Rechtsextreme Sachbeschädigung gegen couragierten Politiker?

Yilmaz Aydin bei der Demonstration gegen den NPD-Bayerntag in Schwarzach

Yilmaz Aydin ist schockiert, als er am Donnerstag das Hakenkreuz entdeckt, das Unbekannte auf die Motorhaube seines Autos in den Lack gekratzt haben. Das Auto stand vor seinem Grundstück geparkt, neben einigen anderen Autos.

Ganz deutlich sieht man das ca. 40 cm große Hakenkreuz. Die Polizei kommt und nimmt die Ermittlungen auf, auch der Staatsschutz wird eingeschaltet. Der Sachschaden beläuft sich auf 500 Euro. Die Polizei ermittelt „in alle Richtungen“, wie in der Presse zu lesen ist und der Pressesprecher betont, dass Yilmaz Aydin der einzige bekannte Fall und die rechte Szene in Kulmbach nicht sonderlich ausgeprägt sei.

In Anbetracht der Tatsache, dass die NPD in Schwarzach, einem Ort im Kulmbacher Landkreis, erst kürzlich ihren Bayerntag feierte, ist die Formulierung „nicht sonderlich ausgeprägt“ Auslegungssache. Auch scheint schon wieder vergessen worden zu sein, dass sich im Herbst 2011 im Landkreis Kulmbach ein junger Mann aus dem rechten Spektrum durch Bastelei mit Sprengstoff versehentlich selbst tötete. Ebenso sollte man an den Fall der Schulrektorin 2008 zurückdenken, die ihre SchülerInnen Hakenkreuze zeichnen ließ.

Nichtsdestotrotz sind die 500 Euro für die zerkratzte Motorhaube nur ein Teil des entstandenen Schadens.

Yilmaz Aydin ist aus der Türkei, er ist selbstständiger Unternehmer, hat drei gutlaufende Döner-Imbisse und ist Vater von drei Kindern. Yilmaz arbeitet ehrenamtlich als Integrationsbeauftragter der Kulmbacher SPD und seit kurzem ist er auch im Bündnis „KUnterBunT – Bayreuth / Kulmbach Farbe bekennen für Demokratie, Toleranz und Menschenwürde“ aktiv. Auf der großen Demonstration gegen den NPD-Bayerntag lief Yilmaz Aydin vorne mit und hielt eine Rede bei der Kundgebung.

Als er das Hakenkreuz entdeckte, konnte er es erst gar nicht fassen. Dann kam Wut, und danach aber auch Sorge. Vor allem die Sorge um seine Familie, wie er sagt. Yilmaz Aydin kannte eines der NSU-Opfer persönlich; die Gefahr ist für ihn sehr präsent, wie für viele Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland seit Bekannt werden der Morde des NSU. Die Vorstellung, dass Neonazis dieses Hakenkreuz auf sein Auto gemacht haben könnten, um ihn in seinem Engagement einzuschüchtern, ist natürlich da. Auch die Sorge um seine Privatsphäre. Der Gedanke, dass es eine bewusste Tat gegen sein Auto war, ist nicht beruhigend. In Anbetracht der Tatsache, dass immer wieder rechtsextremistische Straftaten begangen werden, auch gegen aktive DemokratInnen, ist das aber nicht so abwegig. In der Nacht auf Donnerstag wurde in Regensburg ein Gewerkschafter von mutmaßlichen Neonazis zusammengeschlagen, nachdem im Internet auf der Neonazi-Plattform „Freies Netz Süd“ massiv gegen ihn gehetzt wurde. Außerdem gab es Anfang der Woche Schmierereien mit rechtsextremistischem Inhalt in Bayreuth in einer Fahrradunterführung.

Jedoch wird sich Yilmaz Aydin nicht einschüchtern lassen. Denn genau das ist es doch, was die Nazis wollen. Er wird weitermachen, sich engagieren und ein Zeichen setzen für Integration, für ein gelungenes Miteinander und gegen Neonazis.