NPD-Landtagsabgeordneter David Petereit schon 2002 mit Kenntnis zur NSU-Mordserie?

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Durch Zufall sind Leser auf eine mögliche Verbindung eines Neonazi-Fanzines zur Zwickauer Terrorzelle gestoßen. Bereits 2002 hieß es dort: „Vielen Dank an den NSU“. Verantwortlich für die Zeitschrift ist der heutige NPD-Landtagsabgeordnete David Petereit (Anm.: er gehört dem Landtag in Mecklenburg-Vorpommern an).

Das „antifaschistische pressearchiv und bildungszentrum berlin e.V.“ betreibt seit einigen Monaten einen Watchblog zur Aufklärung der Morde durch den „Nationalsozialistischen Untergrund“. Jetzt sind die Betreiber aufgrund eines Hinweises auf eine Zeile in einem Fanzine der rechtsextremen Szene aufmerksam geworden, die eine Menge Sprengstoff enthält.

In dem Vorwort des Neonazi-Blattes „Der Weisse Wolf“ heißt es „Wenn die Zeiten härter werden – muß der Kampf es auch auch werden. Unterstützt die Kameraden in Haft, im Rechtskampf, auf der Straße, bildet Netzwerke – nur vom Musikhören und Feiern kommt die Wende nicht.“ Darunter fettgedruckt und prominent platziert der Spruch: “Vielen Dank an den NSU, es hat Früchte getragen Der Kampf geht weiter…“

Das Problematische an der Sache: Die Aussage erschien bereits 2002, also annähernd ein Jahrzehnt bevor die Mordserie durch den „Nationalsozialistischen Untergrund“ publik wurde. Das Kürzel NSU sei dem „apabiz“ zufolge kein bekanntes Kürzel in der Szene, auch der Hinweis im „Weissen Wolf“ sei die erste Verwendung in Veröffentlichungen der Neonazi-Szene.

Als Herausgeber des Heftes fungierte ab dem Jahr 2000 eine Person unter dem Pseudonym „Eihwaz“. Später wurde dann aber als Verfasser und Hersteller David Petereit angegeben. Dem „apabiz“ zufolge sei durch einen Hack bekannt geworden, dass Petereit in einem Neonazi-Auktionshaus ebenfalls das Pseudonym „Eihwaz“ benutzte. Vieles spricht somit dafür, dass Petereit, mittlerweile NPD-Landtagsabgeordneter, auch vorher schon für die Postille verantwortlich war. Auch die Internetseite des „Weissen Wolfes“ soll Petereit bereits seit 2000 verantwortet haben.

Noch ein weiterer Punkt spricht für die Verstrickung des NPD-Abgeordneten in die Veröffentlichung. Zu erreichen war das Fanzine seinerzeit nur über ein Postfach aus Neustrelitz. Die Adresse lautete „Postfach 1443, 17724 Neustrelitz“. Unter derselben Adresse kann man allerdings auch heute noch einen rechtsextremen Online-Shop namens „Levensboom“ kontaktieren. Der Inhaber des Unternehmens: David Petereit.

Zudem wurde in dem Fanzine regelmäßig über Treffen der „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige“ (HNG) berichtet. Der Verein, der im letzten Jahr verboten wurde, hatte ein prominentes Mitglied. Bis heute berichtet David Petereit mit Stolz, Mitglied der Organisation gewesen zu sein.

Für eine Stellungnahme war Petereit Spiegel Online zufolge nicht zu erreichen.

Foto: Repro apabiz