Udo Voigts Lesereise lockte 50 Teilnehmer ins Augsburger Grafstüberl

Teilnehmer verlässt mit Voigt-Buch die Veranstaltung

Die frühere NPD-Vorsitzende Udo Voigt machte am 6.Januar 2014 im Rahmen seiner Lesereise in Augsburg Station. Zurzeit stellt er, der nach dem Rücktritt Holger Apfels wieder als Vorsitzender im Gespräch ist, sein Buch „Der deutschen Zwietracht mitten ins Herz“ vor. Etwa 50 Teilnehmer füllten das Grafstüberl am Augsburger Bahnhof Oberhausen. Für den 8. Januar ist eine Veranstaltung in München angekündigt.

Als besorgte Bürgerinnen und Bürger nachmittags gegen 15 Uhr die Gaststätte betraten, fanden sie einen gefüllten Gastraum vor. Die Augsburger Station von Udo Voigts Lesereise hatte gegen 13 Uhr begonnen. Voigt selber war gegen Mittag am „Grafstüberl“ eingetroffen. Die Vorstellung seines Buches „Der deutschen Zwietracht mitten ins Herz“ lockte vor allem junge rechtsextreme Skinheads an und ältere Sympathisanten, womöglich noch aus der „Erlebnisgeneration“. Neben der Werbetrommel für sein 400 Seiten starkes Werk nutzte der einstige NPD-Chef die Gelegenheit auch, um seine angekündigte Spitzenkandidatur für die Europawahlen voranzutreiben.

Dazu gesellten sich einige bürgerlich gekleidete Rechtsextremisten. Anwesend waren unter anderem der frühere DVU-Landesvize Walter Baur, der „Freies Netz Süd“-Aktivist Roland Wuttke sowie Manfred Waldukat (Vorsitzender NPD Augsburg) und Martin Bissinger, ebenfalls Aktivist im neonazistischen Kameradschaftsnetzwerk „Freies Netz Süd“. Waldukat und Bissinger wollen bei der Kommunalwahl für die neugründete Bürgerinitiative «Ausländerstopp Augsburg» in den Stadtrat der Fuggerstadt. Voigt warb laut seiner Facebookseite um Unterschriftensammler.

Der Freisinger NPD-Chef Björn-Christopher Balbin war mit einer fünfköpfigen Gruppe aus Richtung München angereist, im typischen Skinheadlook statt in Feiertagskleidung. Die restlichen Teilnehmer kamen – so sie nicht aus Augsburg waren – aus den angrenzenden Landkreisen, aus dem Raum Ingolstadt und aus Mittelfranken. Mindestens ein Teilnehmer bekannte sich zur Memminger Skinhead-Kameradschaft „Voice of Anger“, laut Verfassungsschutz die größte noch aktive rechtsextreme Skinheadgruppierung mit etwa 80 Angehörigen.

Die Versammlung verlief für die NPD-Anhänger bis auf den kurzen Besuch besorgter Bürger und Protesten gegen Ende störungsfrei. Die Polizei zeigte über die meiste Zeit keinerlei Präsenz und war erst gegen Ende in größerer Zahl vor Ort. Offenbar wurden sie von den Wirtsleuten oder Teilnehmern der Voigt-Veranstaltung selbst gerufen. Einzelne Bürger erhielten nach eigenen Angaben Platzverweise für den Eingangsbereich des Lokals. Nach etwa einer halben Stunde verließ der letzte Streifenwagen den Ort des Geschehens, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht alle Gäste das Wirtshaus verlassen hatten.

Das „Grafstüberl“ steht schwäbischen und bayerischen Neonazis immer wieder für Veranstaltungen offen. Im Juni vergangenen Jahres konnte die NPD Bayern dort einen kurzfristig nach Schwaben verlegten Landesparteitag abhalten, nachdem der ursprüngliche Veranstaltungsort in Oberfranken am Widerstand der Behörden und lokalen Bevölkerung gescheitert war.

Die Organisation in Augsburg verlief deshalb weit weniger konspirativ als die Station im Raum Passau am 4. Januar. Das Treffen dort wurde als „Grenzlandtreffen“ beworben. Passau war nur als „Anlaufpunkt“ genannt. Interessenten sollten eine Mobilfunknummer hinterlassen, an einer Schleuse würden sie eine Wegbeschreibung zum Veranstaltungsort erhalten. Das ganze geschehe auch zum Schutz der Wirtsleute, wie man in der Ankündigung schrieb.

Nach Informationen der Passauer Online-Plattform „Bürgerblick“ ging das Treffen mit etwa 60 Teilnehmern in einem Gasthaus nahe dem
Grenzübergang auf österreichischem Boden über die Bühne. Der Wirt wurde laut „Bürgerblick“ bei der Vermietung getäuscht. Man sprach ihm gegenüber von einer reinen „Produktvorstellung“ mit „kulturellen und musikalischen Beiträgen“. Der Name Udo Voigt, der die Buchung per E-Mail bestätigte, „habe ihm nichts gesagt“. Durch den Veranstaltungsort in Österreich entfiel dann allerdings die musikalische Begleitung durch Frank Rennicke. Auf der Website der „Freundeskreise Udo Voigt“ heißt es, dass der Neonazi-Barde bereits seit 15 Jahren ein Einreiseverbot in das Nachbarland hätte. Bei Nichtbeachtung würde ihm eine Gefängnisstrafe von bis zu einem Jahr drohen.

Für den 8. Januar wird mit München eine weitere Station auf der braunen Lesereise beworben.