Nazi-Propaganda vom Straßenbahnfahrer

Screenshot Internetseite der BIA Nürnberg
Screenshot Internetseite der BIA Nürnberg

Der Nürnberger „Bürgerinitiative-Ausländerstopp“-Stadtratskandidat Fridrich Luft soll seinen Beruf als Straßenbahnfahrer für die Verbreitung rechter Propaganda missbraucht haben.

Fridrich Luft, Stadtratskandidat auf Listenplatz zwei der NPD-Tarnliste „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ (BIA) Nürnberg, soll bereits im August 2012 seine berufliche Position als Straßenbahnfahrer bei der VAG zur Verbreitung rechter Propaganda ausgenutzt haben. Das „Nürnberger Bündnis Nazistopp“ weist in einer Pressemitteilung auf einen Vorfall hin, der sich vor zwei Jahren zwischen den Stationen Worzeldorfer Straße und Aufseßplatz abgespielt hat.

Wenn der Straßenbahnfahrer die NPD anpreist

Damals hat Luft in der Straßenbahn Georg Neubauer von der Nürnberger „Vereinigung der verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten“ (VVN-BdA) mit der Frage konfrontiert, ob er „auch ein Alternativer“ wäre. Der unmittelbar neben der Fahrerkabine sitzende Neubauer bejahte diese Frage, woraufhin Luft sich als „Nationaldemokrat“ und NPD-Mitglied zu erkennen gab. Seine Partei wolle, so der jetzige BIA-Kandidat, „Änderungen zum Wohle des deutschen Volkes“ erzielen und „nicht die jetzige EU und dieses ‚Multikulti-Zeug’“ haben.

Nachdem sich das VVN-Mitglied deutlich von neonazistischem Gedankengut distanzierte und auf sein Engagement für ein NPD-Verbot verwies, wollte Luft diesen zunächst belehren. Später warf er seinem Fahrgast vor, keine andere Meinungen zuzulassen und kein Demokrat zu sein. Der wiederholten Bitte Neubauers, ihn mit Propaganda zu verschonen, kam Luft nicht nach. Auch die Aufforderung nach der Nennung des Namens beschied der NPD-Mann negativ.

Erst als Neubauer eine Beschwerde bei der VAG ankündigte und sein Unverständnis über die offensive Verbreitung von Nazi-Propaganda während der Fahrzeit äußerte, reagierte Luft und verschwand telefonierend in seiner Kabine. Nach einiger Zeit kehrte er zurück und kündigte an, das VVN-Mitglied per Video aufgezeichnet und die Polizei gerufen zu haben. Weil er Luft angeblich als Verbrecher bezeichnet hätte, habe dieser sich „persönlich bedroht gefühlt“ und Strafanzeige gestellt. Deshalb habe er Neubauer aufgefordert, bis zum Eintreffen der Polizei sitzen zu bleiben, berichtet das VVN-Mitglied in einer eidesstaatlichen Versicherung. An seiner gewünschten Haltestelle konnte er dann jedoch völlig unbehelligt aussteigen.

Nazi als Straßenbahnfahrer „schwer zu ertragen“

Neubauer beschwerte sich nach dem Vorfall schriftlich bei der VAG über den Fahrer. Diese habe daraufhin die Personalabteilung informiert und eine „Unterredung mit dem bewussten Mitarbeiter“ folgen lassen, heißt es in einer uns vorliegenden Antwort der Verkehrsbetriebe. Dabei seien dem Mitarbeiter „seine Grenzen sehr nachdrücklich aufgezeigt“ worden. Zukünftig dürfe es, betont die VAG, „zu keiner vergleichbaren Situation mehr kommen“.

Zwei Jahre später konnte der Fahrer im Zuge des Wahlkampfs auf Plakaten der BIA-Nürnberg als Fridrich Luft identifiziert werden. Trotzdem ist Luft nach Informationen des „Nürnberger Bündnis Nazistopp“ allerdings weiterhin „aktiv im Fahrdienst“ beschäftigt. Die VVN-BdA Nürnberg und das Bündnis bewerten dies als problematisch. „Es kann nicht angehen, dass ausgerechnet in Nürnberg mit seiner belasteten NS-Vergangenheit Beschäftigte der städtischen Verkehrsbetriebe ihre Position für extrem rechte Propaganda missbrauchen“, sagt Bündnis-Sprecher Max Gnugesser-Mair.

Christel Hausladen-Sambale, Vorstandsmitglied der VVN-BdA in Nürnberg, verweist in der gemeinsamen Presseerklärung zudem auf eventuell weitere Fälle: „Wissen wir, wie oft zuvor und danach Fridrich Luft in ähnlicher Weise agitiert hat und Fahrgäste dies ohne zu protestieren hingenommen haben? Dieser Vorfall ist uns ja nur zufällig bekannt geworden“.

„Die Vorstellung, dass in unseren Straßenbahnen ausländische Gäste oder Menschen mit Migrationshintergrund von einem aktiven Nazi
gefahren und möglicherweise belästigt werden, ist schwer zu ertragen“. Fortan müssten Fahrgäste, so VVN-BdA und „Nürnberger Bündnis Nazistopp“, „absolut sicher sein können, nicht mehr von diesem BIA-Funktionär indoktrinierte zu werden“.