Bayreuth: Dummheit oder Naivität?

Screenshot Homepage Stadt Bayreuth

Es ist ausdrücklich zu begrüßen, wenn sich eine Stadt gegen das massive Auftreten von Nazis wehrt. Viel zu oft geschieht das nicht, wird versucht, Aktivitäten der Nazis zu verschweigen und zu ignorieren. Nachdem seit einiger Zeit eine so genannte „Aktionsgruppe Bayreuth“, die dem „Freien Netz Süd“ zuzurechnen ist, aktiv ist und vor allem durch massive Flugblattverteilungen in die Briefkästen auffällt, muss etwas dagegen unternommen werden. Nur: das sollte nicht wie im Fall der Stadt Bayreuth dazu führen, dass den Nazis die Adressen ihrer politischen Gegner frei Haus geliefert werden!

Nach den mehrfachen Flugblattverteilungen der Nazis im Stadtgebiet von Bayreuth ist die Stadtverwaltung aktiv geworden. Wie der Nordbayerische Kurier berichtet, empfiehlt sie den Empfängern der Flugblätter, sich dagegen zu wehren. Dafür hat die Stadt auf ihrer Homepage ein Musterschreiben zum Download zur Verfügung gestellt (siehe Bild am Ende des Artikels): „Einfach ausdrucken, ausfüllen und abschicken“, empfiehlt die Stadt. Und zwar abschicken an den presserechtlich Verantwortlichen des Freien Netz Süd, an den Nazi-Funktionär Simon Preisinger in Flossenbürg! Dieser wird sich freuen: erhält er doch auf diese Art und Weise frei Haus dann Namen und Adressen seiner politischen Gegner geliefert.

Offensichtlich sind die Ereignisse in Franken in den letzten Monaten an den Verantwortlichen der Stadt Bayreuth spurlos vorbei gegangen: Ein Anschlag auf den Sprecher des Bündnisses gegen Rechts in der Metropolregion Nürnberg, zwei Anschläge auf die Autos von engagierten Antifaschisten in Fürth, mehrfach bereits Angriffe auf Teilnehmer einer Kundgebung gegen Rechts in Weißenburg usw. usw. Einzelne Personen werden von den Nazis mit Name, Adresse und Foto auf deren Internetseiten veröffentlicht, es wird gegen sie gehetzt und eine Bedrohungssituation aufgebaut, um sie einzuschüchtern. Und angesichts solcher Ereignisse soll man den Nazis auch noch seine Adresse liefern?

Davor warnt die Bayreuther SPD. Es sei zwar erfreulich, dass sich die Stadt Bayreuth „aktiv am Widerstand gegen das Erstarken von neonazistischen Kräften in Bayreuth beteiligt“, finden Thomas Ritter und Tina Krause von der SPD. Das vorgeschlagene Vorgehen aber sei gefährlich: Die „Aktionsgruppe Bayreuth“ gehöre dem „Freien Netz Süd“ an und habe enge Verflechtungen zu den Neonazis im Hofer Land und Oberprex. „Das Gewaltpotenzial der Freien Kameradschaften, zu denen die Aktionsgruppe Bayreuth gehört, ist in den letzten Monaten massiv zutage getreten“, heißt es in dem Schreiben der SPD. Immerhin gehören Personen wie der wegen eines geplanten Bombenanschlags verurteilte Martin Wiese ebenso wie der vorbestrafte Matthias Fischer (Fürth) oder Tony Gentsch aus Oberprex, der derzeit seine Gefängnisstrafe absitzt, zu den Kameradschaften des „Freien Netz Süd“, dem auch die Aktionsgruppe Bayreuth angehört.