«Geil war’s!» – Braunes Haus auf Tour: Obermenzinger Nazis randalieren in Aachen

Screenshot:: FNS-Transparent bei den Angriffen in Aachen
Screenshot:: FNS-Transparent bei den Angriffen in Aachen

In Aachen haben am vergangenen Samstag 15 Neonazis eine Demonstration der Linksjugend angegriffen, die den unzähligen, auf tragische Weise verstorbenen Flüchtlingen von Lampedusa gewidmet war. Die Polizei Aachen nahm fünf rechtsextreme Personen, davon vier „aus dem süddeutschen Raum“ in Gewahrsam. Es handelt sich Insiderinformationen zufolge bei den Angreifern um die Bewohner der Nazi-WG in Obermenzing und deren Umfeld aus Berchtesgaden, Freilassing und dem benachbarten Österreich.

Am Donnerstag, dem 31.10. lud die Nazi-WG noch zu einer „keltisch ausgerichteten Helloween-Feier“ in Obermenzing. Mehrere Menschen haben vor dem Anwesen gegen die braune Party demonstriert. Martin Wiese soll lt. Augenzeugen erneut Jornalisten angegriffen haben und wurde deshalb von der Polizei vorübergehend in Gewahrsam genommen. Einen Tag später starteten offenbar zwei Autos mit Kennzeichen aus München und Berchtesgaden vom „Braunen Haus“ aus in Richtung Aachen. Als Fahrerin fungierte das zuletzt aus Brandenburg (ehemals München, Augsburg, Erding, Gauting und Dortmund) wieder zugezogene BIA- Vorstandsmitglied Vanessa Becker. Sie war an der Aktion beteiligt, festgenommen wurde sie allerdings nicht. Mit an Bord: Der ehemalige Aktivist der verbotenen „Kameradschaft Aachener Land“ Daniel T., ebenfalls Bewohner der WG. Auf dem Programm des „Kulturausfluges“, wie es das FNS wahrscheinlich bald wieder rückblickend nennen wird, stand natürlich jede Menge Action. Zunächst tauchten die FNS- Aktivisten in der Fankurve der Alemannia auf, beim Viertligaspiel gegen Rot-Weiß Oberhausen, posierten dort biertrinkend mit bekannten rechtsextremen Fans. Offenbar direkt nach dem Spiel machte sich eine Gruppe von ca. 15 Personen, deren Wohnsitze überwiegend in Bayern (München/Freilassing) und Österreich liegen, auf den Weg zu einer von der Linksjugend ausgerichteten Demonstration, um diese dann anzugreifen. Die erlebnisorientierten Gäste feierten den Angriff inzwischen auf Facebook mit Kommentaren wie „geil war’s!“

Wie aus Ermittlerkreisen zu hören ist, befanden sich ausschließlich Personen, die nicht aus Aachen stammen unter den Angreifern. Unter den Festgenommenen befand sich Daniel T. sowie weitere Personen aus Bayern, lediglich eine junge Frau aus Solingen kam überhaupt aus der Region.

Aus dem Aufruf zur angegriffenen Demonstration ist zu entnehmen, dass es um nicht mehr ging, als um die Durchsetzung der Menschenrechte, sowie gegen die „Ausbeutung des globalen Südens“, der eine der Hauptursachen für Flucht und Armut dort stelle. Ein Thema, dass den sich sonst gerne pseudo-antikapitalistisch gebenden „inländerfreundlichen“ Aktivisten offensichtlich überhaupt nicht gefällt.

Szeneintern wird die Besatzung des „Braunen Hauses“ schon länger kritisiert. Vermeintlich gefestigtere Aktivisten werfen den Bewohnern „Partytourismus“ vor, sowie „blinde Krawallsucht“. Bei „kulturellen Anlässen“, wie einer Sonnwendfeier im Juni soll der Alkohol in Strömen geflossen sein, außerdem sei es zu Auseinandersetzungen zwischen den Teilnehmern gekommen. Ob dies alles so stimmt, sei mal dahingestellt. In kaum einem Zusammenhang dürften so viele interne Intrigen herrschen, wie in der Neonaziszene. Nach der Entlassung aus dem Polizeigewahrsam stand natürlich erstmal eine weitere Nazifeier in Aachen auf dem Programm. Die immer wiederkehrenden Exzesse von Bewohnern und Besuchern des „braunen Hauses“ sind immer mehr „echten“ Obermenzingern ein Dorn im Auge. OB Christian Ude hat die Eigentümerin der Immobilie nicht nur deshalb kürzlich erneut dazu aufgerufen, endlich zu handeln.

Der Randale-Ausflug nach Aachen wird ein Nachspiel haben: Gegen alle Beteiligten ermittelt die Polizei wegen Landfriedensbruch, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung. Ein Polizeibeamter wurde durch die Angreifer verletzt. Dass es keine weiteren Verletzten, besonders unter den friedlichen Demonstranten gegeben habe sei laut Polizei nur dem schnellen Einschreiten selbiger zu verdanken. Solche Zustände will man in Obermenzing nicht. Auch in München haben die WG-Bewohner jedoch schon Flüchtlinge auf einer Demonstration im September angegriffen. Anders als in Aachen erwähnte die Polizei dies jedoch nur in einer Randnotiz. Statt von einem Angriff sprach man hier von einem„plötzlichem Auftauchen“ vierer Personen aus dem „rechten Spektrum“, das „für Unruhe“ gesorgt hat.