UnterfrankenNPD-Kreisvorsitzender schlägt bei Asyl-Veranstaltung zu

Kampf und Gewalt im rechten Merchandising. Symbolbild
Kampf und Gewalt im rechten Merchandising. Symbolbild

Am Montag versuchten mindestens vier Angehörige der rechten Szene, eine Veranstaltung zum Thema Flucht und Asyl mit Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth in Goldbach zu stören. Beim Verlassen des Saales schlug einer der Störer zu. Die Polizei konnte einen Großteil nun identifizieren. Darunter waren zwei bekannte NPD-Funktionäre.

Der Kreisverband Aschaffenburg-Land der Grünen hatte zu Beginn der Woche zum Vortrag „Auf der Flucht“ ins Haus „Effata“ der katholischen Gemeinde geladen. Referieren sollte die ehemalige Bundesvorsitzende der Partei und jetzige Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth. Unter die Teilnehmer hatten sich auch mindestens vier Rechtsextremisten geschlichen, mit dem offensichtlichen Ziel, die Veranstaltung zu stören und zu sprengen. Kurz nach Beginn, so wird es berichtet, Claudia Roth habe keine drei Worte reden können, sollen die Zwischenrufe und Pöbeleien schon begonnen haben.

Auf Videos von Main-TV war dann auch zu sehen, wie Axel Michaelis, Landesgeschäftsführer der NPD, lautstark Parolen Richtung Roth rief. Er stand kurz darauf sichtlich entnervt auf und warf beim Verlassen des Saales noch Flyer der NPD in die Runde. Zwischenzeitlich entrollten andere Rechtsextremisten ein Banner. Die Reaktion der sonstigen Teilnehmer ließ nicht lange auf sich warten und fiel anders aus, als es die Rassisten wohl selbst erwartet hätten. Anders, als etwa von der Bürgerversammlung in Freital berichtet wird, wo asylfreundliche Stimmen niedergebrüllt worden sein sollen, schallte den Rechtsextremisten in Unterfranken „Nazi raus!“ von mehreren Seiten entgegen.

Die Männer schickten sich an, die Versammlung zu verlassen. Ein Video des Main-Echos zeigt dann deutlich, dass einer der Störer friedlich, aber bestimmt, Richtung Ausgang eskortiert wurde. Er versuchte dabei, ein zweites Spruchband zu entrollen. Ein anderer Besucher griff nach dem Banner, der Rechtsextremist wird mit Schubsern in den Rücken weiter Richtung Ausgang gedrängt. Unvermittelt drehte der Mann mittleren Alters sich um, holte aus und schlug mit der Faust ins Gesicht der Eskorte, laut aida, einem Goldbacher Gemeinderat, der dabei leicht verletzt wurde.

Bei dem Schläger soll es sich nach übereinstimmenden Berichten von Main-Echo, Sat1Bayern und auch lokalen Szenekennern um Falko Schüßler, den Kreisvorsitzenden der NPD Aschaffenburg / Miltenberg handeln. Ihn erwartet nun ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung. Auch weitere Mitstreiter konnten identifiziert werden. Entgegen der Banneraufschrift „Goldbach sagt Nein!“ kam wohl keiner aus dem Ort selbst. Axel Michaelis hatte sich aus dem Raum Bamberg auf den Weg gemacht, ein anderer aus dem Odenwaldkreis. Nach einem vierten Mann wird noch gefahndet.

Reaktionen von Rechts bezeichnend

Der Vorfall mobilisierte auch wieder den braunen Internetmob, gehört Claudia Roth doch zu den Hassobjekten der Szene. Ähnlich der Nazi-Methode, alle Jüdinnen und Juden im Dritten Reich über die Zusatznahmen „Israel“ und „Sara“ zu kennzeichnen, fügen sie bei der Politikerin gerne ein „Fatima“ für „volksverräterische Islamfreundlichkeit“ hinzu.

Die NPD Bayern griff den Vorfall, der
langsam Schlagzeilen über Unterfranken hinaus machte, erst am Mittwochvormittag auf. Und obwohl ihr Landesgeschäftsführer und Kreisvorsitzender offenbar beteiligt und mehr als 24 Stunden vergangen waren, kommentierte der Administrator des Parteiseite, über den politischen Hintergrund der Störer wisse man nichts und spielte unterschwellig wieder mit dem „Lügenpresse“-Vorwurf der Wutbürger. Erst mehrere Stunden später verurteilte der Eintrag die „Unbeherrschtheit“ des Schlägers bei einer sonst „gute[n] Aktion» und verkehre sie ins Gegenteil. Hier bejubelt die angebliche Saubermänner-Partei immerhin eine Ordnungswidrigkeit, wegen der nun ermittelt wird. In den Kommentaren auf der Seite des Landesverbandes aber auch bei den lokalen Medien kennen die Rassisten dann auch keinerlei Zurückhaltung mehr. Einige wünschen sich unverhohlen, Roth hätte die Schläge abbekommen müssen und nicht der Ordner, andere wünschen sich „nur“ ihre Vertreibung.

„Psycho“-Schüßler

Der mutmaßliche Schläger ist in der Szene kein Unbekannter. Er war in der verbotenen Wiking-Jugend aktiv und Landesvorsitzender der verbotenen Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) unter dem aus „gut nationalsozialistischem Elternhaus“ (Zitat Schüßler) stammenden Friedhelm Busse. Zuletzt machte eher seine (Ex-Frau) Sigrid Schüßler von sich Reden. Als die auch als Hexe Ragna auftretende Ex-NPD-Funktionärin im Oktober letzten Jahres die vollzogene Scheidung verkündete, gab es auf dem Facebook-Profil von Karl Richter einen kurzen Disput zwischen ihm mit dem Kader Dieter Riefling. Während der momentan inhaftierte Hildesheimer seinen „alten FAP-Kameraden“ verteidigte, war sich der Münchner Stadtrat sicher, die Familie habe „der Psycho“ zerstört.