastronomen unterzeichnet hat. Darin erklären sie, dass sie keine rassistischen, diskriminierenden Äußerungen in ihren Lokalen dulden. Inzwischen ist auch ein Aufkleber dazu gekommen, mit dem Regensburger Gastronomen bereits an der Eingangstür deutlich machen, dass sie Unterzeichner der Erklärung sind.

„Wir gegen Gewalt“ ist eine Gruppe von Schülern, die sich unabhängig von Lehrkräften aktiv gegen Gewalt und Rassismus ausspricht und ihre Schule zur „Schule gegen Rassismus“ gemacht hat. Dazu mussten sie die Unterschriften von mindestens 70 Prozent aller Schüler, Lehrer und sonstiger Mitarbeiter im WGG für dieses Projekt zu gewinnen. Die Jugendlichen setzen sich aber nicht nur gegen Rassismus, sondern gegen Gewalt jeder Art ein. Den Anstoß für ihr Engagement haben die vermehrten Aktivitäten der NPD und von Neonazis im Landkreis Neumarkt und auch der Versuch, im Umfeld der Schule Propaganda zu verbreiten, gegeben.

Der SPD-Unterbezirk hat 2001 mit Zustimmung von Hans Weber den Hans-Weber-Preis beschlossen. Mit ihm werden Einzelpersonen bis zu 25 Jahren, Jugendgruppen, -vereine und -projekte sowie Schülergruppen ausgezeichnet, die durch ihren Einsatz für Toleranz und Demokratie, durch ihr Engagement für das Gemeinwesen oder durch gezeigte Zivilcourage ein Beispiel gegeben haben oder geben. Der Preis besteht aus einem Geldbetrag in Höhe von 2.500 Euro, der unter den Preisträgern aufgeteilt wurde.

Autorin: Katja Vogel