Spuckattacke auf ReporterKeine 200 Anhänger bei Pegida in München

Relativ chaotisch zogen Heinz Meyer (Mitte, mit Schal) und Konsorten durch München
Relativ chaotisch zogen Heinz Meyer (Mitte, mit Schal) und Konsorten durch München

Die Demonstration am gestrigen Montag, die 49. laut Zählung der Veranstalter, war inhaltlich wie organisatorisch eine ungeordnete Veranstaltung. Heinz Meyer verdächtigte eine 75-jährige Rentnerin, Pegida sabotieren zu wollen. Ein AfD-Sprecher durfte Werbung für eine Demonstration machen.

Heinz Meyer, Kopf von Pegida München, hatte am Ende der Veranstaltung allen Grund, sich zu entschuldigen. Probleme mit der Technik, er schob es auf den neuen Beamer, hatten die Veranstaltung begleitet. Der „Spaziergang“ musste vorverlegt werden und auch danach lief es nicht so, wie gewollt.

Den eigentlichen Aufreger hatte Meyer schon an den Anfang gelegt. Letzte Woche war eine 75-jährige Frau am Rande der Kundgebung der Islamfeinde am Marienplatz zu Sturz gekommen. Sie zog sich blutende Wunden zu. Die Vorwürfe von offizieller Seite lauten nun, der Pegida-Funktionär soll die Rentnerin gestoßen und zu Fall gebracht haben. Meyer hatte sie in der Nähe der Technik gesehen und das wohl zum Anlass genommen. Pegida präsentierte nun, basierend auf einem Youtube-Video einer Gegnerin, eine andere Version.

Hyänenhafte Rentnerin im Auftrag des Systems

Die Dame sei Teil der Gegendemonstration gewesen und hätte „hyänenhaft“, so Meyer, auf eine Gelegenheit zur Sabotage gewartet. Die gezeigten Standbilder bewiesen nur, dass die Frau in der Nähe stand und sich dann hinter den von Pegida genutzten Sprinter begab. Sie sei auch nicht gestoßen worden, sondern auf frischer Tat ertappt, so die Lesart der Stellungnahme, auf der Flucht gefallen. Ein junger Zuschauer, für die Islamfeinde „ihr Komplize“, habe die Verwirrung noch für einen Angriff auf Meyer genutzt. Laut Polizei gehörte die Rentnerin weder Pegida noch den „opponierenden Teilnehmern“ an. Am gestrigen Abend wurde von den Nationalisten noch die Durchhalteparole gestrickt, „die Gegner“ müssten am Ende sein, wenn sie schon 75-Jährige und Jugendliche auf solche „Missionen“ schicken müssten.

Von einem „Wachsen und Wirken“, wie Pegida München es Woche für Woche ihren Anhängern suggeriert, konnte allerdings nicht die Rede sein. Etwa 180 Personen schlossen sich dem „Spaziergang“ an, für den wieder etliche Straßen in Münchens Innenstadt gesperrt werden mussten. Auch Geschäfte entlang der Strecke wurden stellenweise abgeriegelt. Im für Demonstrationen ungewöhnlich hohen Tempo sprintete Pegida am Platz der Opfer des Nationalsozialismus vorbei. Am Karolinenplatz wurde am unbeleuchteten Obelisk ein Kranz für die in Russland gefallenen deutschen Soldaten niedergelegt und kurz danach wieder eingepackt. Allerdings waren nicht die Landser ab 1941 gemeint, sondern die, die mit Napoleon 1812 gen Osten zogen. Akteure von Pegida nutzten die im Eiltempo durchgezogene Aktion für Attacken in Richtung Presse. Ein Fotograf erstattete nach eigenen Angaben Anzeige. Ein Spuckattacke auf einen anderen Reporter bleibt vermutlich folgenlos.

AfD mit Werbung für Demonstration

Überfordert wirkte an dem Tag auch Hartmut Pilch, der von Pegida gerne als ihr „Vorzeige-Intellektueller“ bezeichnet wird. Er begann mit Anspielungen auf Goebbels Sportpalastrede. Zitate daraus hatten Meyer eine erstinstanzliche Verurteilung wegen Verstoßes gegen Versammlungsauflagen eingebracht. Seine vorbereitete Präsentation fiel aus. Er sprach relativ unzusammenhängend von Erziehung und Volk und warf den Gegendemonstranten „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ vor. Aber eigentlich hielt es nicht viel von Heitmeyers Forschungsansätzen. Sie seien vielmehr ein Versuch, Gegner des Islams in die rechtsextreme Ecke zu stellen.

Vor dem Spaziergang durfte ein Funktionär der AfD Werbung für deren Demonstration in Geretsried machen. Die findet eigentlich am kommenden Samstag statt, der Vertreter sprach aber mehrfach von „Juni“. Pegida umrahmte die Veranstaltung wieder mit einigen Videos. Ein Imagefilm über Norwegen sollte wieder zur Abgrenzung der europäischen „Kultur“ gegenüber dem Orient dienen, verbunden mit dem üblichen Bedrohungsszenario, Einwanderung würde das alles zerstören. Ein weiterer Film über Bayern wurde gegen Ende mit der gleichen Intention gezeigt. Dazwischen präsentierte Pegida ihre „Sure des Tages“ und zeigte ein Video übers Schächten. Auch den Juden wurde von Heinz Meyer abgesprochen, Tiere so schlachten zu dürfen. Gegen Charlotte Knobloch, ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden, wurde eine Spitze gesetzt.

Pegida wurde wie immer von Gegendemonstrationen begleitet. Am gestrigen Abend war diese deutlich in der Überzahl. Am Odeonsplatz waren die Gegner schon zahlenmäßig überlegen. Am Platz der Opfer des Nationalsozialismus fanden sich zusätzlich noch etwa hundert Teilnehmer ein. Eine kleine Blockade wurde von der Polizei geräumt und die Islamhasser am Rand vorbeigeleitet.

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