Inhaberwechsel bei braunem Versand

Oberprex 47, Foto: Endstation Rechts.Bayern

Die beiden „Freies-Netz-Süd“-Führungskader Matthias Fischer und Tony Gentsch haben den Neonazi-Online-Shop „Final Resistance“ übernommen und betreiben ihn als Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR) von ihrer Immobilie in Oberprex in Oberfranken aus.

Mit freundlicher Genehmigung von »blick nach rechts« übernommen

Stabwechsel beim „Final-Resistance-Versand“: Ende November haben die beiden Neonazi-Kader Matthias Fischer und Tony Gentsch den rechtsextremen Online-Shop von seinem Gründer und bisherigen Inhaber Daniel Weigl übernommen. Seit dem 27. November betreiben die führenden Aktivisten des „Freien Netzes Süd“ (FNS) die Geschäfte des Online-Shops offiziell in einer eigens gegründeten „Matthias Fischer & Tony Gentsch GbR“. Eingetragen ist der Shop unter den Motto „Ture NS Streetware“ seither beim Finanzamt Hof an der Saale. Von seinem ehemaligen Sitz in Wackersdorf wurde der Online-Handel zwischenzeitlich nach Oberprex verlegt, wo das FNS seit drei Jahren über die Immobilie „Oberprex 47“ verfügt.

Der „Final-Resistance-Versand“ war im August 2010 von Daniel Weigl aus Wackersdorf gegründet worden. Weigl gilt als Kopf der Kameradschaft „Widerstand Schwandorf“ und als einer der führenden Kader des „Freien Netzes Süd“. Weiterhin ist er Vorsitzender der im Mai 2012 gegründeten FNS-Tarnorganisation „Bürgerinitiative Soziale Alternative Oberpfalz“. Weigl ist zudem mehrfach verurteilt, unter anderem wegen Bedrohung und Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Im Sortiment des Online-Shops „Final-Resistance-Versand“ finden sich neben Flyern und Flugblättern des FNS auch T-Shirts mit gewalt- („Fight Club – 100 % Violence“) und NS-verherrlichenden Motiven („I love NS“) sowie einschlägige CDs von Rechtsrock-Bands wie „Stahlgewitter“ oder „Lunikoff & der Baron“.

Versand bleibt in den Händen des FNS

In der bayerischen Neonazi-Szene verfügt der „Final-Resistance-Versand“ über eine gewisse Bekanntheit. Die Seite des Versands ist auf der Homepage des FNS ebenso verlinkt wie auch auf etlichen anderen lokalen oder überregionalen bayerischen Neonazi-Websites. Bis vor kurzem hat Weigl außerdem regelmäßig bei Szene-Veranstaltungen für den Handel geworben, zuletzt am 6. Juli dieses Jahres beim „Rock für Deutschland“ (RfD) in Gera.

Trotz des Inhaber-Wechsels bleibt der „Final-Resistance-Versand“ aber weiter fest in den Händen des FNS. Die neuen Gesellschafter gelten beide als führende Köpfe des Neonazi-Netzwerks und genießen in der Szene ein hohes Ansehen. Matthias Fischer war zunächst bis zu deren Verbot 2004 in der „Fränkischen Aktionsfront“ (FAF) aktiv, später vorübergehend Vorsitzender der Jungen Nationaldemokraten in Bayern. Mit der Gründung des „Freien Netzes Süd“ im Jahre 2009 wurde er schließlich einer dessen Führungskader. Der in Fürth wohnhafte Fischer ist unter anderem wegen Volksverhetzung verurteilt und war deswegen auch bereits in Haft. Über seinem Ohr hat der bundesweit aktive Neonazi den Schriftzug „Aryan Hope“ tätowiert.

Ebenso wie Fischer gilt Tony Gentsch als einer der Mitbegründer des FNS, bis zu seiner Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und einem Monat wegen Beleidigung und Körperverletzung war er überdies Anführer der „Freien Nationalisten Hof“. Seit seiner Entlassung im Mai 2013 ist Gentsch wieder in der Szene aktiv, derzeit lebt er in Oberprex.

Regelmäßig Neonazi-Events in Oberprex 47

Mit dem Umzug des „Final-Resistance-Versand“ von Wackersdorf in die Immobilie Oberprex 47 stärkt das FNS die Stellung des selbst ernannten „Nationalen Zentrums Hochfranken“. Seit die Mutter von Tony Gentsch den ehemaligen Gasthof „Egerländer“ im Regnitzlosauer Ortsteil Oberprex im oberfränkischen Landkreis Hof im Jahre 2010 erworben hat, wird das Haus immer wieder für Szene-Veranstaltungen
genutzt. Das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz bezeichnet den Kauf durch Gentsch’ Mutter deshalb als Taktik, um die „Nutzung als rechtsextremistischen Szenebrennpunkt zu verschleiern“. Regelmäßig finden in Oberprex 47 Kameradschaftsschulungen, braune Feiern oder größere Events wie beispielsweise der „Dritte Tag der Freundschaft“ mit deutschen und tschechischen Neonazis statt.

Inzwischen hat sich Oberprex 47 – trotz seiner Abgelegenheit – zu einem der wichtigsten Treffpunkte und Rückzugsräume für das „Freie Netz Süd“ entwickelt. Denn in Oberprex kann sich die Szene immer wieder treffen, Aktionen koordinieren und Veranstaltungen abhalten, ohne dabei maßgeblich von Behörden oder Zivilgesellschaft gestört zu werden. Der Umzug des „Final-Resistance-Versand“ nach Oberprex ist folglich ein weiterer Schritt zur Verankerung der Immobilie Oberprex 47 in der bayerischen Neonazi-Szene.