AfD NürnbergNürnberg: Großdemonstration der AfD floppte

Der ganze Demonstrationszug passte auf ein Bild. Großdemo?
Der ganze Demonstrationszug passte auf ein Bild. Großdemo?

Mit nur 170 Teilnehmern fiel die groß angekündigte Veranstaltung der rechtspopulistischen Partei am Tag der drei Landtagswahlen relativ klein aus. Ein Fotograf des Bayerischen Rundfunks wurde auf der kurzen Strecke von einem Anhänger attackiert. Anwesende Neonazis wurden mit zur Wahlparty in einen nahen Gasthof genommen.

Eine große Demonstration sollte es sein, zu der Martin Sichert, Vorsitzender der Nürnberger AfD mit Faible für Geschichtsrevisionismus, eingeladen hatte. Die Posse um eine gefälschte Schlagzeile der Münchner Abendzeitung hatte dem Kreisverband zusätzliche Aufmerksamkeit beschert. Die Partei wendete juristischen Ärger durch Unterzeichnung einer Unterlassungserklärung ab. Über 200 Personen hatten sich auf Facebook für die Veranstaltung „interessiert“.

Wie schon am Tag zuvor in Geretsried fiel die Veranstaltung dann eher bescheiden aus – und das trotz weiträumiger Mobilisierung. So fanden sich unter den 170 Teilnehmern Personen aus ganz Franken. Nils Altmieks, Sprecher der Identitären Bewegung Deutschlands, schloss sich einer kleinen Gruppe an, ging allerdings vor dem Ende wieder.

Auf einen kurzen Sprung schaute der verurteilte Holocaustleugner Gerd Ittner vorbei, sprach kurz mit den anwesenden Neonazis aus dem Die Rechte / Nügida-Umfeld und verschwand auf seinem Fahrrad wieder. Insgesamt beteiligten sich an der AfD-Veranstaltung mindestens drei Verdächtige aus dem rechtsextremen Spektrum, gegen die wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung und vermuteten Anschlagspläne auf linke Einrichtungen und Flüchtlingsunterkünfte im Raum Bamberg ermittelt wird. Auch andere rechte Nürnberger Gruppen machten der Petry-Partei ihre Aufwartung. Von Pegida Nürnberg erschien deren Leiter Gernot Tegetmeyer. Einige Schilder waren auch schon am Freitag am Prinzregentenufer zu sehen gewesen. Die Bürgerinitiative „Sichere Heimat“, die von Russlanddeutschen getragen wird, von denen sich einige im Umfeld der Partei „Die Einheit“ organisieren sollen, war mit etlichen Unterstützern, darunter der Sprecherin Elena Roon, vor Ort und stellte einen Redner.

Kurzer „Spaziergang“ und Angriff auf BR-Team

Die AfD hatte sich für ihre Veranstaltung, bei der es um „zentrale Werte der Gesellschaft“ gehen sollte, das Nürnberger Justizgebäude samt Erinnerungsstätte der Nürnberger Prozesse ausgesucht. Auf dem kurzen Weg dahin, von der U-Bahnstation Bärenschanze aus, kam es zu einem Übergriff eines Teilnehmers auf einen Fotografen des Bayerischen Rundfunks. Die Polizei stellte die Personalien des Angreifers fest – es soll sich um einen von Pegida bekannten Hobbyfilmer handeln – und leitete Ermittlungen ein. Ein Teilnehmer stalkte eine anwesende Wissenschaftlerin und Journalistin und behinderte ihre Arbeit. Die Polizei ließ den auch weit abseits der Kundgebung agierenden Mann gewähren.


Teilnehmer behindert gezielt Pressearbeit auch deutlich abseits der Kundgebung

Am LKW gab es eher trockene Reden durch zahlreiche Funktionäre aus allen drei fränkischen Bezirken. Sie bemühten sich vor allem die angeblichen Rechtsbrüche der Regierung in den Mittelpunkt
zu stellen. Ein Redner tat so, als sei der subsidiäre Flüchtlingsschutz eine erst kürzlich erfundene Schutzkategorie für Bürgerkriegsflüchtlinge. Weil dieser Schutz zudem nur temporär sei, lehnte er sämtliche Integrationsbemühungen rundweg ab. Ganz im Stile der gefälschten AZ-Schlagzeile, bei der die Partei mit der Ausrede spielte, Attacken auf Flüchtlingsheime würde von Linken begangen, lehnte ein Redner die Verantwortung für die steigenden Angriffe auf Asylunterkünfte komplett ab. Bundeskanzlerin Angela Merkel, so der Redner, sei politisch dafür verantwortlich.
Lebhafter wurde es nur bei dem Redner der Jungen Alternative, der auf Stimmungsmache setzte. Der Redner aus den Reihen der BI setzte auf Antiamerikanismus.


Eising und Biller auf dem Weg zur Wahlparty mit dem Rest der AfD

Die AfD setzte „zum Schutz“ ihrer Veranstaltung nicht nur gekennzeichnete Ordner ein, sondern auch eine martialisch auftretende Truppe. Auf die Vermummung eines dieser „Aufpasser“ reagierte die Polizei nur mit einer Ermahnung. Die Veranstaltung endete gegen 17 Uhr. Die Teilnehmer begaben sich mitsamt der anwesenden Neonazis um Rainer Biller und Dan Eising zum Ort der anschließenden Wahlparty.

Auf beiden Seiten der Absperrung demonstrierten Initiativen gegen die AfD. Aufgerufen dazu hatte die Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg. Die Veranstalter sprachen von 1.000 Personen, die an dem Tag gegen die Partei auf die Straßen gingen, die Polizei von etwa 500. Die Polizei setzte Schlagstock und Pfefferspray ein, um zu verhindern, dass AfD-Gegner in den abgesperrten Bereich gelangen konnten.

  • Der ganze Demonstrationszug passte auf ein Bild. Großdemo?
  • 2016-03-13 AfD Nürnberg (3 von 39)
  • Schild bei Gegendemo
  • Blick auf das eine Ende der Gegendemonstration
  • AfD Nürnberg Punkt 15.00 Uhr. War der anvisierte Start
  • Von unten wirkt Zug größer als er war
  • Am LKW angekommen war es nicht größer
  • Eising - Ittner - Biller
  • Redner aus Oberfranken
  • Teilnehmer behindert gezielt Pressearbeit auch deutlich abseits der Kundgebung
  • Blick auf die zweite Gegenkundgebung
  • Redner aus Unterfranken
  • Von der Jungendorganisation
  • Redner aus den Reihen der BI Sichere Heimat
  • Eising und Biller auf dem Weg zur Wahlparty mit dem Rest der AfD