KundgebungstourDritter Weg in Fürth blockiert und ausgepfiffen

Nazi-Alarm in Fürth und anderen bayerischen Kommunen
Nazi-Alarm in Fürth und anderen bayerischen Kommunen

Eine Werbetour der Neonazi-Partei Der Dritte Weg durch Franken begann am Samstag in Fürth mit einem Fehlschlag. Ein Großteil der angereisten Rechtsextremisten wurde am Gleis durch eine Blockade festgehalten. Vor dem Bahnhof waren die Gegendemonstranten so laut, dass auf Reden ganz verzichtet wurde. Auch an anderen Orten stellten sich Menschen gegen Veranstaltungen der Neonazis.

Von Dora Wechsler und Thomas Witzgall

«Getrennt (auf-) marschieren und getrennt wieder abreisen» war das erzwungene Motto für etwa 25 Neonazis aus den Reihen der Neonazi-Partei Der Dritte Weg. Die Station in Fürth war erster Teil einer schon traditionellen „Werbetour“, die die bayerische Kameradschaftsszene jedes Jahr kurz vor ihrer Demonstration am 1. Mai durchführt. Um möglichst viele Stationen zu schaffen, beginnen diese Veranstaltungen bereits am Vormittag. Um 9.45 Uhr sollte es in Fürth soweit sein. Zunächst wollten die Neonazis direkt vors Gewerkschaftshaus. Das angerufene Verwaltungsgericht ermöglichte die Verlegung direkt auf den Bahnhofsplatz, obwohl dort zeitgleich ein Markt stattfand, der die Situation unübersichtlich werden ließ.

In den abgesperrten Bereich schafften es zunächst nur sieben Neonazis: Versammlungsleiter Kai-Andreas Zimmermann, zwei Kameraleute und vier Fahnen- bzw. Bannerträger samt Transparent des Stützpunktes «Mainfranken». Später fanden noch zwei «Kameraden» den Weg hinter die Absperrung.

Am Gleis war Endstation

Der Großteil der angereisten Unterstützer schaffte es nicht einmal, den Bahnsteig zu verlassen. Gegendemonstranten hatten alle Aus- und Abgänge blockiert. Den Neonazis blieb nichts anderes übrig, als dort zu verharren, wo sie den Zug verlassen hatten. Im Verlauf der Versuche, zur Kundgebung durchzudringen, war es wohl zu Auseinandersetzungen gekommen. Zwei Neonazis trugen sichtbare Kopfverbände. Gegen 11.00 Uhr bestieg das Grüppchen um Norman Kempken, einem der Köpfe des verbotenen Freien Netz Süd, den Regionalzug Richtung Bamberg, wo eine weitere Veranstaltung anstand.

Auf ihre Gesinnungsgenossen und die Lautsprecheranlage musste sie allerdings eine Zeit lang warten, denn die waren vor dem Bahnhof mittlerweise eingekesselt. Mehrere hunderte Gegendemonstranten machten ihre Ablehnung lautstark deutlich. Zimmermann setzte mehrfach zu Reden an, führte sie aber dann wegen der enormen Geräuschkulisse nicht fort. Abschließend blockierten die Nazigegner noch die Abfahrt des Lautsprecherfahrzeuges bis etwa gegen Mittag.

Auf Seiten der Gegenkundgebung des Fürther Bündnis gegen Rechts unmittelbar an der Absperrung sprach Fürths Oberbürgermeister, Dr. Thomas Jung (SPD). Er betonte den weltoffenen und bunten Charakter der mittelfränkischen Stadt und zeigte sich erfreut über den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft mit über 140 vertretenen Nationalitäten.

In Bamberg wurden die Neonazis von mindestens einem führenden Aktivisten des Kreisverbandes der Partei Die Rechte in Empfang genommen. Dies belegt erneut, dass die Trennlinien der bayerischen Szene nicht entlang von Parteimitgliedschaften verlaufen. Ca. 50 Personen sollen laut lokaler Anti-Nazi-Initiativen relativ spontan am Bahnhof gegen den Aufmarsch protestiert haben.

Freising demonstriert lautstark gegen Werbetour

Auch in Südbayern warben Anhänger der Neonazi-Partei Der Dritte Weg an mindestens zwei Orten für ihre „Arbeiterkampfdemo“. Erste Station der hauptsächlich oberbayerischen Aktivisten war Freising. Anlass war vorgeblich ein Gedenken der Opfer eines alliierten Luftangriffs gegen Ende des Zweiten Weltkrieges. Als Redner traten der umtriebige Aktivist Roland Wuttke, Rechtsterrorist Karl-Heinz Statzberger und Martin Bissinger vom Stützpunkt «Schwaben» auf. In den Reden handelten die Neonazis ihre bekannten Thesen von der «Unfreiheit in der BRD» bis hin zur «Asylflut» ab. Die restlichen Teilnehmer, darunter Rechtsterrorist Thomas Schatt, versammelten sich hinter einem großen Stoffbanner mit der Pegida-Losung „Wir sind das Volk“. Schatt durfte unter den Augen der Polizei mehrfach die Kundgebung verlassen, um Gegner zu fotografieren.

Eine größere Außenwirkung erzielte die Veranstaltung am Kriegerdenkmal nicht. 80 bis 100 Gegendemonstranten des Bündnisses «Freising ist bunt» sorgten lautstark für den entsprechenden
Widerspruch. Nach etwa einer Stunde endete das Neonazi-Treffen.

Landshut mauert und spielte Neonazis in die Karten

Zu einem Aufmarsch der Partei Der Dritte Weg kam es am Samstag auch in niederbayerischen Bezirkshauptstadt. Laut Landshuter Rundschau marschierten etwa 30 Neonazis samt ihrem Werbematerial für die Demonstration in Saalfeld über zwei Stunden durch die Stadt. Zu organisierten Widerstand von Seite der Zivilgesellschaft kam es laut des Berichts nicht. Die Stadtspitze hatte die angemeldete Kundgebung wieder einmal für sich behalten. Die Neonazis konnten so geordnet ihre Versammlung durchführen, Handzettel an die Bevölkerung verteilen und für ihre krudes Weltbild werben.

  • Nazi-Alarm in Fürth und anderen bayerischen Kommunen
  • Fanshirt der Fürther Fußballszene gegen Rassismus
  • Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung (SPD) auf Seiten der Gegendemo
  • Banner Fürther Bündnis gegen Rechts
  • Banner der GEW
  • Am Gleis gestrandete Neonazis, Mitte Norman Kempken
  • links: Kampagnenshirt zum Aufmarsch am 1.Mai in Saalfeld
  • Freising: Rede Statzberger
  • Schild des lokalen Bündnisses Freising ist bunt