Pegida München fälschte Zitate von Grünen-Politikern

Pegida München machten nicht nur einen Bogen ums Siegestor, sondern auch um Fakten
Pegida München machten nicht nur einen Bogen ums Siegestor, sondern auch um Fakten

Pegida München könnte neuer rechtlicher Ärger drohen. Einigen Politikern wurde falsche Zitate in den Mund gelegt. Die Hochstimmung im rechten Lager nach der Landtagswahl übertrug sich nicht direkt auf die Straße. Es kam zu versuchten Übergriffen auf Medienvertreter.

In der Spitze vielleicht 250, gegen Ende aber kaum mehr als 150 Personen zog es einen Tag nach den Wahlerfolgen der AfD zu Pegida München. Versammlungsort war der Platz vor dem Innenministerium bei der Reiterstatue. Zwei Aktivsten kommentierten zu Beginn ein Video über Italien. Ziel war wie früher eine strikte Trennlinie zwischen den «Großkulturen» in Europa, Asien und Afrika zu ziehen. Erneut sah es nicht selbst produziert aus, wie so vieles, was die Islamhasser den Abend über zeigten.

In einem Fall wurde mit Material der WDR-Sendung „aktuelle Stunde“ pauschal gegen Menschen islamischen Glaubens gehetzt. Der Versammlungsleiter und lokale Pegida-Chef Heinz Meyer betonte – explizit als seine Privatmeinung verkauft – er vertraue keinem einzigen Muslim. Später war ein Pfarrer für ihn eine «Ratte», weil dieser Kirchenglocken gegen Pegida eingesetzt habe. Er präsentierte den Anwesenden angebliche Zitate von Politikern aus den Reihen der Grünen, deren Herkunft mehr als fraglich ist, darunter einen auf rechten Seiten Jürgen Trittin zugeschriebenen Satz, den er nie gesagt hat. Auch die Claudia Roth in den Mund gelegten Worte stammten nicht von der Bundestagesvizepräsidentin. In beiden Fällen handelt es sich um einen klaren Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht.


Angebliche Zitatesammlung – Trittin hat sich schon häufig erfolgreich gewehrt

Die Münchner Nationalisten und Islamfeinde greifen immer mehr auf Videos zurück, das verkürzt die Zeit für Redner. Birgit Weißmann, vor einem Jahr noch Anführerin, ergreift kaum mehr das Wort und begnügt sich damit, gegen Pegida-Gegner und Journalisten zu pöbeln und auch mal mit Neonazis zu scherzen. Neben Meyer sprachen noch der AfD-Politiker Thomas Fügner und der „Vorzeige-Intellektuelle“ des Münchner Ablegers, Hartmut Pilch, dessen Rede erneut wenig strukturiert wirkte. Er wollte die Katastrophe von Fukushima nicht mit der Atomkraft in Verbindung bringen. Ansonsten sprang er zwischen Medienkritik, Schmähungen der Gegner und Ablehnung humanitärer Politikvorstellungen wahllos hin und her.

Bekannte Neonazis weiter kein Problem, umso mehr Medien

Nicht unbedingt größer, allerdings prominenter fiel an dem Tag der Neonazi-Anteil an der Versammlung aus. Rechtsterrorist Karl Heinz Statzberger, durch eine Dokumentation des SWR zuletzt wieder deutlicher in den Fokus gerückt, nahm mit offizieller Parteimütze des Dritten Weges an der Demonstration teil. Auch der Multifunktionär Roland Wuttke, zuletzt in Berlin zusammen mit der Holocaustlegnerin Ursula Haverbeck aufgetreten, fand am gestrigen Montag wieder seinen Weg zu Pegida. Alles kein Problem bei Pegida im Jahr 2016.

Die Demonstrationsstrecke ging an dem Tag Richtung Norden und umrundete das Siegestor. Kurz darauf musste der Zug stocken, da mittlerweile Gegendemonstranten einen Teil der Route blockierten. Auf dem weiteren Rückweg versuchten sich immer wieder kleinere Gruppen vor Pegida zu setzten. Die Polizei kesselte diese am Rand ein. Zurück am Odeonsplatz nutzte ein Teilnehmer, der auch schon mit den Neonazis vom Dritten Weg durch Wunsiedel spaziert war, die Nähe zur Presse für eine gezielte Attacke auf einen Fotografen, verfehlte allerdings sein Ziel. Anzeige wurde keine erstattet.

Auch ein Team des BR wurde nach eigener Auskunft mehrfach beleidigt. Auch soll die Kamera Ziel eines Angriffs gewesen sein, der ebenfalls glimpflich ausging. Aus dem Demozug heraus wurden Fotografen immer wieder mit Taschenlampen gezielt geblendet. Meyer hatte in seiner Rede die Stimmung gegenüber Journalisten angeheizt. Nächste Woche soll Publizist Jürgen Elsässer, dessen Compact-Magazin Pegida noch Mal ausdrücklich den Anwesenden ans Herz legte, an gleicher Stelle sprechen.

  • Pegida München machten nicht nur einen Bogen ums Siegestor, sondern auch um Fakten
  • Angebliche Zitatesammlung - Trittin hat sich schon häufig erfolgreich gewehrt
  • Blick auf Pegida, nicht sonderlich mehr als frpher, trotz AfD-Hype
  • Pegida blickt auf Video über Italien
  • gezielte Blendaktion I
  • Blick auf den "Spazerigang" Pegida München
  • gezielte Blendaktion II
  • gezielte Blendaktion III
  • 2016-03-13 Pegida München (19 von 30)
  • Pegida München muss nach dem Siegestor kurz stoppen
  • gezielte Blendaktion IV
  • Vorsitzende des Münchner Pegida-Vereins, Birgit Weißmann
  • Rechtsterrorist Karl Heinz Statzberger offen mit Mütze der Neonazi-Partei Der Dritte Weg
  • Aus der Präsentation von Hartmut Pilch
  • Redner Hartmut Pilch