NS-Verherrlichung bei Nazi-Kundgebung in Burgkirchen

T-Shirt mit NSDAP-Plakat und Hitler-Zitat

Rund 20 Neonazis aus den Reihen der NPD, des „Freien Netz Süd“ (FNS) und des „Nationalen Bündnis Niederbayern“ (NBN) fanden sich am Samstag, den 28. April, zu einer von Martin Wiese angemeldeten Kundgebung im oberbayerischen Burgkirchen ein. Dagegen formierte sich breiter Widerstand: Über 150 Bürger protestieren unweit des Kundgebungsorts der Nazis gegen die rechte Veranstaltung.

Als Leiter und Redner der von Martin Wiese angemeldeten Kundgebung (Wiese selbst blieb fern) unter dem Motto „Zeitarbeit abschaffen!“ fungierte Neonazi Roy Asmuß (Aktivist des FNS), der in seiner Rede versuchte, das Thema „Zeitarbeit“ für die Zwecke der Nazis zu instrumentalisieren. Ziel der Ausnutzung von sozialen The-men ist es, bürgerlich zu erscheinen und Leute für die Ansichten der Neonazis zu rekrutieren. Dass das in Burgkirchen kläglich scheiterte, bewies der breit gefächerte Gegenprotest. Über 150 Leute protestierten lautstark durch Pfeifen und das Abspielen von Musik gegen die Neonazi-Kundgebung am Bürgerzentrum.

Nachdem die Nazis mit zwei Bannern („Zeitarbeit abschaffen!“, Freies Netz Süd; „Der Wille ein Weg ein Bündnis“, Nationales Bündnis Niederbayern) sowie einer Esel- und Schafsaktion („Ich Esel glaube Zeitarbeit ist sozial“; „Ich Schaf glaube Zeitarbeit ist sozial“) Aufstellung bezogen hatten, begann Asmuß mit seiner Rede. Darin hetzte er unter anderem gegen die Gewerkschaften, die er für diese Problematik verantwortlich machte und als „volksfeindlich“ bezeichnete. Wohl in Bezug auf die Gegendemonstranten sagte Asmuß dann, dass der „Gegner geistig unbewaffnet“ sei, ehe er wieder das Themas „Zeitarbeit“ aufgriff und die Schuld daran den Gewerkschaften und der SPD gab.

Mehrmals versuchte er sich auch auf die lokale Problematik zu beziehen, womit er wohl die umstehenden Leute ansprechen wollte. Aus der Kundgebung heraus sollten schließlich Flugblätter verteilt werden, die jedoch mehrheitlich auf Ablehnung stießen. Kurz vor Ende sprach Roy Asmuß im Bezug auf eine mögliche Beteiligung der Gegendemonstranten an den Protesten gegen den Aufmarsch am 1. Mai in Hof noch eine Drohung aus: „Vielleicht trifft man ja auch auf der An- oder Abreise. Weil ohne Polizei seid ihr nicht so vorlaut.“

Zwei der anwesenden Nazis trugen zudem T-Shirts, die die Zeit des Nationalsozialismus ganz offenkundig verherrlichten. So trug Karl-Heinz Statzberger, der damals zusammen mit Martin Wiese verurteilt wurde, ein T-Shirt, auf dem auf der Vorderseite „Frontstadt München“ stand. Die hintere Seite zeigt die Vereidigung der SS vor der Münchner Feldherrenhallen sowie die Aufschrift „Wir schwören Treue bis zum letzten Atemzug“. Ein weiterer Neonazi trug ein T-Shirt, auf dem ein NSDAP-Plakat sowie ein Zitat von Adolf Hitler abgebildet war. Von Journalisten auf das T-Shirt mit dem NSDAP-Plakat angesprochen, gab ein Polizeisprecher an, die juristische Lage prüfen zu wollen.

Nach knapp einer Stunde war dann auch schon wieder Schluss – die Neonazis packten ihre Sachen und zogen ab. Der Verlauf der Veranstaltung war insgesamt friedlich. Und Burgkirchen konnte durch ordentliche Gegenproteste, an denen sich auch der amtierende Bürgermeister Stephan Merz (SPD und Unabhängige Bürger) als Redner beteiligt hatte, ein eindeutiges Zeichen setzten – gegen Neonazis und ihre menschenverachtende Ideologie.