Untergetauchter Neonazi Gerhard Ittner in Portugal verhaftet

Gerhard Ittner, Foto: R. Löster
Gerhard Ittner, Foto: R. Löster

Wie die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth auf Anfrage von Endstation Rechts. Bayern bestätigte, wurde der bislang untergetauchte Neonazi Gerhard Ittner in Portugal verhaftet. Derzeit sitzt der ehemals flüchtige Rechtsextremist in Auslieferungshaft und muss auf die Entscheidung eines portugiesischen Gerichts warten.

Bereits seit einiger Zeit kursierte die Neuigkeit, dass der flüchtige Neonazi Gerhard Ittner in Portugal von den Behörden verhaftet wurde, in bekannten neonazistischen Internet-Foren. Lange Zeit über war jedoch unklar, welcher Wahrheitsgehalt sich hinter dieser Meldung verbirgt. Jetzt aber äußerte sich die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth zu dem Sachverhalt und bestätigte die entsprechenden Gerüchte offiziell.

Demnach wurde Ittner, der bereits seit dem Jahr 2005 abgängig ist, am 11. April 2011 in Portugal von den Behörden in Gewahrsam genommen. Aktuell sitze der bekannte Rechtsextremist aus dem Raum Fürth in Auslieferungshaft, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Über Ittners Auslieferung hat nun ein portugiesisches Gericht zu entscheiden.

Gerhard Ittner floh im Jahre 2005, kurz bevor er von einem Nürnberger Gericht zu einer Haftstrafe wegen schwerer Verunglimpfung des Staates und Volksverhetzung verurteilt wurde. Insgesamt hätte der Neonazi, der eine Zeit lang auch Mitarbeiter bei der NPD-Tarnorganisation „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ (BIA) unter Ralf Ollert war, zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis gemusst. Allerdings wurde „der Haftbefehl außer Vollzug gesetzt“, weswegen Ittner noch vor der Verkündung des Urteils abtauchen konnten, wie der BR auf seiner Internetseite berichtet.

Der «blick nach rechts» berichtet, dass Ittner «enge Kontakte zu Gleichgesinnten in Thüringen pflegte. So trat Ittner neben Patrick Wieschke, dem damaligen Kopf des „Nationalen und Sozialen Aktionsbündnis Westthüringen“ (NSAW), beim vom NPD-Kreisverband Jena mitinitiierten „1. Nationalen Thüringentag»“ in Jena am 4. Juni 2002 als Referent in Erscheinung. Das NSAW war Teil des „Thüringer Heimatschutzes“, dem das mörderische Neonazi-Trio Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe angehörte. Am 18. Oktober 2003 war Ittner Redner bei einer Neonazi-Demonstration in Erfurt. Neben Ittner sprach auf der Kundgebung auch das damalige thüringische NPD-Landesvorstandsmitglied Ralf Wohlleben. Der führende Jenaer Kader und NPD-Funktionär sitzt seit November als mutmaßlicher Unterstützer des NSU-Trios in Untersuchungshaft.
Derzeit prüfen die Behörden, ob Ittner von den Mordplanungen der NSU-Terroristen wusste. So soll Ittner am 26. August 2000 in Nürnberg ein Flugblatt an Autofahrer verteilt haben. In dem Flugblatt rief Ittner das „Unternehmen Flächenbrand“ aus. Im Text hieß es: „1. September 2000 – von jetzt ab wird zurückgeschossen.“ Der Text endete mit dem Satz: „Weitere Anordnungen abwarten (Mittwochsdossier bzw. Angriff)“. Am 9. September 2000 wurde in Nürnberg der Blumenhändler Enver Simsek erschossen. Mehrere der insgesamt zehn Morde wurden an einem Mittwoch verübt.»

Nachdem nun in Portugal die Handschellen geklickt haben, gilt es abzuwarten, wie sich das portugiesische Gericht bezüglich der Auslieferung entscheiden wird, und was bezüglich Ittner noch alles herauskommen wird.