Empfindliche Haftstrafen für zwei Neonazis nach Angriff auf dunkelhäutigen Helfer

§ 224 StGB Gefährliche Körperverletzung
§ 224 StGB Gefährliche Körperverletzung

Durch das Amtsgericht Passau wurde am Montag ein rassistischer Vorfall vom März 2013 zumindest strafrechtlich abgeschlossen. Zwei Neonazis hatten in Hauzenberg (Lkr. Passau) einen dunkelhäutigen Fußballspieler beleidigt und attackiert, der ihnen zuvor bei einer Autopanne geholfen hatte.

Der Vorfall hatte im März für einiges an Aufsehen gesorgt. Ein damals 31-jähriger Kongolese, Fußballer beim lokalen Sportverein „FC Sturm“ im niederbayerischen Hauzenberg, half einer Gruppe aus zwei Männern und einer Frau, deren Fahrzeug im Bereich des Busbahnhofes gestreikt hatte. „Zum Dank“ wurde er von den beiden Männern beleidigt und ihm wurde der Hitlergruß gezeigt. Als er sich entfernen wollte, um die Polizei zu verständigen, wurde ihm von hinten eine leere Flasche an den Kopf geworfen, so dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Er trug zum Glück nur leichte Verletzungen davon. Beide Täter waren zum Zeitpunkt erheblich alkoholisiert.

Bereits im September musste sich der 24-jährige Haupttäter vor Gericht verantworten. Er zeigte sich reumütig, endschuldigte sich, wie das Passauer Lokalmagazin Bürgerblick vermeldete, bei seinem Opfer und sei auch bereit, ein Schmerzensgeld zu zahlen. Sein Vorstrafenregister und die besondere Verwerflichkeit der Tat brachten ihm dennoch eine Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ein. Nach Medienberichten handelte es sich bereits um die zweite längere Haftstrafe.

Der 26-jährige Mittäter, dessen Verhandlung am vergangenen Montag stattfand, zeigte sich laut einem Bericht des Bayerischen Rundfunks weniger einsichtig. Nur scheibchenweise hätte der großgewachsene Mann mit blondem Kurzhaarschnitt die Vorwürfe eingeräumt. Vor den belastenden Zeugenaussagen hatte er geschwiegen. Auch er war wie sein Mittäter schon mehrfach polizeilich aufgefallen, auch mit einschlägig rechtsextremen Straftaten und Gewaltdelikten. Die Staatsanwaltschaft hatte 33 Monate Haft beantragt. Seine Strafe beläuft sich auf zwei Jahre Gefängnis ohne Bewährung. Das Urteil gegen ihn ist im Gegensatz zur Entscheidung vom September noch nicht rechtskräftig. Beide Täter befinden sich in Therapie.

Nach der Attacke bemühte man sich von Seiten der Behörden, den Vorfall herunterzuspielen. Der Staatsschutz sah damals laut Passauer Neuen Presse „keinen örtlichen Schwerpunkt im rechtsextremistischen Bereich im Gemeindegebiet Hauzenberg“. Die Szene soll sich sogar nur auf die beiden stadtbekannten Täter beschränkt haben. Zwei Wochen nach dem Vorfall unterband die Polizei die Verteilung von Flugblättern, die die Mitgliedschaft eines örtlichen Geschäftsmannes in der NPD offenlegten. Dieser sah das gegenüber der PNP gelassen und bezeichnete seine politische Einstellung als bei Kunden bekannt und akzeptiert.