NPD-Landesvize Roßmüller in Untersuchungshaft

Sascha Roßmüller beim Sommerfest der NPD. Gibt der Ballon die Richtung vor?

Eigentlich will er in ein paar Wochen wieder stellvertretender Vorsitzender der NPD im Bund werden. Nach einer Razzia der Polizei, die sich gegen das Rockermilieu richtete, sitzt Sascha Roßmüller nun in Untersuchungshaft. Es geht um einen Vorfall , der ihn auch schon seine Bewachungserlaubnis gekostet hatte.

Das könnte nun eng werden, sowohl für Roßmüller als auch für Frank Franz. Der Saarländer will in ein paar Wochen auf dem nächsten Bundesparteitag der NPD Vorsitzender werden, so denn die rechtsextreme Partei einen Ort für die Versammlung findet. Eng für Franz, weil Roßmüller sein erklärter Wunschkandidat für einen der Stellvertreterposten ist, eng für Roßmüller, denn aus der Untersuchungshaft wird man ihn vielleicht in Abwesenheit kandidieren lassen, aber auch wählen?
Am Mittwoch war die Polizei in Niederbayern, in Nordrhein-Westfalen sowie in Österreich gegen das organisierte Rockermilieu vorgegangen und hatte mehrere Objekte durchsucht. 20 Objekte waren es laut Pressemitteilung der Polizei in den Landkreisen Passau, Freyung-Grafenau, Deggendorf und Regen. Gefunden wurden illegale Waffen, Munition, verbotene Gegenstände sowie Betäubungsmittel und eine größere Menge Arzneimittel. Die Amtsgericht Passau und Regensburg stellten im Vorfeld sechs Haftbefehle aus, die im Rahmen der Aktion vollzogen wurden. Drei Beschuldigte sollen aus den Reihen des Rockerclubs Bandidos stammen und Roßmüller ist einer von ihnen.

Beteiligung an Auseinandersetzung mit zwei Schwerverletzen

Laut Mittelbayerischer Zeitung sitzt der Vize der bayerischen NPD und Secretary des Regensburger Ablegers der Motorradclubs mit dem Mexikaner auf den Kutten nun in Untersuchungshaft. Die Zeitung beruft sich auf die Regensburger Staatsanwaltschaft. Es geht dabei immer noch um die ungeklärte Auseinandersetzung der Bandidos mit Mitgliedern des rivalisierenden Clubs Gremium MC Straubing, die im Dezember 2010 in Straubing zu zwei Schwerverletzten führte. Ein Messer wies Spuren von Roßmüller auf. Er versuchte es damit zu erklären, dass in der Szene derlei Gegenstände gerne herumgereicht würden [sic!]. Ein Ermittlungsverfahren gegen ihn wurde eingestellt. Die Behörden beklagten eine Mauer des Schweigens der Beteiligten und Zeugen.

Der Vorfall war dagegen Gegenstand einer Verhandlung vor dem Regensburger Verwaltungsgericht. Das Landratsamt Straubing-Bogen wollte Roßmüller die Erlaubnis entziehen, den auf ihn und einen Partner laufenden Sicherheitsdienst fortzuführen. Man sah ihn als führendes Mitglieder einer Outlaw Motorcylce Gang (OMCG) nicht als zuverlässig genug an, ein solch sensibles Gewerbe zu betreiben, wenn Auseinandersetzungen unter Rockern möglich bleiben. Die Instanzen bestätigten die Haltung der Behörden. Die fehlende Zusammenarbeit mit der Polizei zeuge zudem nicht davon, dass Roßmüller das staatliche Gewaltmonopol respektiere.

Rocker vielen Rassisten zu undeutsch

Der Vorfall wird nun aller Wahrscheinlichkeit nach doch noch strafrechtlich aufgerollt. Das dürfte Wasser auf die Mühlen des radikalen Parteiflügels der NPD sein, die sowohl mit den Kandidaturen von Franz als auch von Roßmüller nicht gerade glücklich sind. Beiden gelten als Anhänger der „seriösen Radikalität“, für die sich viele Basismitglieder schon kaum begeistern konnten. Eine mögliche Verurteilung ist
in einer Partei wie der NPD mit eine Reihe vorbestrafter Führungsfiguren kein Rücktrittsgrund. Schwerer dürfte wiegen, dass die Festnahme im Zusammenhang mit Roßmüllers Aktivitäten für die Bandidos steht. Vielen Rechtsextremisten ist die Gruppierung mit einem Mexikaner auf der Kutte schlicht nicht «deutsch» genug, nimmt sie zudem auch Ausländer und «Pass-Deutsche» auf. Den Bandidos und anderen Clubs werden immer wieder Verbindungen zur organisierten Kriminalität, zum Drogenhandel und Rotlichtmilieu nachgesagt. Das konterkariert die Bemühungen, sich als Law-and-Order-Bewegung hinzustellen, wenn ausgerechnet jemand aus dem engeren Parteivorstand dort aktiv ist.

Roßmüller hatte auf einem Sommerfest der NPD Coburg Anfang September seine Kandidatur zum Vize-Chef verkündet und sich in letzter Zeit auf der Homepage der NPD Bayern verstärkt zu diversen Themen zu Wort gemeldet. Eine Facebook-Seite „Wir für Rossi“ dokumentierte seine Aktivitäten und warb für seine Wahl. Man findet sie mit einem letzten Eintrag vom 10. Oktober mittlerweile nur noch im Speicher von Google. Sie wurde entweder gelöscht oder deaktiviert.