Fürth: „Gegen Naziterror – Gib Nazis keine Chance“

Fürther Bündnis gegen Rechtsextremismus und Rassismus

Vor einer Woche marschierten rund 100 Neonazis der militanten Nazikameradschaft „Freies Netz Süd“ durch Fürth. In der Nacht vorher hatten sie diese Demonstration mit einer „Eilanmeldung“ angemeldet, die von der Fürther Polizei auch genehmigt wurde: In einem Bericht über den Aufmarsch loben die Nazis das äußerst unkomplizierte Vorgehen der örtlichen Polizei. Nur wenige Stunden nachdem der braune Mob durch die Fürther Innenstadt gezogen ist, wurde der antifaschistische Infoladen Benario in Fürth angegriffen. Die Faschisten zerstörten einen Rollladen und eine Schaufensterscheibe. Es entstand ein Sachschaden von über 2500 €. Der Übergriff stellt den fünften Anschlag von Neonazis innerhalb von drei Monaten in der Region dar und wirft einige Fragen auf.

Deshalb hatte das Fürther Bündnis gegen Rechtsextremismus und Rassismus gestern zu einer Kundgebung unter dem Motto „Gegen Naziterror – Gib Nazis keine Chance“ aufgerufen, an der über 200 Antifaschistinnen und Antifaschisten teilnahmen.

Die Redner, darunter Vertreter/innen der Stadtratsfraktionen, der Gewerkschaft verdi und IG Metall, kritisierten mit deutlichen Worten das Vorgehen der Polizei, die selbst im Vorfeld dieser Kundgebung nicht in der Lage war, den Kundgebungsort abzusichern: kurz vor Beginn der Veranstaltung übersäten Nazis den gesamten Platz der Opfer des Faschismus mit Papierschnipseln. Darauf hetzten sie gegen die in ihren Augen „volksfeindlichen Linken“ und forderten einen „Nationalen Sozialismus“.

Die Sprecherin des Fürther Bündnisses übergab Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung – der auch auf der Kundgebung sprach – eine Liste mit Fragen:

Wie kann es sein, dass in einer Stadt deren jüdische Geschichte eine herausragende Rolle spielt, Neonazis ungestört marschieren können?

Wie kann es sein, dass noch kein einziger Neonazi-Anschlag in der sichersten Großstadt Bayerns aufgeklärt wurde?

Wie kann es sein, dass selbst nach einer Nazi-Großdemonstration, antifaschistische Treffpunkte nicht entsprechend gesichert werden?

Was gedenkt die Stadt zu unternehmen, um zukünftig antifaschistische Treffpunkte zu schützen (z. B. Gewerkschaftsbüros, Eine Welt Laden, Infoladen Benario)?

Was gedenkt die Stadt zu unternehmen, um Betroffene von rechter Gewalt insbesondere finanziell zu unterstützen?
Dr. Jung sicherte zu, dass diese Fragen am kommenden Mittwoch in der Stadtratssitzung ausführlich besprochen werden sollen