Die RechteUnterfranken stellen sich gegen sich einnistende Neonazis

Stammheim gegen Nazis - nirgends

Weit mehr als 1000 Menschen sind am Pfingstsonntag dem Aufruf des Bündnisses „Stammheim ist bunt“ gefolgt und haben gemeinsam friedlich gegen die Eröffnung der Parteizentrale der „Rechten“ in einem ehemaligen Gasthof in Stammheims Ortsmitte protestiert.

von Isabella Walter

Viel politische Prominenz aus allen Parteien war gekommen. Neben Schweinfurts Landrat Florian Töpper auch die Landrätin des Landkreises Kitzingen Tamara Bischof sowie Innenstaatssekretär Gerhard Eck und die Landtagsabgeordneten Kathi Petersen, Volkmar Halbleib und Günther Felbinger. Auch viele Bürgermeister der Region und Kommunalpolitikerinnen und –politiker haben sich mit ihrem Kommen solidarisch mit Stammheim gezeigt.

Dennoch spielte die Politik bei dem Protest keine aktive Rolle, da er im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes organisiert war. Katholische und evangelische Kirche brachten in einer fast zweistündigen Andacht die Pfingstbotschaft nahe und verbanden diese mit dem Aufruf zu Toleranz und Vielfalt.

Nachdem die Rechte lautstark versuchte, diese Andacht zu stören, wurden sie von einer Gruppe junger Menschen ebenso lautstark mit Pfiffen und „Nazis raus“-Rufen bedacht. Die Rechten wurden von der Polizei daraufhin angehalten, ihre Lautsprecher leiser zu stellen, so dass die Andacht im Folgenden weitgehend störungsfrei ablaufen konnte.

Impressionen vom Tag in Stammheim von Radio Primaton

Große Kehraktion nach Demonstrationszug der Neonazis

Nach Beendigung der Andacht riefen das Bündnis wie auch der Bürgermeister die Menschen dazu auf, den Platz friedlich zu verlassen. Für den abendlichen Marsch der Rechten durch das Dorf sollte denen keine Bühne geboten werden. Die Bewohner sollten ihre Rolläden und Fensterläden schließen und den nicht erwünschten Marsch mit Missachtung strafen. Allerdings zeigten die Stammheimer den Rechten am Ende des Marsches doch noch, dass sie nicht willkommen sind in ihrem Ort. Hinter dem Zug holten die Bewohner ihre Besen aus den Garagen, kehrten den „braunen Dreck“ demonstrativ weg und warfen ihn in die „braune Tonne“.

So sind am Pfingstsonntag die Stammheimer und viele Unterstützerinnen und Unterstützer aus der Region eindrucksvoll und friedlich gegen die Nazis im Ort aufgestanden. Die Rechte hat nun jedoch mitten im Ort ihre Landes-Parteizentrale, die zu einer Anlaufstelle und einem Veranstaltungsort für Nazis werden könnte. Silvia Meyer, eine Erlanger Immobilienmaklerin, die mit Karl-Heinz Hoffmann, einem bekannten Neonazi und Gründer der Wehrsportgruppe Hoffmann, in Verbindung und damit vermutlich auch dem rechten Spektrum nahe steht, hat den ehemaligen Gasthof ersteigert und an die Rechte vermietet. Es wird sicherlich noch weitere Anstrengungen kosten, die Rechten aus dem schönen Weinort an der Mainschleife zu vertreiben.

Folgt dem Bündnis Stammheim ist bunt