Neonazi-Spektakel in Mittelfranken

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Rund 1000 Teilnehmer haben sich am Samstag zu einem von dem NPD-Funktionär Patrick Schröder organisierten Rechtsrock-Konzert im mittelfränkischen Landkreis Neustadt/Aisch eingefunden. Das braune Event war zuvor von den zuständigen Behörden verheimlicht worden.

Erstveröffentlichung bei «blick nach rechts»

Das ursprünglich für die neuen Bundesländer geplante neonazistische „Live-H8“-Festival hat am Samstag überraschend in einer Diskothek in Scheinfeld im mittelfränkischen Landkreis Neustadt/Aisch stattgefunden. Organisiert wurde das Rechtsrock-Festival mit dem doppeldeutigen Namen („H8“ kann sowohl für Hass als auch für „Heil Hitler“ stehen) von Patrick Schröder, NPD-Funktionär aus der Oberpfalz und Moderator des Neonazi-Online-Senders „Frei-Sozial-National-TV“ (FSN-TV). Angekündigt wurden im Vorfeld die Szene-Bands „Act of Violence“, „White Resistance“, „Division Germania“, „Faust Rache“ und „Überzeugungstäter“ sowie auf einer „Händlermeile“ die Labels „PC-Records“ aus Chemnitz und „Gjallahorn-Klangschmiede“ aus Ludwigshafen/Hassloch. Außerdem sollte die Neonazi-Bekleidungsmarke „Ansgar Aryan“ mit einem Stand vertreten sein.

Zunächst wurde für das Festival im In- und Ausland für „Mitteldeutschland“ mobilisiert, später wurde eine Kontakttelefonnummer mit der Vorwahl von Schröders Wohnort Mantel angegeben und der Ort auf „Zentral-Deutschland“ eingeschränkt. Letztlich fand das Konzert am 12. Oktober in dem 4600 Einwohner-Ort Scheinfeld zwischen Neustadt/Aisch und Iphofen in einer Diskothek statt.

Krankheitsbedingter Ausfall von „Division Germania“

Zu dem Rechtsrock-Konzert waren nach Angaben der Polizei 1000 Teilnehmer erschienen, darunter Neonazis aus ganz Deutschland und den Nachbarländern. Damit war die Veranstaltung in Mittelfranken das größte Neonazi-Event der vergangenen Jahre in Bayern, selbst das konkurrierende Kameradschaftsnetzwerk „Freies Netz Süd“ (FNS) konnte in der Vergangenheit keine solchen Teilnehmerzahl bei seinen Festivals oder Demonstrationen erzielen.

Während des braunen Events ist es zu einer Schlägerei zwischen den Teilnehmern gekommen, in deren Folge ein 30-jähriger Mann aus den neuen Bundesländern von der Polizei wegen gefährlicher Körperverletzung vorübergehend in Gewahrsam genommen und nach „erfolgter Sachbehandlung wieder entlassen worden“ ist. Auch haben Einsatzkräfte eigenen Angaben zufolge bei Kontrollen ein T-Shirt mit einem Hakenkreuz sowie ein Hitlerbild sichergestellt. Über die aufgetretenen Bands oder den genauen Veranstaltungsablauf gibt es keine näheren Informationen; lediglich der spontane, krankheitsbedingte Ausfall des Auftritts von „Division-Germania“ ist zuvor auf der Homepage von Patrick Schröders FSN-TV angekündigt worden.

Anmeldung einer „harmlosen Musikveranstaltung“

Obwohl die Polizei und das Landratsamt bereits seit vergangenen Donnerstag Kenntnis über den Hintergrund des Festivals hatte und deshalb Kontrollen „am Anfahrtsweg, rund um das Veranstaltungsgelände und während der Veranstaltung“ durchgeführt haben, wurde die Öffentlichkeit nicht informiert. Bis zuletzt hat die Zivilgesellschaft vor Ort nichts vom dem „Live-H8“-Festival erfahren. Laut einer Pressemeldung der Polizei hätten keine Gründe für ein Verbot des Rechtsrock-Festivals gefunden werden können, weswegen einzig Auflagen erlassen wurden. Verstöße gegen diese Auflagen wurden keine verzeichnet und das Rechtsrock-Konzert sei planmäßig gegen drei Uhr nachts beendet worden, teilt die Polizei mit.

Dass das „Live-H8“-Festival vor der Öffentlichkeit verschwiegen worden ist, führte inzwischen zu heftiger Kritik von Seiten der demokratischen Öffentlichkeit in Mittelfranken. So spricht das „Nürnberger Bündnis Nazistopp“ von einer „Nazi-Förderung erster Klasse“ und kritisiert, dass „die Sache ausgesessen und verschwiegen“ wurde. Auch der Stadtrat in Scheinfeld wendet sich mittlerweile mit einer Resolution gegen das Neonazi-
Festival. Die Stadt und auch die Diskothek sei durch eine Anmeldung einer „harmlosen Musikveranstaltung ohne der Nennung der weiteren Organisatoren und auftretenden Bands massiv getäuscht“ worden. Das „Live-H8“-Festival verurteile der Stadtrat „auf das Schärfste“. In der Resolution werden zudem alle Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, den Stadtrat „in seinem rechtsstaatlichen Kampf gegen Rechts zu unterstützen“. Künftig solle gezeigt werden, dass „Scheinfeld eine weltoffene Stadt für Vielfalt, Toleranz und Menschenrechte“ ist, heißt es.