Facebook sperrt offenbar Karl Richter für 30 Tage

Karl Richter

Das soziale Netzwerk Facebook legt Münchens umtriebigen Neonazi und Stadtrat Karl Richter wohl Zügel an. Laut einem Beitrag, den unter anderem seine enge Vertraute Sigrid Schüßler teilt, sollen er sowie alle Administratoren der Seite der Bürgerinitiative Ausländerstopp München für 30 Tage gesperrt worden sein. Trotz Räumung des Protestcamps Münchner Flüchtlinge am Sendlinger Tor wird weiter zur Kundgebung am Freitag aufgerufen.

„Die Asylbewerber sind ja nicht weg aus München und Deutschland, sie sind immer noch da“, begründet Sigrid Schüßler, ehemalige Vorsitzende der NPD-Frauenorganisation, auf Facebook das Festhalten an einer Kundgebung am Freitag am Sendlinger Tor in München auf Nachfrage eines Sympathisanten. Eigentlich fordert das Veranstaltungsmotto nur ein Ende des Hungerstreiks.

Flüchtlinge hatten dort ein Protestcamp errichtet und hatten nach einigen Tagen ohne feste Nahrung auch die Aufnahme von Flüssigkeiten verweigert. Einige mussten in Krankenhäuser eingeliefert werden. Die Polizei räumte in der Nacht in dramatischen Szenen das Lager, einige Flüchtlinge widersetzten sich und kletterten auf Bäume. Das Kreisvewaltungsreferat begründet die Aktion mit der Sorge um Leib und Leben der Protestierenden.

«Abschaum, Molotow-Cocktail[s], Dreckspack, Ratten im Hühnerstall»

Über diese Aktion der Polizei wird derzeit intensiv auf vielen Seiten diskutiert, nur von einer Seite bleibt es verdächtig stumm. Weder Karl Richter noch die Bürgerinitiative Ausländerstopp München haben das bisher kommentiert. Richter, als Stadtrat in München und Mitarbeiter des Europaabgeordneten Udo Voigt (NPD) doppelter Empfänger staatlicher Leistungen, ist Anmelder einer Kundgebung gegen das nun geräumte Camp.

Die Kommunikation rund um die Veranstaltung muss aktuell aber Sigrid Schüßler für ihn übernehmen, denn Karl Richter und die BIA wurden wohl für ganze 30 Tage von Facebook auf stumm geschaltet. So zumindest verbreiten es Schüßler, rechtsextreme Blogs und eine gegen 2 Uhr nachts eingerichtete Ersatzseite der BIA.

Über die Gründe schweigt sich Facebook wie immer aus. Die Rechtsextremisten selber suchen die Gründe natürlich ausschließlich im politischen Bereich. Das soziale Netzwerk ist grundsätzlich allerdings äußerst zurückhaltend, was beanstandete Inhalte angeht.

Schon lange träumt Karl Richter von ähnlichen Aufmärschen wie in Dresden, Hannover oder Köln mit mehreren tausend „Wutbürgern“. Die Nachricht von Schüßler enthält auch den Hinweis, die Veranstaltung habe „nichts mit der NPD zu tun“, weil Richter seit dem letzten NPD-Parteitag von allen Ämtern in der Partei „zurückgetreten“ sei. Sie sei deshalb angeblich „überparteilich und bürgerinitiativ“.

BIA Traum Rathaus
Beitrag der BIA von Mitte Oktober. Text: «Ich habe einen Traum: Tausend Wutbürger vor dem Münchner Rathaus!». Das verwendete Bild zeigte allerdings Mautgegner. Die Rechte lagen bei der dpa. Der Beitrag wurde inzwischen gelöscht.

Wes Geistes Kind die Anhänger sind, zeigen erneut so manche Einträge unter den Meldungen der BIA zum Hungerstreik.

Kommentare BIA-Post

Die Initiative „München ist bunt“ ruft für Freitag zu Gegenprotesten auf. Treffpunkt ist auch hier das Sendlinger Tor um 16.30 Uhr.

Ergänzung 12.07 Uhr: Laut Sigrid
Schüßler wurde die Kundgebung der BIA doch abgesagt.