Landratsamt geht gegen die Sicherheitsfirma des NPD-Funktionärs Roßmüller vor

Taranis-Sicherheitsdienst, Screenshot

„Das Landratsamt Straubing hat dem stellvertretenden bayerischen NPD-Landesvorsitzenden Sascha Roßmüller mit Hinweis auf seine politische Betätigung die Gewerbeerlaubnis entzogen.“ meldet die NPD Bayern auf ihrer Internetseite. Roßmüller, der auch Mitglied des Rockerclubs „Bandidos“ ist, steht aber weiter als Eigentümer des Sicherheitsdienstes im Impressum der entsprechenden Internetseite.

Lt. „regio aktuell 24“ hat das Landratsamt Straubing-Bogen gegenüber Sascha Roßmüller die Erlaubnis zur „gewerbsmäßigen Bewachung von Leben oder Eigentum fremder Personen“ widerrufen: «Eine Überprüfung der Sachlage führte zu dem Ergebnis, dass Herr Roßmüller die für das Betreiben eines Bewachungsgewerbes nötige Zuverlässigkeit nicht besitzt.“ Der Bescheid ist noch nicht rechtskräftig

Die Landtagsfraktion der BayernSPD hatte bereits im Frühjahr gefordert, dass Rechtsextremisten nicht im Sicherheitsgewerbe tätig sein dürfen. Deswegen müsse dem bayerischen NPD-Vize Sascha Roßmüller die Gewerbeerlaubnis für den von ihm mit betriebenen Wachdienst Taranis entzogen werden. «Man kann nicht erwarten, dass so eine Person die nötige Zuverlässigkeit besitzt, die zum Führen einer Sicherheitsfirma erforderlich ist», so der Landtagsabgeordnete Florian Ritter. Auslöser war die Berichterstattung verschiedener Medien (auch Endstation Rechts.Bayern hatte berichtet: Die Jungs fürs Grobe und NPD-Kader Roßmüller leitet Sicherheitsdienst – Politik fordert Konsequenzen) und eine Stellungnahme des Innenministeriums. Der war u. a. zu entnehmen, dass mehrere Mitarbeiter auch Waffen tragen dürfen.

Zum Hintergrund:

«Taranis-Sicherheitsdienst steht für hohe Ansprüche im Bereich seiner angebotenen Dienstleistungspalette. Die Kombination von Qualität und Erfahrung bilden die Grundlage für eine zufriedenstellende Auftragserfüllung“ und „Unsere Mitarbeiter sind speziell auf eine allseitig routinierte Grundsensibilität sowohl bei Lageeinschätzung wie auch bei der konkreten Aufgabenerfüllung trainiert». So beschreibt sich der Sicherheitsdienst auf seiner Internetseite selbst.

Aber schauen wir uns doch mal den Inhaber Sascha Roßmüller an: Er begann seine Karriere bereits mit 17 Jahren als Funktionär in der Nazi-Gruppe „Nationaler Block“, die 1993 verboten wurde. Seit Ende 2002 ist er stellvertretender Vorsitzender des NPD-Landesverbandes Bayern und gehörte zeitweise dem NPD-Bundesvorstand an. Zwischen 1999 und 2002 war Roßmüller auch Bundesvorsitzender der Jungen Nationaldemokraten/JN. Mit seiner Äußerung »Dereinst werden ›Andere‹ in Nürnberg hängen«, anlässlich einer Demonstration in Nürnberg, bedrohte Roßmüller politische Gegner mit dem Tode. Alles natürlich die besten Voraussetzungen, ein seriöses „Sicherheitsunternehmen“ zu führen und ein deutliches Zeichen einer „routinierten Grundsensibilität“…

Die Presseerklkärung von Florian Ritter, Mitglied der SPD-Landtagsfraktion, dazu:

Mutige Entscheidung des Landratsamtes Straubing-Bogen – Entzug der Bewachungserlaubnis von führendem bayerischem Neonazi

Wie nun bekannt wurde hat das Landratsamt Straubing-Bogen dem bayerischen NPD-Vizevorsitzenden Sascha Roßmüller die Erlaubnis zum Betrieb einer Wach- und Sicherheitsfirm entzogen, vermeldet die Seite regio-aktuell24.de und die bayerische NPD-Homepage. „Ich freue mich sehr über diese überfällige Entscheidung und beglückwünsche das Landratsamt zu der konsequenten und mutigen Umsetzung der bestehenden Gesetze. Es war ein untragbarer Zustand, dass eine zentrale Person der Neonazi-Szene Bayerns, die zudem eng mit dem Rocker-Milieu verknüpft ist eine Sicherheitsfirma betreibt,“ lässt der SPD-Landtagsabgeordnete Florian Ritter, Sprecher der
SPD-Landtagsfraktion für die Bekämpfung des Rechtsradikalismus, verlauten.

Schon im April 2012 hatte der SPD-Abgeordnete die bayerische Staatsregierung auf das Gewerbe von Sascha Roßmüller hingewiesen und eine kritische Stellungnahme eingefordert. Nun folgte die Umsetzung der Initiative von Florian Ritter. „Ein ebenso konsequentes Handeln wünsche ich mir auch von anderen Landratsämtern und Verwaltungsstrukturen in Bayern, im Kampf gegen Rechtsradikalismus müssen alle Demokratinnen und Demokraten an einem Strang ziehen! Nun sollte die bayerische Staatsregierung auch konsequent nach einer Möglichkeit suchen, das neonazistische Freie Netz Süd zu verbieten, wie es parteiübergreifend vom bayerischen Landtag gefordert wurde.“