BRK Neustadt / Aisch - Bad WindsheimRotes Kreuz für Stimmungsmache gegen Flüchtlinge missbraucht

Bayerisches Rotes Kreuz
Bayerisches Rotes Kreuz

Ein Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes in Mittelfranken sieht sich erneut einer perfiden Attacke ausgesetzt. Über ein gefälschtes Facebook-Profil eines Mitarbeiters sollen teilweise extreme Parolen verbreitet worden sein. Hinzu kommen weitere persönliche Attacken gegen das Personal. Nicht zum ersten Mal wurde die Organisation Ziel solcher Methoden.

Die Verantwortlichen haben das getan, was sie in diesem Moment wahrscheinlich als einziges tun konnten: Anzeige bei der Polizei stellen und auf Facebook eine entsprechende Stellungnahme veröffentlichen. Hintergrund sind mehrere Attacken gegen Mitarbeiter des mittelfränkischen Kreisverbandes Neustadt/Aisch – Bad Windsheim. Nach beleidigenden E-Mails an die Personen, wurden auf deren Namen im Internet Waren bestellt, Reisen gebucht und Kreditverträge abgeschlossen, so das veröffentlichte Schreiben. Ein Mitarbeiter wurde – wie schriftlich in einer solchen E-Mail angekündigt – im Netz als pädophil denunziert.

Auf den nun letzten Fall, der die Geschäftsführung dazu bewog, öffentlich zu reagieren, machten andere Facebook-Nutzer die Hilfsorganisation aufmerksam. Unter eine Stellenanzeige kommentierte eine Nutzerin, ein Mitarbeiter des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) befürworte auf der Seite „Bautzen steht auf“ brennende Flüchtlingsheime und äußere sich rassistisch über Geflüchtete. Sein Arbeitgeber stehe angeblich hinter ihm, so die Zusammenfassung einiger der offenbar bereits gelöschten Aussagen. Diese Hinweise an das BRK machen auch deutlich, dass das oder die Profile, von denen aus die Provokationen getätigt wurden, so angelegt waren, dass sie ohne größere Recherche mit der Wohltätigkeitsorganisation in Verbindung gebracht werden konnten.

Nicht zum ersten Mal Zielscheibe

Die Lebensretter aus Mittelfranken waren nicht zum ersten Mal Zielscheibe eines solch perfiden Vorgehens. Im August letzten Jahres machte in Anti-Asyl-Kreisen ein angebliches Schreiben des Kreisverbandes zum „Umgang mit Asylanten“ die Runde. Augenscheinlich unterschrieben vom Kreisgeschäftsführer wurde angekündigt, Geflüchtete nur bei akuter Lebensgefahr zu behandeln und zu transportieren. Grund sei, dass der Kreisverband auf nicht unerheblichen Kosten sitzen bleibe und das letztendlich zu Lasten der „legalen Bevölkerung“ gehe. Die Flüchtlinge würden, so die vermeintliche Einschätzung der Organisation, nur zur Durchführung medizinischer Behandlungen ins Land kommen.


Das gefälschtes Schreiben wurde alleine hier über 180x geteilt. Screenshot Facebook

Auch hierbei handelte es sich um eine Fälschung. Die Geschäftsführung erstattete Anzeige und veröffentliche mehrfach Stellungnahmen, dass gemäß ihrer Grundsätze weiterhin jede Person in Not Hilfe erfahre, unabhängig ihrer Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht oder Vermögens.

Hetze auch noch nach Enttarnung als Fälschung

Die Nutzung des Schreibens, das „besorgten Bürgern“ gut ins Weltbild passte, hörte auch mit der medialen Berichterstattung über die fehlende Authentizität nicht auf. Einen bezeichnenden Einblick in die eigenen Arbeitsweise und Methoden lieferte die Facebook-Seite von Pegida Bayern im Oktober. Der Vorwurf lautet damals, die „Lügenpresse“ würde den Hilferuf des BRK verschweigen. Bezeichnenderweise nutzte der Administrator dafür einen Screenshot aus einem Beitrag des Bayerischen Rundfunks eben über dieses gefälschte Schreiben. Schon allein das BR-Logo biss sich mit der Anschuldigung gegenüber den Medien. Kriminelle Energie kam dann aber beim Ersteller dieses Bildschirmfotos hinzu, denn das Bild musste so beschnitten werden, dass jeder Hinweis auf die Fälschung nachher nicht mehr zu sehen war, um weiterhin die von den Rassisten und Flüchtlingsfeinden gewünschte Wirkung zu erzielen.


«Aktuelle Information – Trotzdem nicht verbreitet in der Lügenpresse» Bei Pegida Bayern wird sogar mit dem Bericht über die Fälschung gearbeitet. Screenshot Facebook-Seite Pegida Bayern

Auch andere extrem Rechte bis hin zu Holocaustleugnern nutzten in der Vergangenheit immer wieder den Namen anerkannter Hilfsorganisationen für ihre Hetze. Der Ruf der Organisation soll das ersetzen, was den Hetzern an Fakten und Quellen fehlten. So soll die „zur Neutralität verpflichtete“ Internationale Kommittee des Roten Kreuzes angeblich schon die Fantasiezahlen der rechten Szene über die Opfer der Bombenangriffe von Dresden bestätigt haben, sowie gute Lebensbedingungen in den deutschen Konzentrationslagern. Im Fall von Neustadt/Aisch – Bad Windsheim dürfte es eine Mischung sein aus persönlicher Rache und Stimmungsmache. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln.