Neonazis kündigen nächste Demonstration in Wunsiedel an

Neonazis vor Protestschildern der Bevölkerung
Neonazis vor Protestschildern der Bevölkerung

Die neonazistische Kleinstpartei Der Dritte Weg hat heute den Termin für die nächste Demonstration im oberfränkischen Wunsiedel veröffentlicht. Am Samstag, den 15. November, wollen sie wieder durch die Stadt im Fichtelgebirge ziehen. Die Partei setzt damit die Serie von November-Kundgebungen des Freien Netz Süd nahtlos fort.

Wunsiedel wird die Neonazis nicht los und das dürfte auch der Grund sein, warum es die Szene im November immer wieder in Fichtelgebirge zieht. Es soll wohl eine Art Bestrafung sein, dass man sich für ein Verbot der Heß-Gedenkmärsche stark gemacht und das Grab des Kriegsverbrechers einige Jahre vor dem offiziellen Termin in Absprache mit den Hinterbliebenen aufgelöst hat.

Anlass für die Demonstration ist ein angebliches Helden- und Totengedenken. Die im Ankündigungstext genannten Gruppen, Soldaten und Zivilisten spielten in den letzten Jahren aber nur eine Nebenrolle im Ablauf der Veranstaltung. Inhaltlich im Vordergrund standen in den letzten Jahren immer wieder Kriegsverbrecher und Neonazis. Auch wurden in den Reden diverse Holocaustleugner als Vorbilder und „mutige Männer“ genannt.

Priebke, der Stellvertreter für den Stellvertreter

2013 drehte sich fast die ganze Veranstaltung um den kurz vorher verstorbenen Kriegsverbrecher Erich Priebke. Die ehemalige Vorsitzende des Rings Nationaler Frauen (RNF), Edda Schmidt, verklärte die Vita des Angehörigen der SS in einer rührig gehaltenen Rede. Die bayerischen Neonazis, die an dem Tag zum ersten Mal auch mit Banner der neuen Partei Der Dritte Weg in Wunsiedel aufmarschiert waren, widmeten ihm ein eigenes Banner. Das Leben des in Hennigsdorf geborenen Priebkes bot der Szene zudem einige Anknüpfungspunkte an das Rudolf-Heß-Gedenken, handelte es sich bei beiden doch um Überzeugungstäter, die bis ins hohe Alter keinerlei Reue für ihre Taten gezeigt hatten. Beide blieben bis zu ihrem Tod in Haft und konnten so als Opfer einer „Siegerjustiz“ präsentiert werden, auch wenn Priebke einen großen Teil seines Lebens in Freiheit verbracht und der Hausarrest nicht mit einem Freiheitsentzug in einem Gefängnis vergleichbar war.

Schon das Freie Netz Süd war regelmäßig in Wunsiedel aufmarschiert, um dem Ort keine Ruhe zu gönnen. Ein Vorteil für die Szene ist zudem, dass eine Kundgebung im Herbst juristisch durchentschieden ist. Den Ordnungsbehörden wurden seitens der Gerichte aufgetragen, mittels Auflagen ein erneutes Heß-Gedenken zu unterbinden, für ein Verbot der Demonstration reichte es bisher nie. Oftmals machten sich die Veranstalter der Demonstration um Matthias Fischer und Thomas Wulff in ihren Reden lustig über die Beschränkungen, kündigten aber weitere Initiativen des Anwalts Wolfram Nahrath an, auch diese Einschränkungen loswerden zu wollen, um offener früheren NS-Größen und Verbrechern huldigen zu können.

Kreativer aber stummer Protest der Wunsiedler

Die Wunsiedler Bevölkerung hatte auf die Aufmärsche immer wieder mit buntem Protest reagiert. Am Versammlungsort der letzten Jahre, einem Baumarkt am Rand der Stadt, wurde regelmäßig ein Banner der Aussteigerhilfe Bayern und der Organisation EXIT angebracht, das für einen Ausstieg aus der Szene warb. Die Grundschule gegenüber, eine Schule mit der Auszeichnung „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, war ebenfalls bunt geschmückt und mit Botschaften für die Rechtsextremisten versehen. Auch säumten Schilder und Botschaften den gesamten Demonstrationsweg. 2013 war zudem der Ort der Zwischenkundgebung von bunten Bannern eingerahmt.

Neonazis in Wunsiedel vor bunten Kinderbildern

Allerdings konnten sich die Organisatoren der Gegenveranstaltungen nie zu einem lauten Protest in Sicht- und Hörweite entschließen. Den Neonazis war es somit möglich, die rituell aufgeladene Veranstaltung und die Verklärung „ihrer Helden“ ohne vernehmbaren Widerspruch durchzuführen. Auch in diesem Jahr soll es laut Ankündigung wieder darum gehen, „den selbstlosen Opfermut unserer Ahnen in die Kampfzeit von heute zu retten“.

Wunsiedel 2013 Exit

An den Demonstrationen nahmen in den letzten Jahren mehrere Hundert Anhänger der Szene teil. Auch aus dem europäischen Ausland waren Sympathisanten angereist. Die Szene bewertete die Veranstaltungen als Erfolg, auch wenn bisher noch keine Zusammenkunft an die Größe der früheren Heß-Gedenkmärsche anknüpfen konnte.