Der Dritte WegKein Publikum: Neonazis stellen sich am Feiertag vor geschlossenes Einkaufszentrum

Der Dritte Weg am Feiertag vor geschlossenem Einkaufszentrum

Wochenlang hatten die Neonazis aus den Reihen der Partei Der Dritte Weg zu einer Kundgebung vor einem Kaufhaus im Münchner Norden mobilisiert. Mit etwa fünfzig Anhängern fiel ihre Veranstaltung eine Nummer größer aus als sonstige Mahnwachen. Laufpublikum gab es so gut wie gar nicht, denn die Rassisten hatten sich für ihre Aktion den Feiertag Mariä Himmelfahrt ausgesucht.

Diese Versammlung wollten die Aktivisten der Partei Der Dritte Weg anders als sonst aufziehen. Während ihre sonstigen Mahnwachen und Touren meist nur kurzfristig bekannt werden und Verwaltungen gerne mal die Termine vor der Bevölkerung verheimlichen, bewarb die Partei die Veranstaltung vor dem Mira-Einkaufszentrum schon vor Wochen öffentlich. Sogar ein eigenes Mobilisierungsvideo wurde zusammengestellt. Mit dem harten Kern aus hauptsächlich süd- und ostbayerischen Neonazis kam die Organisation dann auf etwa fünfzig Teilnehmer. Nicht mitgerechnet die etwa ein bis zwei Dutzend Sympathisanten, die neben den etwa 150 Gegendemonstranten einen Platz am Absperrungsgitter einnahmen, einzelne hitzige Diskussionen führten und gelegentlich applaudierten.

Was es an dem Tag so gut wie gar nicht gab, war Laufpublikum. Warum? Die Neonazis hatten sich für ihre Versammlung den Tag Mariä Himmelfahrt ausgesucht, der in katholischen Gebieten in Bayern ein Feiertag ist. Das Kaufhaus war somit komplett geschlossen, nur ein naheliegendes Fast-Food-Restaurant hatte kläglichen Kundschaftsverkehr.
Angezogen hat die Veranstaltung aber auch einige bekannte Gesichter von den Bagida-Veranstaltungen. So nahm Peter Meidl (Die Rechte Rosenheim) zusammen mit der ebenfalls regelmäßigen „Spaziergängerin“ Marion B. teil. Vor dem Kaufhaus fand sich ein Pegida-naher Fotograf ein. Karl Richter, der laut Facebook-Seite der Bürgerinitiative Ausländerstopp (BIA) auch zugegen sein sollte, tauchte nicht auf. Der Stadtrat und die Kameradschaftsaktivisten stehen sich eigentlich seit dem letzten Kommunalwahlkampf unversöhnlich gegenüber, weshalb die Ankündigung der BIA zunächst etwas verwundert hatte.

Rechtsterrorist Thomas Schatt versuchte sich zunächst außerhalb der Absperrung aufzuhalten. Er hatte wie üblich einen Camcorder dabei und eine grüne „Presse“-Armbinde um, die den Markierungen, mit denen sich Zivilpolizisten zu erkennen geben, zum verwechseln ähnlich sah. Nach einigen Rangeleien am engen Gitter vor dem Kaufhaus musste er schließlich in den abgesperrten Bereich wechseln.

Schlafender Neonazi im Auto – andererseits: Wer schläft, sündigt nicht

Neonazis wollen nicht von Smartphone-Propaganda ablassen

Geleitet wurde die Versammlung von Martin Bissinger, Stützpunktleiter der Partei in Schwaben. Pierre Fürbaß-Pauly, laut Verfassungsschutz Kopf des Münchner Ablegers, griff nur bei der Technik helfend ein, die die Partei wie immer nur schlecht in den Griff bekam. In den insgesamt drei Reden ging es um das Thema Flüchtlinge. Bemerkenswert war, dass Redner Walter Strohmeier erneut versuchte, Stimmung gegen Geflüchtete mit dem Verweis auf deren Handys zu machen, die diese angeblich alle bekommen würden. Eigentlich sollte sich gerade dieses Thema erledigt haben, nachdem in den vergangenen Tagen fast jede größere Zeitung ihre Leser aufgeklärt hatte, woher Asylsuchende die Smartphones haben, wie sie sie finanzieren und warum sie auch wirklich gebraucht werden. Schon abgespeckte Kopien teurer Markengeräte sind für wenig Geld erhältlich und ermöglichen auf der Flucht über kostenlose Chat-Programme den oft einzigen Kontakt zu Freunden und Verwandten.

Freude über neuen Straftäter in den Reihen des Dritten Weges

Martialisch wurde es dann bei der Rede des Versammlungsleiters. Bissinger sprach von Werten, die angeblich „über Jahrtausende die Blutlinie
unseres Volkes prägten.“ Zu Vorbildern erklärte er neben Reichskanzler Bismarck und Germanenhäuptling Arminius auch den Sprengstoffattentäter Albert Leo Schlageter, sowie den Kriegsverbrecher Erich Priebke, der bis zum Ende seine im Zweiten Weltkrieg begangenen Taten nicht bereut hatte. Der Schwabe lobte ihn für seine angebliche „Charakterstärke“.

Anerkennung fand Bissinger dann auch für einen namentlich nicht genauer vorgestellten Kameraden, der laut der Rede vor wenigen Tagen zu einer über zwei Jahre dauernden Freiheitsstrafe verurteilt worden sei. Die Zuhörer sollten sich alle ein Beispiel an dessen „ungebrochenen Kampfgeist“ nehmen. Er freute sich, dieses „Vorbild“ als Mitglied in den Stützpunkt Schwaben aufnehmen zu können, so Bissinger, bevor er mit der Parole „Nationaler Sozialismus jetzt“ seine Ausführungen abschloss.

Gegen die Kundgebung protestierten etwa 150 Gegendemonstranten aus unterschiedlichen Spektren, die in der Lage waren, die Reden und den abgespielten Rechtsrock akustisch zu übertönen. Unbeeindruckt von dem enormen Lärm verschlief ein Neonazi die gesamte Versammlung auf dem Beifahrersitz des Lautsprecherfahrzeugs. Schon beim Einparken in die Absperrung fiel der wie paralysiert im Fahrzeug liegende Mann Beobachtern auf. Andere Rechtsextremisten deckten sein Gesicht mit einem schwarzen Tuch ab. Er zog dann gegen 16.00 Uhr mit seinen restlichen Gesinnungsgenossen ab.