AfD, NPD, BürgerwehrRechte Samstagsdemonstrationen auf Sparflamme

Im Verhältnis 1 zu 10 standen sich in Schweinfurt die beiden Lager gegenüber.
Im Verhältnis 1 zu 10 standen sich in Schweinfurt die beiden Lager gegenüber.

Während die «Merkel muss weg»-Veranstaltung in Berlin mit 3.000 Teilnehmern über den Erwartungen der Sicherheitsbehörden lag, fanden die gleichgelagerten Veranstaltungen im Freistaat wenig Anklang. In Schweinfurt kamen auf jeden Rechten zehn Gegner. In Geretsried kam die AfD trotz Unterstützung durch Pegida nur auf 150 Anhänger.

In Schweinfurt wurde über eine «Wehrt sich»- Seite auf Facebook zu einer Veranstaltung auf dem Schillerplatz mobilisiert. Hinter dieser Initiative verbirgt sich nur schlecht getarnt die NPD. Wie bei einer ähnlich aufgezogenen Aktion aus Bamberg führt die Kontaktadresse auf Druckerzeugnissen in die Berliner Zentrale der von einem Verbot bedrohten Partei. Auf einer der ersten Veranstaltung in der unterfränkischen Stadt kamen mit dem stellvertretenden Landesvorsitzenden Axel Michaelis und dem niederbayerischen Kader Sascha Roßmüller zwei bekannte Funktionäre der NPD zu Wort.

Organisatorin Monique Schober, die via YouTube-Videos für die Veranstaltung warb, blieb die einzig lokale Rednerin. Am Samstag sprach erneut Michaelis. Hinzu kam der frühere Landesvorsitzende der Partei und Stadtrat in München, Karl Richter, der eine längere Redezeit für sich in Anspruch nahm. Weiter sprach aus Thüringen der erst kürzlich als Landesorganisationsleiter der NPD zurückgetretene David Köckert, Stadtrat in Greiz, der einer der führenden Köpfe hinter Thügida ist. Er stellte auch den als Bühne benutzten Pritschenwagen.

Aus dem angrenzenden. Bundesland waren auch Angehörige der rechtsextremen Vereinigung «Bündnis Zukunft Hildburghausen» angereist. Die Unterstützung aus Oberfranken blieb dagegen eher hinter den Erwartungen zurück. Fahnen der mit Holocaustleugnern durchsetzten Organisation Europäische Aktion (EA) wurden mitgeführt.

Ein vom DGB getragenes Bündnis hatte zum Protest gegen die Veranstaltung aufgerufen. Dort schlossen sich über 500 Menschen dem Aufruf an.

Geretsried

Hinter den Erwartungen zurück blieb auch eine Veranstaltung der AfD in Geretsried, südlich von München. 300, vielleicht 500, sollten kommen. Während ihrer «Herbstoffensive» hatte die Partei sogar vierstellige Teilnehmerzahlen in den Grenzorten zu Österreich erreicht. Es wurden nach Angaben der Polizei nur 150 und das trotz der Unterstützung durch Pegida München. Auf deren letzten Spaziergang hatte ein Funktionär geworben, etliche Personen des harten Kerns der Münchner Islamhasser folgten dem Aufruf. Neben Birgit Weißmann, die dem Verein vorsteht, kam wieder die typische Mischung aus Ordnern und Neonazis mit in die Stadt. Ebenso waren Identitäre vertreten. Die Polizei stellte bei Vorkontrollen acht Messer und sieben Pfeffersprays sicher. Eher bei Personen aus dem rechten Spektrum, schrieb sie in der Pressemitteilung. Ein Gegendemonstrant wurde für ein A.C.A.B-Shirt belangt. Laut Süddeutscher Zeitung sagten sowohl ein Redner der FPÖ als auch eine Blaskapelle kurzfristig ihren Auftritt bei der AfD ab.

An der Gegenveranstaltung, zu der alle im Rathaus vertretenen Parteien aufgerufen hatten, kamen laut Polizeiangaben 1.100 Menschen, die sich mit Flüchtlingen solidarisierten. Sie säuberten anschließend symbolisch noch den von der AfD benutzten Platz.

Landkreis Rosenheim

In Oberbayern hatte ein Bündnis „Zukunft Feldkirchen-Westerham“ zu einer Versammlung mit anschließendem „Spaziergang“ mobilisiert. Sie beklagten laut mangfall24.de, dass im Gemeinderat die Stimmung mittlerweile „pro Asylunterkunft gekippt sei“. Typisch rechts machten sie daran die Frage der Sicherheit im Ort abhängig. Auch für eine Bürgerwehr soll geworben worden sein. Etwa 50 Personen schlossen sich hier an, darunter auch laut Beobachtern ein ehemaliger Funktionär der Partei Die Rechte. Etwa 200 Personen beteiligten sich an der Gegenveranstaltung.

Fotos aus Schweinfurt

  • Im Verhältnis 1 zu 10 standen sich in Schweinfurt die beiden Lager gegenüber.
  • Mitte Axel Michaelis, rechts dahinter Funktionär Frank Rohleder
  • Blau-gelb: Die Fahnen der Europäischen Aktion
  • Bündnis Zukunft Hildburghausen (BZH) war schon häufiger auf extrem rechten Demos in Bayern
  • Breit, aber nicht viele
  • Banner aus Schweinfurt
  • Monique Schober
  • David Köckert, NPD, Greiz
  • Die Bühne, am Steuer der NPD-Funktionär Frank Rohleder
  • Ralf Mytner, Vorsitzender der NPD Unterfranken
  • Karl Richter, Mitarbeiter von Udo Voigt und Stadtrat in München
  • Thügida-Banner