Nürnberg gegen RassismusGedenkmarsch für NSU-Opfer und Straßenfest gegen Rassismus und Diskriminierung

Gedenktafel für Ismail Yasar - Nürnberg

Wenige Tage, nachdem sich die Morde an İsmail Yaşar und Abdurrahim Özüdoğru durch den NSU zum zehnten bzw. vierzehnten Mal jährten, sind in Nürnberg zahlreiche Menschen auf die Straße gegangen. Bereits zu Beginn der Woche wurde am Tatort vor der Scharrerschule eine Gedenktafel zur Erinnerung an den Mord an İsmail Yaşar angebracht.

Deutliche Kritik an der immer noch unvollständigen Aufklärung der Verbrechen des NSU und der Rolle der Behörden, insbesondere der verschiedenen Verfassungsschutzämtern, wurde bei der Kundgebung am Tatort vor der Scharrerschule geübt.

Seda Başay Yildiz, die die Nürnberger Opferfamilie Şimşek im Münchner NSU-Prozess vertritt, erinnerte daran, wie die Angehörigen der Mordopfer jahrelang zu Verdächtigen abgestempelt wurden. Auch Kutlu Yurtseven von der Initiative «Keupstraße ist überall» kritisierte das Vorgehen der Behörden nach dem Nagelbombenanschlag in Köln: bereits wenige Stunden nach dem Anschlag wurden die Anwohner zu Tätern gemacht, ihre Wohnungen durchsucht und sie stundenlangen Verhören unterzogen. Der Spur der zwei Radfahrer – Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt -sowohl beim ersten Mord in Nürnberg an Şimşek , beim Anschlag in der Keupstraße in Köln und beim Mord vor der Scharrerschule in Nürnberg – wurde nie nachgegangen.

Während die Behörden ihre Drogenmilieu- und Mafia-Theorien ohne konkrete Anhaltspunkte immer weiter verfolgten, ist der Terror der rechtsextremen Täter ungestört weitergegangen.
Nach der Demonstration und den Kundgebungen an zwei der Tatorte in der Nürnberger Südstadt setzten die Nürnberger BürgerInnen mit einem gut besuchten Straßenfest auf dem Aufsessplatz ein deutliches Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung.