Zwischen Kerwagaudi und Geschichtsklitterung – extrem rechte Philosophie einer Bayreuther Musikgruppe

"Red Balloon" - Screenshot

Red Balloon, eine Band mit zwei Musikern, die im Bayreuther Raum immer wieder für Festveranstaltungen mit ihrem Programm aus Schlagern und Kerwamusik gebucht werden. Die beiden Musiker sind seit vielen Jahren aktiv und haben neben „Red Balloon“ auch andere Musik-Projekte gemacht.
Was jetzt ans Tageslicht kam, stimmt nachdenklich. Denn der Musiker Heinz Rauh wirbt auf der Homepage von Red Balloon nicht nur für seine Band, sondern auch für extrem rechtes, antisemitisches und rassistisches Gedankengut und betreibt Geschichtsrevisionismus.

Die Homepage wirkt auf den ersten Blick sehr billig gemacht, ist unübersichtlich und erst nach vielen Klicks findet man die Inhalte, die Rauh mit den Titeln „Hoffnung“ und „Aufgewacht“ umschreibt.
Und Rauh meint das genauso, wie es auf der Homepage zu lesen ist: «Ich stehe voll dahinter», räumte der Musiker auf Nachfrage des Nordbayerischen Kuriers ein, nachdem eine breitere Öffentlichkeit von der Ideologie des Musikers erfahren hat.»

Nun ist es dann doch eigentlich verwunderlich, dass die Texte auf der Homepage heute nicht mehr zur Verfügung stehen. Nun kann man euphemistisch darüber nachdenken, ob sich denn binnen 24 Stunden etwas am Geschichtsbild von Herrn Rauh geändert hat. Oder er hat, was doch naheliegender ist, Angst um sein Geschäft mit den „Red Balloons“.

Der Text „Aufgewacht“ widmet sich vor allem einem kruden Alltagsrassismus, wie er sich leider häufig unter dem Motto „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen…“ bei Menschen findet, die sich in ihrer Selbsteinschätzung niemals als Rassisten einstufen würden.

Der Text „Hoffnung“ ist ein wirres Konvolut aus Geschichtsrevisionismus, Antisemitismus und Relativierung der Nazi-Verbrechen.

Am Anfang steht eine wirre Aneinanderreihung von dubiosen Zitaten, die einzig dem Ziel dienen, eine krude Verschwörungstheorie zu stützen, um Deutschland von der Schuld an der Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus und am 2. Weltkrieg freizusprechen. Gestützt auf Elemente der Weltverschwörung durch das Judentum, versucht Rauh mit eigenen Worten und ohne Struktur eine ganz eigene Auslegung der Geschichte zu schreiben, die sich nahe an der Holocaustleugnung befindet. Weiter geht es dann mit der Relativierung der Kriegsverbrechen, immer wieder mit Verweis auf einen Vergleich mit Stalin. Rauh befindet sich damit ganz klar in der Tradition von atisemitischen Geschichtsrevisionisten, die versuchen in nationalsozialistischer Tradition die Täter-Opfer-Umkehr zu betreiben und „die Juden“ für den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust verantwortlich zu machen.

Auch über Rudolf Hess hat Herr Rauh eine eigene Interpretation auf Lager, die von einem Nazi-Kader nicht besser hätte beschrieben werden: „Wenn jemand wie Hess mit der weißen Fahne zu Friedensvermittlungen bereit ist, dann hätte man ihn nicht einsperren dürfen. An diese Regel hielten sich sogar die alten Indianer. Auch bei den Nürnberger Prozessen, bei denen die Sieger als Richter auftraten, hätte man unparteiisch die Rolle von Hess untersuchen müssen. Mit dem Ende des 2. Weltkrieges wurde die Gerechtigkeit unter den Tisch gekehrt.“

Der andere Text „Aufgewacht“, der die Überschrift trägt „Ein Desaster zwischen den Jahrtausenden“ ist um einiges interessanter, weil er neben rechtsextremen Aussagen auch einen eindeutigen Appell enthält.
Aufgebaut ist dieser Text etwas strukturierter mit 10 Punkten, in denen Herr Rauh sich zu verschiedenen politischen Themen äußert und wieder beginnt der Text mit geschichtsrevisionistischen Thesen:
„Wir Deutschen haben nicht die Kraft und den Mut, unsre Kriegs- und Nachkriegsgeschichte wahrhaftig und richtig zu schreiben. Wir glauben nur an unsre alleinige Schuld für den 2. Weltkrieg, an einen Krieg, den andere für uns geschickt eingefädelt hatten. […]Wir glauben nur an die verzerrte Geschichte der Siegermächte. Mittlerweile zahlt die dritte Generation Wiedergutmachung, und so geht es bis zum Staatsbankrott ewig weiter.“

Diese
Form der Geschichtsschreibung dient Rechtsextremisten dazu, die deutsche Geschichte zu beschönigen und genau dies versucht Rauh in seinen Texten ebenfalls.

Aber auf platter Rassismus fehlt nicht in den Pamphleten von Rauh, unter Punkt 3 zum Thema Rente zeigt sich das ideologische Bild deutlich: „Wir zahlen Zuwanderern, die keinen EURO eingezahlt haben, Rente und wundern uns krankhaft, warum kein Geld mehr in der Kasse ist. Das ist Rentenklau und ist mit Bankraub gleichzustellen. Und sie bekommen in vielen Fällen mehr Rente als Deutsche, die eingezahlt haben.“

Das Interessanteste jedoch kommt erst am Ende des Textes, den Heinz Rauh mit seinem Namen und dem Datum unterzeichnet hat:

„PS: Wir als Red-Balloon sehen uns nicht nur als eine Gruppe, die irgendwelche Songs schreibt, wir möchten auchmit unseren Texten eine Botschaft vermitteln und etwas im Lande bewegen. Vielen Dank für den Kauf der CD und Ihre Unterstützung.“

Und genau mit dieser Aussage wird deutlich, dass man die unpolitische Musik der Band nicht von ihrem antisemitischen, rassistischen, holocaustrelativierenden Aussagen auf der Homepage trennen kann. Genau das haben Herr Rauh und sein Kollege nämlich dem Kurier versucht zu vermitteln.

Und genau da muss man deutlich machen, dass eine Band, die im Internet solche Aussagen vertritt, nicht auf Festen spielen darf, auf denen alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, willkommen sind. Auch darf die Stadt Bayreuth diese Band nicht mehr engagieren. Die Gruppe wurde nach Kurierangaben nämlich auch von der Bayreuth Marketing und Tourismus GmbH für das Sommernachtsfest engagiert. Um diesen Sachverhalt zu klären hat die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayreuther Stadtrat umgehend eine Anfrage an die Stadt gestellt: „Mich interessiert natürlich, ob es zutrifft, dass die Gruppe Red Balloon für das Bayreuther Sommernachtsfest engagiert wurde, ob dies die einzige Veranstaltung war, und weshalb man sich die Homepage der Gruppe nicht genauer angesehen hatte“, erläutert die grüne Stadträtin. „Darüber hinaus möchte ich wissen, nach welchen Kriterien die Stadt Bayreuth und die BMTG ihre künstlerischen Engagements vergeben und welche Konsequenzen sie aus diesem Vorfall ziehen werden“, führt Sabine Steininger aus.

„Ich hoffe sehr, dass man diese Anfrage zum Anlass nimmt, sich in der Verwaltung und in den städtischen Gesellschaften noch einmal intensiv mit der Thematik Rechtsextremismus und Rechtspopulismus zu beschäftigen“, so die grüne Stadträtin. „Die Stadt Bayreuth darf Menschen, die sich fremden- und frauenfeindlich äußern, die Schwule und Lesben diskriminieren, die rechte und rechtspopulistische Gedanken äußern, keine Bühne bieten“, fordert Sabine Steininger. „Es reicht nicht, nur Mitglied in der Allianz gegen Rechtsextremismus zu sein, diese Mitgliedschaft muss mit Leben erfüllt werden“, fordert die Grüne. „Die Stadt muss endlich gemeinsam mit Bayreuther Verbänden und Vereinen, der Projektstelle gegen Rechtsextremismus in Bad Alexandersbad und dem Bündnis KUnterBunT aktiv werden und mit Veranstaltungen und Aktionen über Rechtsextremismus und Rechtspopulismus informieren und so deutlich machen, dass für dieses Gedankengut in Bayreuth ein für alle Mal kein Platz mehr ist“, beschließt Sabine Steininger ihren Appell.

Auch wenn die Texte mittlerweile nicht mehr auf der Homepage stehen sollten, darf angezweifelt werden, dass damit auch das Geschichtsbild von Herrn Rauh anders geworden ist. Auftritte einer Band, deren Mitglied solche Gedanken öffentlich äußert, dürfen nicht unkommentiert hingenommen oder relativiert werden.

Besonders nachdenklich stimmt in diesem Zusammenhang auch das auf der Homepage angezeigte Engagement gegen Drogenmissbrauch. Laut Aussagen der Band, gibt es eine Mitwirkung bei einem Verein namens „Sucht- und Drogenprävention Oberfranken e.V.“.

Red Balloon übernimmt die musikalische Gestaltung von Veranstaltungen dieses Vereins zur Drogenprävention an Schulen. Da muss die Frage erlaubt sein, ob es den Eltern und
Verantwortlichen der Schulen recht ist, dass eine Band, deren Aussagen antidemokratisch, rassistisch und holocaustrelativierend sind, Teil einer Anti-Drogen-Kampagne für Schüler ist.