Stammgast vor Gericht: Ex-Kameradschaftsführer Martin Wiese mal wieder angeklagt

Martin Wiese während einer Demonstration
Martin Wiese während einer Demonstration

Der mehrfach vorbestrafte Neonazi Martin Wiese wird sich wegen Volksverhetzung, Bedrohung und Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vor dem Amtsgericht Gemünden verantworten müssen. Wie ein Sprecher gestern mitteilte, wird die Anklage der Staatsanwaltschaft Würzburg zugelassen.

Wie ein Gerichtssprecher des Amtsgerichts Gemünden (Kreis Main-Spessart) gestern der Süddeutschen Zeitung mitteilte, lässt das Gericht die Anklage der Staatsanwaltschaft Würzburg gegen den bundesweit bekannten Neonazi Martin Wiese zu.

Wiese steht im Verdacht, bei einer Kundgebung in Unterfranken Journalisten mit dem Tod bedroht zu haben. Wörtlich soll er gesagt haben: „Wir werden eines Tages kommen, euch aus euren Löchern holen, euch vor einen Volksgerichtshof stellen und euch wegen Deutschlands Hochverrat zum Tode verurteilen.“ Gleichzeitig habe er – so die Staatsanwaltschaft – „in einer die Würde der Opfer verletzenden Weise öffentlich die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft gebilligt, verherrlicht und gerechtfertigt.“ An diesen Tag soll Wiese zusätzlich ein T-Shirt mit der Signatur Adolf Hitlers und den Worten „Seine Idee – unser Weg“ getragen haben. Deshalb lautet die Anklage gegen den mehrfach vorbestraften Überzeugungstäter auf Volksverhetzung, Bedrohung und Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Der ehemalige Kopf der „Kameradschaft Süd“ hatte bereits 2003 mit seinen Gesinnungsgenossen vor, ein Bombenanschlag bei der Grundsteinlegung des Jüdischen Zentrums in München zu verüben. Die Pläne konnte jedoch vereitelt werden. Der aus Anklam in Mecklenburg-Vorpommern stammende Neonazi wurde deshalb wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Planung eines Sprengstoffanschlags zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Dem 35-Jährigen wurde nach seiner Haftentlassung zur Auflage gemacht, sich zukünftig von der rechtsextremistischen Bewegung fernhalten, was er nach Meinung der Würzburger Staatsanwälte aber nicht getan hat. Er trat wahrscheinlich seit dem Frühjahr 2011 mehrfach als Mitorganisator rechtsextremistischer Aufmärsche in Erscheinung und traf dabei auf ehemalige Mitstreiter der „Kameradschaft Süd“, gegen die ein Kontaktverbot besteht. Beobachter vor Ort halten ihn auch für den Initiator der sogenannten Nationalen Sozialen Bewegung (NSB), die seit Frühjahr 2011 im Raum München aktiv ist.