Einzelne Russlanddeutsche auf RechtskursNürnberg: Nur 150 Teilnehmer bei „Migranten-Pegida“

Nationalistische Töne auch auf Russisch
Nationalistische Töne auch auf Russisch

Deutlich hinter den erwarteten 1.000 Unterstützern blieb am Sonntag eine Kundgebung aus dem russlanddeutschen Milieu vor Markus Söders Heimatministerium. Eine Gruppe bekannter Neonazis schloss sich nach anfänglichen Schwierigkeiten an. 250 Personen demonstrierten erstmals gegen die als Bürgerinitiative „Sichere Heimat“ auftretenden Organisatoren.

„Es waren keine Nazis dabei, kannst mir glauben“, suggerierte eine angebliche Teilnehmerin später am Sonntag auf der Facebook-Seite der „Nürnberger Nachrichten“ einer Kritikerin der Veranstaltung. Die „Nachbesprechung“ in den sozialen Medien ist oftmals fast wichtiger als die Veranstaltung selbst. Hier tobt die Auseinandersetzung darüber, wie die Kundgebung in Erinnerung bleiben soll.

Die Veranstalter um die Nürnbergerin Elena Roon bemühten sich, einige der Vorwürfe, die sich rund um die letzte Versammlung entzündet hatten, nicht zu wiederholen. Besonders an den beiden Rednern Gernot Tegetmeyer von Pegida Nürnberg und Martin Sichert, Vorsitzender der Nürnberger AfD mit Hang zum Geschichtsrevisionismus, hatte sich Kritik entzündet. Beide waren anwesend, kamen aber nicht zu Wort. Pegida stellte allerdings den Bühnen-LKW und die zu Beginn störungsanfällige Technik, wie die Veranstalter gegenüber der dpa einräumen mussten. Vor Ort war die logistische Unterstützung offensichtlich.

Probleme bekam zunächst eine Gruppe Neonazis um Dan Eising, den Aktivisten der Neonazi-Partei Die Rechte. Auch er war Thema im Beitrag der Magazins „Kontrovers“. Als er zusammen mit Rainer Biller (Ex-NPD, Ex-FNS, Nügida), dem Münchner Stadtrat Karl Richter (Ex-Landesvorsitzender NPD Bayern, Bürgerinitiative Ausländerstopp) und einer Gruppe fränkischer Rechtsextremisten die Absperrung unterhalb der Lorenzkirche passieren wollte, wurden sie zunächst abgewiesen. Einige andere Anhänger der Kleinstpartei waren zu dem Zeitpunkt schon innerhalb der Versammlung und verließen mit Eising & Co. den Platz. Problemlos passierte die Gruppe allerdings den nächsten Eingang weiter südlich. Sie waren damit Teil einer Versammlung, zu der mit etwa 150 Teilnehmern deutlich weniger Unterstützer erschienen waren als die von den Organisatoren erhofften 1.000 bis 1.500 Anhänger. Ablehnung schlug den Neonazis bis auf eine kurze Durchsage nicht entgegen. Gegen Ende führten Biller und andere noch Gespräche mit einigen Ordnern.

Auch Migranten können Pegida

Die Inhalte auf dem Lorenzer Platz, direkt vor Markus Söders Heimatministerium, fügten sich auch ohne Redner aus den Reihen der AfD oder der selbsternannten Patriotischen Europäer nahtlos in die Ideologie der Rechtspopulisten ein. Es war eine Melange aus plötzlich gesunkenem Sicherheitsgefühl, angeblichem Wissen über Muslime und den Islam allgemein und die Propagierung eines antipluralistischen Gesellschaftsbildes.

Bezeichnend war, dass von den zentral vorbereiteten Schildern das mit der Aufschrift „Kriminalität kennt keine Nationalität“ zwar am LKW abgestellt wurde, aber keinen Abnehmer fand. Es hätte sich wohl mit den Reden widersprochen, in denen es nur um Straftaten von Flüchtlingen ging oder um die Gerüchte über eben solche. Fast alle Redner betonten, sie hätten „nichts gegen Geflüchtete“, um dann die Maßnahmen gegen Refugees aufzuzählen, die sie von der Regierung einforderten. Auch weitere von Pegida bekannten Topoi, wie die angeblichen Rechtsbrüche der Regierung, wurden vorgebracht. Übernommen wurde die bekannte Aufforderung, beim „nächsten Mal soll jeder einen mitbringen“. Die Gruppe will im März, dann wohl am Jakobsplatz, wieder auf die Straßen gehen.

Unweit des ziemlich leer wirkenden Platzes fand eine vom Fürther Bündnis gegen Rechts organisierte Gegenveranstaltung statt. 250 Menschen schlossen sich dem Aufruf an. „Rassismus ist eine No-Go-Area“, begründete der Nürnberger Verdi-Gewerkschaftsfunktionär Uli Schneeweiß den erstmaligen Protest gegen die von Russlanddeutschen getragene Versammlung.

  • Nationalistische Töne auch auf Russisch
  • Rainer Biller (links) und Dan Eising (rechts) marschieren in einer Gruppe gemeinsam auf
  • Karl Richter und Rainer Biller wird der Zugang zunächst nicht gestattet
  • Schild bei der Kundgebung
  • Organisatorin Elena Roon, Gernot Tegetmeyer (links) unterstützt
  • Rainer Biller findet Gefallen an der Veranstaltung
  • Redner bei der Kundgebung
  • Sind das deutsche Sitten? ;-)
  • Rednerin mit viel "Wissen" über den Islam
  • Bei der Gegendemo
  • Blick auf den leeren Platz
  • Martin Sichert AfD KV Nürnberg mit Fahne
  • 2016-02-14 Sichere Heimat Nürnberg (29 von 31)
  • Redner
  • Forderungen auf den Schildern.