Aktionsform «Die Unsterblichen» nun auch verstärkt in Bayern

Screenshot aus dem Video "Die Unsterblichen"
Screenshot aus dem Video "Die Unsterblichen"

Die wahrscheinlich von Neonazis aus Brandenburg entwickelte Aktionsform «Die Unsterblichen» findet nun auch unter bayerischen Rechtsextremisten verstärkt Zuspruch und Nachahmung. In Schwaben häuften sich in letzter Zeit nächtliche Plakatierungen. In Niederbayern fanden erste Aktionen in der typischen Verkleidung statt.

Hinter dem Slogan «werde unsterblich» verbirgt sich eine neue Aktionsform, die vermutlich von Neonazis aus dem Umfeld der «Spreelichter» in Brandenburg entwickelt wurde. Dabei treten die Aktivisten mit weißen Masken und Handschuhen auf. Dadurch soll verhindert werden, dass einzelnen Personen konkrete Taten oder Äußerungen zur Last gelegt werden können, wie das Aktionskonzept selbst zugibt. Die Intention ähnelt damit denen des «Schwarzen Blocks» autonomer Nationalisten.
Das Auftreten erfolgt meist nachts. In Verbindung mit Fackeln soll der mystische Charakter der Aktionen verstärkt werden. Als Höhepunkt gilt bisher der Marsch von 150 bis 300 «Unsterblicher» durch Bautzen am 1.Mai 2011.

Hinter dem modernen Auftreten verbirgt sich allerdings nichts anderes als rassistisches NS-Gedankengut. Ausgegangen wird von biologisch definierten und «reinen» Völkern als Konstanten der Geschichte, denen alle zivilisatorischen und kulturellen Errungenschaften zugeschrieben werden. Vermischung führte nach dem verqueren Geschichtsbild zum Untergang. Damit schlägt man den Bogen zu heutigen Problemen und versucht sie rassistisch zu erklären. Im Rahmen propagierter Vorschläge kommt auch das NS-Ehestandsdarlehen wieder auf den Tisch, das in Geld oder in Form rassisch passender Kinder abzugelten ist.
Auch der angebliche Gegensatz zwischen europäischer Integration, Sozialleistungen an «Nicht-Arier» und angeblich zu geringer Förderung von «deutschen Familien» als Grund für den Rückgang an Geburten passender Kinder fehlt bei den «Unsterblichen» nicht, ebenso wie Klage über die üblichen Strafgesetze.

Auftreten in Bayern

Zum ersten bekannten Auftreten im Rahmen dieser Aktionsform kam es bereits an Fasching 2011. Neonazis mischten sich in die Faschingsumzüge in Schwandorf und Neustadt an der Waldnaab. Dabei trugen sie Banner mit Botschaften «Die Demokraten bringen uns den Volkstod» und «Unser Volk stirbt».

Im September kam es in Niederbayern zu einer groß angelegten Plakataktion. An mindestens 11 Stellen wurden Plakate mit entsprechenden Botschaften an öffentlichkeitswirksamen Orten wie Brücken abgebracht. Ein im Internet verbreitetes Video mit der Kontaktadresse des Kameradschaftsnetzwerkes «Nationales Bündnis Niederbayern» (NBN) zeigt Aktivisten (darunter mindestens eine Frau) mit weißen Masken, Fackeln und den bedruckten LKW-Planen in Deggendorf, Eggenfelden, Straubing, Geisenhausen und Dingolfing.
Laut Polizei fanden sich auch in Plattling entsprechende Banner. Es wird wegen möglichen Ordnungswidrigkeiten ermittelt.

Am Halloween 2011 zogen nach einem Bericht des NBN ebenfalls Aktivisten durch Straubing. Sie führten dabei Masken, Fackeln und einen Pappsarg mit sich.

In Schwaben häufen sich in letzter Zeit vor allem Plakatierungen, die für «die Unsterblichen» werben sollen. In der Nacht vom 28. auf den 29.Oktober wurden in Günzburg, Elchingen sowie in Ulm und Langenau (beides Baden-Württemberg) Plakate geklebt. In der Nacht zum 1.Dezember 2011 waren im schwäbischen Weißenhorn (Lkr. Neu-Ulm) sowohl die örtliche Realschule als auch ein Supermarkt betroffen. In Illertissen wurde die Bushaltestelle beim Schulzentrum, Litfaßsäulen, Stromkästen und Container beklebt. In der Nacht darauf wurden Plakate in Neu-Ulm verklebt.

Das rechtsextreme «Infoportal Schwaben» verfügt über Bildmaterial von allen Aktionen und bietet Nachahmungstätern die Zusendung von Plakaten an.