Pegida / Bagida15.000 Pegida-Gegner verbanden Gotteshäuser mit Friedenskette

Auftakt mit Oberbürgermeister Dieter Reiter und Vertretern der Religionen

Mit einer eindrucksvollen Lichterkette setzten am Montag viele Einwohner der bayerischen Landeshauptstadt ein Zeichen für Frieden und Versöhnung und somit auch gegen den von Pegida ausgehenden Hass. Die Aktion verband fünf Gotteshäuser in der Innenstadt. Zu dem kurzen Spaziergang von Bagida kamen erneut deutliche weniger Teilnehmer, aber auch wieder bekannte Neonazis.

Der Auftakt zur Friedenskette begann gegen 18.30 Uhr am Marienplatz mit einer Kerzenzeremonie. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) entzündeten etwa hundert Teilnehmer die ersten Lichter. Ab 19.00 formierte sich die Lichterkette. Sie verband die Salvatorkirche, St. Michael in der Neuhäuserstraße und das Forum für Islam im in der Hottererstraße und führte über die Synagoge Ohel Jakob zur Kirche Sankt Matthäus. Mit laut Polizei 15.000 Teilnehmern kamen deutlich mehr als die vom Veranstalter zunächst erwarteten 2.000. Ohne Störungen löste sich die Versammlung kurz vor 20 Uhr auf.

Die Aktion sollte laut Veranstaltern ein Zeichen der Versöhnung und des Friedens setzen, angesichts von im Namen der Religion verübten Gräueltaten. Besonders für Muslime sei es ein wichtiges Zeichen des Zusammenhalts, betonte der Imam der Penzberger Gemeinde, Benjamin Idriz, laut Süddeutscher Zeitung. Idriz war erst vor wenigen Tagen zur Zielscheibe der Neonazis vom Dritten Weg geworden. Und auch auf der Seite von Bagida wurde über seine PLäne für ein neues Gotteshaus in München diskutiert. Mit wieder eindeutigen Botschaften von Seiten der Islamhasser.

Diskussion auf Bagida über das geplante Münchner Forum Islam

Banner weg, Anhänger weg, Neonazis blieben

Bis zu tausend Gegendemonstranten säumten laut Polizei auch die Strecke, die sich der Pegida-Ableger Bagida für den Montag ausgesucht hatte. Auf dem nunmehr vierten „Spaziergang“ sollte es vom Goetheplatz über die Lindwurmstraße zur Poccistraße gehen, eine nicht einmal einen Kilometer lange Strecke Richtung Südwest aus dem Herzen der Stadt heraus. Nur etwa 400 Anhänger konnte diese eher unattraktive Routenführung locken. Die Polizei sprach sogar nur von 350, auf der Seite von Bagida waren erste Schätzungen von rund 800 Personen zu lesen.

Für diesen Spaziergang hatten sich die Organisatoren ein neues Fronttransparent besorgt. Zu lesen war darauf der oft auch von Neonazis skandierte Spruch „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“. Wie üblich säumten auch wieder Banner des rassistischen Blogs „Politically Incorrect“ (PI) die Spitze des Zuges. Der Vorsitzende des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, hatte erst gestern in der Neuen Osnabrücker Zeitung vor den Gefahren durch rechtspopulistische Netzwerke gewarnt und dabei den Hassblog genannt. Solche Seiten sind laut Schuster ebenso gefährlich für die pluralistische Gesellschaft wie rechtsextreme Parteien.

Ein anderes Transparent sei wegen des Verdachts auf Verunglimpfung des Staates nach zehn Minuten eingezogen worden, wurde im Laufe des Tages auf PI vermeldet. Dort spricht der nicht namentlich genannte Autor dann auch nur noch von 350 Teilnehmern.

Beteiligt haben sich laut aida-Archiv auch wieder etliche Neonazis, darunter die beiden bekannten Rechtsterroristen, auch wenn hier die Beteiligung zurückging.

Die wohl zentralsten Reden kamen auch an dem Tag von Islamhasser Michael Stürzenberger, dem Vorsitzenden der Kleinstpartei Die Freiheit (DF), der unbestritten der Impulsgeber des bayerischen Pegida-Ablegers ist.

Er nannte im Laufe der Rede die Adressen von Asylbewerberunterkünften in München. In einer Art Galgenhumor redete er sich den erneut gesunkenen Zuspruch schön und verbuchte am Ende seiner Aufzählung glatt fünfzig Prozent der Bundesbürger auf seiner Seite. Der Trend der Beteiligung zeigte aber auch an diesem Abend eher wieder in die Richtung der Handvoll Anhänger, vor denen es der PI-Autor in den letzten Jahren gewohnt war zu sprechen, als er München mit Kleinstkundgebungen überzog. Die Teilnehmer an der Lichterkette bezeichnete er als „Heuchler“. Anmelderin Birgit Weißmann soll sich an dem Abend auch positiv auf die Chemtrail-Verschwörungstheorie bezogen haben.

Die Polizei, die mit tausend Beamten im Einsatz war, sprach von einigen Schneebällen, die in Richtung Bagida flogen und insgesamt sieben Festnahmen. Neben Körperverletzungsdelikten fand sich auch der Verstoß wegen der Verwendung von Symbolen verfassungswidriger Organisationen in der Pressemitteilung wieder. Geringer wurde auch das Medieninteresse an dem Aufmarsch. Die wenigen, die vor Ort arbeiteten, fanden schwierige Arbeitsbedingungen vor.