Pegida MünchenDrunter und drüber beim Münchner Pegida-Ableger

Stürzenberger und Weißmann gehen wohl zukünftig getrennte Wege.  Foto: Marcel Bauer (Archiv)
Stürzenberger und Weißmann gehen wohl zukünftig getrennte Wege. Foto: Marcel Bauer (Archiv)

Gerade einmal 130 Anhänger kamen am Montag zur zwölften Kundgebung von Bagida in München zusammen. Hinter den Kulissen scheint es dabei ziemlich zu rumoren. Michael Stürzenberger, lange Kopf der bayerischen Islamhasser, wurde offenbar ausgebootet. Er antwortete darauf mit einer Generalabrechnung.

Objektiv erfolgreich waren die „Spaziergänge“ des Münchner Pegida-Ablegers schon lange nicht mehr. Nur noch 100 bis 150 Sympathisanten kamen nach Polizeiangaben zuletzt zusammen. Auch am Montag blieb die Zahl der Teilnehmer mit etwa 130 (Polizei: 100) erneut niedrig. Die mehrwöchige Demonstrationspause half nicht bei der Mobilisierung neuer und alter Anhänger. Der Aufruf der Organisatorin Birgit Weißmann vom 30. März, jeder möge beim nächsten Mal zwei oder drei Leute mitbringen, verpuffte ebenso wie frühere Aufrufe. Gescheitert war auch das Ansinnen, den „Spaziergang“ als Trauermarsch zu begehen, bei dem alle Anhänger in schwarz erscheinen sollten.

Ein Großteil der „Spaziergänger“ war, was die Kleidung betraf, bunt wie eh und je. Am auffälligsten war dabei ein Demonstrant mit der Fahne, die die selbsternannte „administrative Regierung des Freistaat Preußen“ in einem „Notbeschluss“ bis zur völligen „Reorganisation“ zur „offiziellen Staatsflagge“ bestimmt hatte. Wieder ein Beleg dafür, welches Klientel Pegida anzieht. Weißmann wollte inzwischen auch ein weiteres Hindernis identifiziert haben, welches angeblich Leute ferngehalten haben soll: bundeseinheitlich will die Münchner Gruppe nun als Pegida München auf die Straße gehen und den Namen Bagida ablegen. Ein Schritt, aus dem eher die Verzweiflung spricht.

NSU-Opfer verhöhnt

Die Route am Montag entsprach der der letzten Veranstaltungen. Vom Volkstheater aus umrundeten die Anhänger den Alten Botanischen Garten. Statt des angeordneten Schweigens, was den Charakter eines Leichenzuges verstärken sollte, gab der Zug ein beständiges Grummel-Geräusch von sich. Eine kleine Blockade stoppt den Marsch schon kurz nach Beginn für längere Zeit, die dann später gegen Ende für weitere Reden fehlte. Den größten Aufreger lieferte inhaltlich Rednerin „Doro“, die neben einem „Michael“ und einem „Hans“ zu Wort kam. Sie beklagte eine angeblich fehlende Anteilnahme gegenüber „deutschen Opfern“ von Gewalt und bezeichnete die Opfer des NSU als „Kulturbereicher“, einem Spottwort der rechtsextremen Szene für hier lebende Menschen, die nicht dem Klischee des hellhäutigen Mitteleuropäers entsprechen. Anschließend versuchte sie darzulegen, dass sich der deutsche Staat nur um Ausländer und Flüchtlinge kümmern würde und bezeichnete dies unter Applaus als „Rassenhass gegen die Deutschen“.

Es war dieses immer wiederkehrende Motiv des Neides der Pegida-Anhänger auf die große Sympathie und Hilfsbereitschaft, die viele Mitbürger den aufs ganze Land verteilten Flüchtlingen und deren Schicksalen und Leid entgegenbringen. Da die islamfeindliche Bewegung keine ökonomischen Thesen hat, dürften sie dabei vor allem „emotionales Kapital“ einfordern. Das alles zeigt, wie sehr die Anhänger dem Konstrukt einer Volksgemeinschaft anhängen, in dem selbst für die Terroropfer des NSU kein gleichberechtigter Platz ist.

Paukenschlag: Stürzenberger ausgebootet

Endgültig zerschnitten dürfte das Tischtuch zwischen Bagida-Anmelderin Weißmann und Michael Stürzenberger sein. Der PI-Autor war am Montag zugegen, kam aber nicht zu Wort. Ende März hatten die Anhänger noch lautstark eine Rede von ihm verlangt. Er begnügte sich damit, die grummelnde Demonstration zu verlassen und mittels Camcorder die Räumung der Blockade zu dokumentieren.

Heute legte der vom Verfassungsschutz beobachtete Stürzenberger mit einem Artikel auf dem Hassblog „Politically Incorrect“ (PI) nach, nach dem es kein Zurück mehr in die von Weißmann geführte Gruppierung geben
dürfte. Als Grund für seinen harschen Beitrag nannte Stürzenberger die Entmachtung des alten Organisationsteams. Weißmann, der er dafür jede Kompetenz absprach, wolle zukünftig alleine entscheiden. Stefan Werner von PRO Bayern soll ihm das mit den Worten „Du bist raus aus der Nummer, Dresden hat es bestätigt!“ direkt auf der Kundgebung mitgeteilt haben.

Islamhasser Stürzenberger sieht Rechtsruck bei Pegida München

Der Vorsitzende der Partei Die Freiheit sieht durch seine Entmachtung nun einer weiteren „Unterwanderung“ der Bewegung durch Rechtsextremisten Tür und Tor geöffnet. Er griff dazu im Artikel auf PI auf Rechercheergebnisse diverser Informationsportale und auch von ENDSTATION RECHTS.Bayern zurück. Seine Abrechnung gilt einerseits Werner, der, so Stürzenberger, angeblich schon früher ihm bekannte NPD-Anhänger für Pegida gewinnen wollte.

Des Weiteren griff er Peter Meindl an, der zuletzt bei Nügida als Redner auftrat. So zeichnet er mit Hilfe diverser Screenhots dessen Bewunderung für Adolf Hitler nach, worauf diverse Informationsportale schon vor längerer Zeit hingewiesen hatten. Auch habe Meidl ihn diverse Male angelogen, was seine Beteiligung an der Neonazi-Partei Die Rechte anging. Fotos belegen, dass der zur Rede gestellte zuletzt an fast jeder vom Neonazi Philipp Hasselbach angemeldeten Kundgebung teilgenommen hatte.

Weiter zog Stürzenberger im Artikel Parallelen zur Entmachtung von Heidi Mund in Frankfurt durch das Dresdner „Mutterschiff“. Der radikalen Christin wurden nach einigen Kundgebungen die Leitung entzogen. Ein Hans Weber baute laut Stürzenberger dann mit dem Placet von Lutz Bachmann eine neue Gruppe auf. Bei deren erster Veranstaltung, so klagte der PI-Autor, seien dann auch bekannte NPDler anwesend gewesen. Weber war am Montag in München, kam zwei Mal zu Wort und durfte – was Stürzenberger ihm wahrscheinlich besonders übel nimmt – in Dresden Geert Wilders ankündigen.

Rechtsextreme Beteiligung am Montag

Auch in München wird die Anwesenheit von bekannten Kadern der organisierten extrem rechten Szene von Stürzenberger nun als problematisch angesehen. Beim Spaziergang nahmen – wie fast immer – einige bekannte Kader teil. Zu nennen wäre hier nicht nur der umtriebige Roland Wuttke, der bei praktisch allen rechtsextremen Gruppen Bayerns aktiv ist und häufig als Redner auftritt, sondern auch Renate Werlberger von der NPD München oder Björn-Christopher Balbin von der NPD Freising. Rechtsexterrorist Thomas Schatt erwartet den Demonstrationszug mit einigen Gesinnungsgenossen am Alten Botanischen Garten und reihte sich nach Belieben ein und aus.

Es bleibt abzuwarten, zu welchen Konsequenzen dieser Streit führen wird. Am Montag hielten sich neben Stürzenberger auch noch andere Aktivisten zurück, die in den vergangenen Wochen organisatorische Aufgaben übernahmen. Allerdings konnten Weißmann & Co noch auf den Transporter von Stürzenbergers Partei zurückgreifen. Inhaltlich dürfte sich bei allen persönlichen Querelen dabei an der rassistischen Ausrichtung nichts ändern. Nur die Anzahl der Israel-Flaggen, die vielen Neonazis ein Dorn im Auge waren, dürfte zurückgehen.